Die gute Nachricht: Die Zahl der Herzinfarkte ist in Mecklenburg-Vorpommern seit 2017 um acht Prozent und damit deutlich zurückgegangen. Das geht aus neuesten Zahlen des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WidO) hervor. Dennoch führen Herz-Kreislauf-Erkrankungen, zu denen der Herzinfarkt gehört, die Liste der häufigsten Todesursachen in Deutschland laut Statistischem Bundesamt weiter an.
Prävention und moderne Medizin wirken offenbar
Für das Jahr 2024 weist der Gesundheitsatlas des WIdO rund 360 Herzinfarkte pro 100.000 Menschen in MV ab 30 Jahren aus. 2017 waren es noch 390 Fälle. In absoluten Zahlen beträgt der Rückgang rund 500 Herzinfarkte pro Jahr. Für Tom Forbrich, Bereichsleiter Verträge und Produkte bei der AOK Nordost, belegt der Rückgang: „Prävention, moderne Medizin und bessere Nachsorge können wirken.“ Dennoch seien die Zahlen kein Grund zur Entwarnung. „Ein Herzinfarkt bleibt ein lebensbedrohlicher Notfall. Und viele Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Diabetes, Übergewicht oder Rauchen sind weiterhin stark verbreitet“, mahnt Forbich.
Das Risiko, einen Herzinfarkt zu erleiden, ist in Mecklenburg-Vorpommern auch räumlich sehr unterschiedlich verteilt. Generell gilt: Je höher der Altersdurchschnitt und der Anteil sozial benachteiligter Menschen in einer Region ist, desto höher ist dort auch die Rate der Herzinfarkte. Trauriger Spitzenreiter in MV ist dabei der Landkreis Mecklenburgische Seenplatte, in dem im Jahr 2024 immerhin 450 von 100.000 Einwohnern über 30 Jahre einen Herzinfarkt erlitten. Deutschlands flächenmäßig größter Landkreis liegt damit ebenso deutlich über dem Landesdurchschnitt wie der zweitgrößte, der Landkreis Ludwigslust-Parchim. Hier wurden pro 100.000 Einwohner 410 Herzinfarkte verzeichnet.
Deutlich niedriger ist das Infarktrisiko in den beiden kreisfreien Städten des Landes. Schwerin bringt es – wie der Landkreis Nordwestmecklenburg – auf 290 Herzinfarkte pro 100.000 Einwohner, Rostock sogar nur auf 270.
Warum die Zahlen sinken
AOK-Kardiologin Prof. Dr. Anja Sandek erklärt, warum die Zahl der Herzinfarkte grundsätzlich rückläufig ist: „Wir erkennen in Vorsorgeuntersuchungen Risiken heute früher und können sie konsequenter behandeln. Dazu gehören Bluthochdruck, Diabetes und erhöhte Cholesterinwerte. In der Diagnostik nutzen wir neben Herzultraschall und Angiographie zunehmend auch die hochmoderne Computertomographie der Herzgefäße. Sie ermöglicht uns, Gefäßverengungen zu erkennen, noch bevor Durchblutungsstörungen auftreten.“ Dass mehr Menschen einen Herzinfarkt überleben, habe damit zu tun, dass sich Katheterbehandlung und chirurgische Verfahren bei der Behandlung weiterentwickelt haben.
Wichtig ist der Kardiologin zufolge aber auch die konsequente Nachsorge: Nach einem Infarkt müssen Blutdruck, Blutzucker und Cholesterin eng kontrolliert werden. Medikamente müssen dauerhaft und richtig eingenommen werden. Herzsport, Rauchstopp und Bewegung helfen, einen weiteren Infarkt zu verhindern. „Besonders wichtig ist die kardiologische Rehabilitation. Sie senkt Sterblichkeit und erneute Krankenhauseinweisungen nachweislich. Zudem verbessert sie die Lebensqualität und mindert depressive Symptome. Leider nehmen fünf von sechs Menschen, die einen Herzinfarkt erleiden, die kardiologische Reha nicht wahr“, bedauert Prof. Sandek.
So lässt sich das persönliche Risiko senken
Nicht immer ist ein Herzinfarkt vermeidbar. Aber jeder kann das persönliche Risiko senken: nicht rauchen, regelmäßig bewegen, Blutdruck kontrollieren und Cholesterinwerte kennen. Falls ein Diabetes vorliegt, sollte er als Risikofaktor für einen Herzinfarkt gut behandelt werden. Zur Vorsorge empfiehlt sich zudem ab 35 Jahren der regelmäßige Check-up beim Hausarzt.
Und wenn es doch passiert? Bei möglichen Symptomen zählt jede Minute. Warnzeichen sind starker Druck oder Schmerz in der Brust, Atemnot, Übelkeit, kalter Schweiß oder starke Schwäche. Bei Frauen können die Beschwerden häufiger untypisch sein, etwa Luftnot, Übelkeit, Oberbauchschmerz oder starke Erschöpfung. Bei Verdacht auf Herzinfarkt gilt immer: sofort die 112 rufen.



