Thüringer Ärztevereinigung warnt vor Honorarkürzung bei Psychotherapeuten
Die Kassenärztliche Vereinigung Thüringen (KVT) hat sich mit deutlichen Worten gegen die geplante Kürzung der Honorare für Psychotherapeuten ausgesprochen. In einer Resolution der Vertreterversammlung fordert die Vereinigung einen sofortigen Stopp der geplanten Maßnahme, die ab dem 1. April 2026 umgesetzt werden soll.
Wirtschaftliche Existenz gefährdet
Das Bundgremium aus Kassen- und Ärztevertretern hatte in der vergangenen Woche beschlossen, die Vergütung psychotherapeutischer Leistungen um 4,5 Prozent zu senken. Die KVT kritisiert diese Entscheidung scharf und warnt vor erheblichen wirtschaftlichen Konsequenzen. In ambulanten Praxen würden dadurch jährliche Mindereinnahmen von mehreren tausend Euro entstehen, was die wirtschaftliche Existenz vieler Praxen gefährde.
„Die wirtschaftliche Existenz der ambulanten Praxen wird fahrlässig aufs Spiel gesetzt, und zwar in einer Fachgruppe, die ohnehin schon zu jenen mit den niedrigsten Honoraren zählt“, heißt es in der Resolution. Die KVT betont, dass diese Kürzung für die knapp 600 in Thüringen tätigen Psychotherapeuten einer Demütigung gleichkomme und gleichzeitig ein Schlag ins Gesicht für alle Patienten darstelle.
Gesellschaftlicher Nutzen ignoriert
Die Vereinigung weist darauf hin, dass der Bedarf an psychotherapeutischer Behandlung aktuell nie so groß gewesen sei wie heute. Eine Honorarkürzung ignoriere den gesellschaftlichen Nutzen dieser Behandlungen vollständig. Psychische Erkrankungen sind mit einem Anteil von 40 bis 45 Prozent der Hauptgrund für Berufsunfähigkeiten in Deutschland.
Eine frühzeitige Therapie könne Betroffenen helfen, ihre Arbeitsfähigkeit zu erhalten und damit langfristig Kosten im Gesundheitssystem zu sparen. Die KVT verweist auf eine Analyse der Techniker Krankenkasse aus dem Jahr 2011, die zeigt, dass jeder in ambulante Psychotherapie investierte Euro zu einem gesamtgesellschaftlichen Nutzen zwischen zwei und vier Euro führe.
Forderung nach Kurswechsel
Die Resolution der Kassenärztlichen Vereinigung Thüringen macht deutlich, dass die geplante Honorarkürzung nicht nur wirtschaftlich problematisch ist, sondern auch gesundheitspolitisch kontraproduktiv wirken könnte. Angesichts der steigenden Zahl psychischer Erkrankungen und deren gravierenden Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit der Bevölkerung fordert die KVT einen grundlegenden Kurswechsel in der Vergütungspolitik.
Die Vereinigung betont, dass eine angemessene Honorierung psychotherapeutischer Leistungen nicht nur im Interesse der Therapeuten, sondern vor allem im Interesse der Patienten und der gesamten Gesellschaft liege. Die aktuelle Entscheidung des Bundgremiums stehe im Widerspruch zu den tatsächlichen Bedarfen und der gesellschaftlichen Bedeutung psychotherapeutischer Versorgung.



