Stadt leidet an Stress, Land eher am Rücken: DAK-Analyse zeigt regionale Unterschiede bei Krankschreibungen
Eine aktuelle Auswertung der DAK-Gesundheit offenbart faszinierende regionale Unterschiede bei den Krankheitsursachen in Mecklenburg-Vorpommern. Während Beschäftigte in Neubrandenburg und im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte im Jahr 2025 durchschnittlich gleich lange krankgeschrieben waren, unterscheiden sich die Gründe für die Fehlzeiten erheblich zwischen städtischem und ländlichem Raum.
Gleicher Krankenstand, unterschiedliche Krankheitsbilder
Die DAK-Studie zeigt, dass sowohl in Neubrandenburg als auch in der Mecklenburgischen Seenplatte der Krankenstand bei 6,5 Prozent lag. Dies entspricht durchschnittlich 24 Kalendertagen Krankmeldung pro versichertem Beschäftigten. Doch hinter dieser statistischen Gemeinsamkeit verbergen sich deutliche Unterschiede in den Krankheitsursachen.
In der Stadt Neubrandenburg dominieren psychische Erkrankungen das Krankheitsgeschehen. Sie verursachten im vergangenen Jahr 525 Fehltage je 100 erwerbstätige Versicherte und stellen damit den häufigsten Grund für Krankschreibungen dar. An zweiter Stelle folgen Atemwegserkrankungen, gefolgt von Beschwerden des Muskel-Skelett-Systems wie Rücken- oder Gelenkproblemen.
Ländlicher Raum mit anderen Herausforderungen
Im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte zeigt sich ein völlig anderes Bild. Hier sind Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems die Hauptursache für Arbeitsausfälle mit 443 Fehltagen je 100 Versicherte. Erst auf Platz zwei folgen Atemwegserkrankungen, während psychische Erkrankungen hier nur den dritten Rang einnehmen.
„Der Krankenstand hat sich mit 6,5 Prozent auf einem hohen Niveau eingependelt“, erklärt Carmen Tiede, Leiterin des DAK-Servicezentrums in Neubrandenburg. „Umso wichtiger ist es, die unterschiedlichen Ursachen in Stadt und Land genauer zu betrachten und passende Präventionsmaßnahmen zu entwickeln.“
Trends und regionale Vergleiche
Interessant ist die Entwicklung in Neubrandenburg: Obwohl der Krankenstand von 7,6 Prozent im Jahr 2022 auf 6,5 Prozent im Jahr 2025 gesunken ist, liegt die Stadt weiterhin leicht über dem Landesdurchschnitt. In ganz Mecklenburg-Vorpommern fehlten Beschäftigte 2025 durchschnittlich etwa 23 Tage krankheitsbedingt im Job.
Die Zahlen deuten auf unterschiedliche Belastungsprofile im Arbeitsalltag hin. Während in der Stadt vermutlich Stress und psychische Beanspruchung eine größere Rolle spielen, könnten im ländlichen Raum körperlich anstrengende Tätigkeiten häufiger zu Muskel-Skelett-Problemen führen.
Methodik und bundesweiter Vergleich
Für ihre Analyse hat die DAK-Gesundheit die Krankschreibungen von rund 160.000 Versicherten in Mecklenburg-Vorpommern ausgewertet, darunter etwa 25.000 im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte und rund 5.500 in der Stadt Neubrandenburg. Als gesetzliche Krankenkasse deckt die DAK vorrangig abhängig Beschäftigte ab, während Beamte und privat Versicherte in dieser Statistik nicht berücksichtigt sind.
Bundesweit zeigt sich ein niedrigeres Niveau: Deutschlandweit fehlten Beschäftigte zuletzt durchschnittlich etwa 19,5 Tage im Jahr. Der Begriff Krankenstand beschreibt dabei den Anteil der Beschäftigten, die an einem durchschnittlichen Tag krankgeschrieben sind. Ein Wert von 6,5 Prozent bedeutet statistisch, dass täglich etwa 65 von 1.000 Beschäftigten krankheitsbedingt ausfallen.
Die DAK-Studie unterstreicht die Notwendigkeit regional angepasster Gesundheitsstrategien und zeigt, wie unterschiedlich die gesundheitlichen Herausforderungen in städtischen und ländlichen Regionen sein können.



