Sachsen intensiviert Exportoffensive nach Indien und innerhalb der EU
Die sächsische Wirtschaft sieht sich mit spürbaren Rückgängen in ihren bisher wichtigsten Exportmärkten konfrontiert. Um gegenzusteuern, setzt der Freistaat nun auf eine verstärkte Zusammenarbeit mit einem südindischen Bundesstaat und einen Ausbau der Handelsbeziehungen zu anderen EU-Ländern. Europa habe dabei die erste Priorität, betonte Staatssekretär Sebastian Scheel beim Außenwirtschaftstag in Chemnitz. „Europa first heißt aber nicht Abschottung wie in Amerika“, erklärte er. Vielmehr gehe es darum, den gemeinsamen Binnenmarkt zu stärken und überflüssige Regulierungen abzubauen.
Exportzahlen zeigen gemischtes Bild
Im vergangenen Jahr summierten sich Sachsens Exporte auf insgesamt 50,6 Milliarden Euro. Das entspricht einem leichten Rückgang von 1,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr, liegt aber immer noch fast 26 Prozent über dem Niveau vor der Corona-Pandemie. Die globalen Entwicklungen haben jedoch zu deutlichen Einbrüchen in traditionellen Absatzmärkten geführt. So gingen die Ausfuhren in die USA um 6 Prozent zurück, nach China sogar um 26 Prozent und nach Großbritannien um 1 Prozent. Diese drei Länder belegen bisher die vordersten Plätze im sächsischen Exportranking.
Positiv entwickelte sich dagegen der Handel mit anderen EU-Ländern. Hier verzeichnete Sachsen ein Plus von 5 Prozent. Mit einem Volumen von 24,3 Milliarden Euro entfallen fast die Hälfte aller sächsischen Exporte auf die europäischen Partnerländer. Diese Zahlen unterstreichen die immense Bedeutung des europäischen Binnenmarktes für die regionale Wirtschaft.
Automobilbranche als tragende Säule
„Sachsen ist ganz klar ein Exportland“, betonte Max Jankowsky, Präsident der Industrie- und Handelskammer Chemnitz. „Sächsische Produkte werden weltweit nachgefragt.“ Den Hauptanteil am Exportvolumen macht nach wie vor die Automobilbranche aus. „Deswegen müssen wir um jeden Arbeitsplatz und um jeden Zulieferer kämpfen“, so Jankowsky. Gleichzeitig müsse Deutschland insgesamt wieder wettbewerbsfähiger werden. Als nachteilig im internationalen Wettbewerb nannte er insbesondere die hohen Lohn- und Energiekosten.
Frank Wagner, Präsident der Handwerkskammer Chemnitz, kritisierte zudem die zunehmende Bürokratie innerhalb der EU. Immer neue Auflagen belasteten den Warenaustausch und trieben die Kosten in die Höhe. Als Beispiel nannte er eine neue Verpackungsverordnung, die Unternehmen verpflichtet, sich für Lieferungen in andere EU-Länder speziell registrieren zu lassen – selbst für kleine Mengen wie den Versand eines traditionellen Schwibbogens. Landesregierung und Kammern wollen daher in Brüssel verstärkt Druck machen, um solche Regulierungen „auf ein gesundes Maß zurückzuführen“.
Indien als Hoffnungsträger
Einen wichtigen Schub für den Außenhandel erhofft sich die sächsische Wirtschaft von neuen Freihandelsabkommen der Europäischen Union. Insbesondere die geplanten Abkommen mit den Mercosur-Staaten und mit Indien könnten zu einem drastischen Zollabbau führen, wie Thomas Horn, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Sachsen, erklärte. Aktuell liegt Indien auf Platz 31 der sächsischen Exportländer. „Wir werden sehen, dass das deutlich nach vorn gehen wird“, prognostizierte Horn. Gute Chancen sieht er vor allem für die Fahrzeug- und Textilindustrie sowie den Maschinenbau.
Das sächsische Wirtschaftsministerium betonte, dass Indien angesichts geopolitischer Unsicherheiten und Handelskonflikte zunehmend an Bedeutung gewinne. Aus diesem Grund wollen Sachsen und der südindische Bundesstaat Tamil Nadu künftig enger wirtschaftlich zusammenarbeiten und auch bei der Gewinnung von Fachkräften kooperieren. In Dresden wurde dazu bereits eine entsprechende Absichtserklärung unterzeichnet. Mit dieser neuen Vereinbarung soll die Beziehung zu Tamil Nadu systematisch ausgebaut werden.
Die sächsische Exportstrategie verfolgt somit einen klaren Zwei-Säulen-Ansatz: Einerseits die Vertiefung der europäischen Integration durch den Abbau von Handelshemmnissen, andererseits die Erschließung neuer Wachstumsmärkte wie Indien. Ob diese Offensive die Rückgänge in den traditionellen Absatzmärkten kompensieren kann, wird die Entwicklung der kommenden Jahre zeigen.



