Terminfrust in Arztpraxen: Patienten verzweifeln an langen Wartezeiten
Es ist ein leidiges Prozedere, das sich in Deutschland täglich hunderttausendfach wiederholt: Der Versuch, einen zeitnahen Arzttermin zu ergattern, endet beim Großteil der Patienten in Frust und Empörung. Nur mit einer Mischung aus großer Leidensfähigkeit und ausgeprägter Geduld ist dieser Prozess überhaupt zu ertragen. Mittlerweile ist die Situation so angespannt, dass potenzielle Patienten telefonisch in Arztpraxen oft gar nicht mehr durchkommen. Personalmangel und Überbelastung lassen das Telefon einfach durchklingeln. In der Regel hilft – sofern man dazu gesundheitlich überhaupt in der Lage ist – nur der persönliche Gang zum Arzt, um am Tresen in der Praxis in Bittstellung um einen Termin zu feilschen.
Wartezeiten haben sich seit 2019 deutlich verlängert
Das im Jahr 2019 mit den Stimmen der Fraktionen von CDU/CSU und SPD beschlossene Terminservice- und Versorgungsverbesserungsgesetz (TSVG) sollte gesetzlich Versicherten eigentlich schneller zu Arztterminen verhelfen. Das Ziel war, dass sie „genauso schnell Arzttermine bekommen wie Privatversicherte“, wie die Fraktion der Linken in einem aktuellen Antrag schreibt, der am Freitag im Bundestag beraten wird. Vor sieben Jahren wurden unter anderem die Mindestsprechstundenzeiten für Kassenärzte von 20 auf 25 Stunden pro Woche heraufgesetzt, die Vergütungen erhöht und neue Vergütungen eingeführt sowie die Rufnummer 116117 zu einer rund um die Uhr erreichbaren Terminservicestelle umgebaut. Doch das Ziel blieb unerreicht: „Termine gab es nicht schneller und Privatversicherte werden bei der Terminvergabe weiterhin bevorzugt.“
Laut der Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Linken hat sich für gesetzlich Versicherte die durchschnittliche Wartezeit auf Facharzttermine sogar verlängert: Mussten die Patienten im Jahr 2019 noch durchschnittlich 33 Tage warten, ist diese Zahl im Jahr 2024 auf 42 Tage hochgeschnellt. Diese deutliche Verschlechterung unterstreicht die Dringlichkeit des Problems und zeigt, dass die bisherigen Maßnahmen nicht ausreichend waren.
Linke fordert umfassende Reformen
Deshalb fordern die Linken in ihrem Antrag die Bundesregierung auf, einen Gesetzentwurf vorzulegen, in dem unter anderem geregelt ist, dass bei der Terminvergabe der Versicherungsstatus (gesetzlich oder privat versichert) grundsätzlich nicht mehr abgefragt werden darf. Verstöße müssten konsequent sanktioniert werden. „Für die Behandlung von privat und gesetzlich Versicherten wird, sobald es geht, eine einheitliche Gebührenordnung eingeführt, sodass Anreize für die bevorzugte Terminvergabe an Privatversicherte und die unterschiedliche Versorgungsqualität minimiert werden“, heißt es weiter.
Zudem soll eine Terminvergabe innerhalb von vier Wochen oder kürzer bei medizinischer Notwendigkeit durch die Kassenärztliche Vereinigung initiiert werden. Kassenärzte werden gesetzlich verpflichtet, ihre freien GKV-Termine tagesaktuell auf einer nicht kommerziellen Plattform, beispielsweise vom Bundesministerium für Gesundheit eingerichtet, für die Patienten einzustellen. Diese Regelung soll engmaschig überprüft werden, um sicherzustellen, dass sie tatsächlich zu einer Verbesserung der Situation führt.
Die Forderungen der Linken zielen darauf ab, die strukturellen Ungleichheiten im Gesundheitssystem zu beseitigen und allen Patienten einen fairen Zugang zu medizinischer Versorgung zu gewährleisten. Ob diese Vorschläge im Bundestag auf Zustimmung stoßen, bleibt abzuwarten, doch der Handlungsbedarf ist angesichts der steigenden Wartezeiten unbestreitbar.



