Zuckersteuer-Debatte: Schleswig-Holstein startet neue Bundesratsinitiative gegen Übergewicht
Neue Bundesratsinitiative: Zuckersteuer gegen Übergewicht bei Kindern

Neuer Vorstoß im Kampf gegen Übergewicht bei Kindern

Die Debatte um eine Zuckersteuer zur Bekämpfung von Übergewicht bei Kindern und Jugendlichen erhält neuen Schwung. Nachdem der Antrag auf eine solche Steuer beim CDU-Bundesparteitag in Stuttgart gescheitert war, startet Schleswig-Holstein nun eine Bundesratsinitiative. Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) lässt nicht locker und fordert die Bundesregierung auf, eine Steuer oder Abgabe einzuführen, um den Zuckergehalt in Getränken zu reduzieren.

Alarmierende Zahlen zu Übergewicht bei Kindern

Die Dringlichkeit des Themas unterstreichen aktuelle Daten des Robert Koch-Instituts. Etwa 1,3 Millionen Kinder in Deutschland sind übergewichtig oder sogar adipös. Das entspricht 15,4 Prozent aller Kinder und Jugendlichen im Alter von drei bis 17 Jahren. Besonders betroffen sind Kinder aus sozial benachteiligten Familien, bei denen der Anteil sogar deutlich über 20 Prozent liegt. Ärzte und Krankenkassen warnen vor den langfristigen Gesundheitsrisiken, darunter ein erhöhtes Risiko für Typ-2-Diabetes.

Politische Kontroverse innerhalb der Union

Der Vorstoß von Ministerpräsident Günther stößt innerhalb seiner eigenen Partei auf Widerstand. Christina Stumpp, stellvertretende CDU-Generalsekretärin, kritisierte die Pläne als „grüne Bevormundungspolitik“ und betonte das CDU-Prinzip des mündigen Bürgers. Auch der baden-württembergische Landwirtschaftsminister Peter Hauk (CDU) lehnte den Vorschlag ab. Dennoch beschloss das schleswig-holsteinische Kabinett am Dienstag die Bundesratsinitiative, die in der kommenden Woche in der Länderkammer behandelt werden soll.

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Breite Unterstützung in der Bevölkerung

Eine aktuelle Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey zeigt, dass 60 Prozent der Befragten eine Zuckersteuer befürworten. Interessanterweise liegt die Zustimmungsquote bei CDU/CSU-Anhängern mit 64 Prozent sogar über dem Durchschnitt. Trotz dieser breiten Unterstützung in der Bevölkerung zeigen sich viele politisch Verantwortliche zögerlich, unter anderem aus Sorge vor dem Etikett „Verbotspartei“.

Wissenschaftliche Perspektiven und internationale Erfahrungen

Sarah Forberger vom Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie in Bremen sieht in der Besteuerung von Getränken einen „guten Startpunkt“, betont aber, dass ein umfassender Maßnahmenkatalog notwendig sei. Johannes Bauernfeind, Vorstandsvorsitzender der AOK Baden-Württemberg, verweist auf positive Erfahrungen aus Großbritannien, wo der Zuckergehalt in Getränken nach Einführung einer Steuer um mehr als ein Drittel gesunken sei.

Komplexe Studienlage und geschlechtsspezifische Effekte

Die wissenschaftliche Bewertung der Zuckersteuer zeigt ein differenziertes Bild. Karl Emmert-Fees von der Technischen Universität München weist darauf hin, dass Studien aus Großbritannien positive Effekte auf das Körpergewicht bei Mädchen, nicht aber bei Jungen zeigen. Die komplexe Studienlage und mögliche marketingbedingte Unterschiede machen eine abschließende Bewertung schwierig.

Die Bundesratsinitiative aus Schleswig-Holstein fordert neben der Zuckersteuer auch eine gesetzliche Altersgrenze von 16 Jahren für den Verkauf von Energydrinks. Ob der Vorstoß Erfolg haben wird, bleibt angesichts des erwarteten Widerstands aus unionsgeführten Ländern wie Bayern, Sachsen und Sachsen-Anhalt ungewiss.

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