Elternzeit in Deutschland: Väteranteil stabil, aber große regionale Unterschiede
In Deutschland werden seit Jahren immer weniger Kinder geboren – im vergangenen Jahr waren es schätzungsweise 650.000 Neugeborene. Parallel dazu ist auch die Zahl der Menschen, die Elterngeld beziehen, zum vierten Mal in Folge gesunken. Bundesweit haben im vergangenen Jahr 1,61 Millionen Personen Elterngeld erhalten, was zusammengerechnet mehr als 7,1 Milliarden Euro ausmacht. Dies entspricht einem Rückgang von 3,7 Prozent gegenüber 2024 und sogar 13,9 Prozent im Vergleich zu 2021, wie das Statistische Bundesamt mitteilte.
Väteranteil bleibt konstant bei 25,9 Prozent
Während die Gesamtzahl der Leistungsempfänger zurückgeht, bleibt der Anteil der Väter, die für ihren Nachwuchs eine berufliche Auszeit nehmen, weitgehend stabil. Bei allen Elterngeld-Empfängern lag der Väteranteil im vergangenen Jahr bei 25,9 Prozent, nach 25,8 Prozent im Jahr 2024. Diese Stabilität zeigt, dass sich immer mehr Männer aktiv an der frühen Kinderbetreuung beteiligen, auch wenn die Gesamtzahlen rückläufig sind.
Deutliche regionale Unterschiede: Sachsen an der Spitze
Die Analyse des Statistischen Bundesamts offenbart jedoch erhebliche regionale Unterschiede. In Sachsen war der Väteranteil mit 30 Prozent am höchsten, gefolgt von Baden-Württemberg mit 28 Prozent und Bayern mit 27,6 Prozent. Am anderen Ende der Skala liegen Bremen mit 21,5 Prozent und das Saarland mit nur 21 Prozent. Diese Diskrepanzen deuten auf unterschiedliche kulturelle oder wirtschaftliche Faktoren in den Bundesländern hin, die die Inanspruchnahme der Elternzeit durch Väter beeinflussen.
Geschlechtsspezifische Ungleichheit bei der Dauer der Elternzeit
Noch ausgeprägter sind die Unterschiede bei der Dauer der Elternzeit. Die 1,19 Millionen Frauen planten den Bezug des Elterngelds durchschnittlich für 14,9 Monate, während die 417.000 Männer im Schnitt nur 3,8 Monate in Anspruch nahmen. „Hier zeigt sich eine geschlechtsspezifische Verteilung von Sorgearbeit, die sich, das wissen wir aus der Forschung, im Verlauf der weiteren Erziehungsjahre fortsetzen wird“, kritisiert Bettina Kohlrausch, wissenschaftliche Direktorin des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung. „Diese ungleiche Verteilung der unbezahlten Sorgearbeit geht für Mütter mit erheblichen sozialen Risiken, zum Beispiel einer niedrigen Rente, einher.“
Elterngeld Plus erreicht neuen Höchststand
Einen positiven Trend gibt es beim Elterngeld Plus, das sich vor allem an Eltern richtet, die während des Bezugs in Teilzeit arbeiten möchten. Dieses Modell fällt monatlich niedriger aus als das Basiselterngeld – es deckt 65 bis 100 Prozent des Nettoeinkommens, maximal 1800 Euro – wird dafür aber über einen längeren Zeitraum gezahlt. Im vergangenen Jahr planten 648.000 Menschen, dieses Angebot zumindest anteilig zu nutzen, darunter 45,2 Prozent der Mütter und 26,1 Prozent der Väter. Der Gesamtanteil an allen Leistungsempfängern stieg damit von 36,7 Prozent im Jahr 2024 auf nun 40,3 Prozent, was einen neuen Höchststand markiert.
Diese Entwicklung unterstreicht, dass flexible Modelle wie das Elterngeld Plus zunehmend an Bedeutung gewinnen, auch wenn die grundlegende geschlechtsspezifische Ungleichheit bei der Elternzeit weiterhin bestehen bleibt. Die regionalen Unterschiede und die stabilen Väteranteile bieten Anlass für weiterführende Diskussionen über Familienpolitik und Gleichstellung in Deutschland.



