Chikungunya-Gefahr in Europa: Forscher warnen vor größerer Ausbreitung als angenommen
Chikungunya-Gefahr in Europa größer als gedacht

Chikungunya-Gefahr in Europa: Forscher warnen vor größerer Ausbreitung als angenommen

Italien, Frankreich und Spanien – bisher konzentrierten sich Ausbrüche der schmerzhaften Tropenkrankheit Chikungunya auf südliche Regionen Europas. Doch einer neuen wissenschaftlichen Analyse zufolge könnte Europa künftig weitaus stärker betroffen sein als bisher angenommen. Das Virus kann sich bei deutlich niedrigeren Temperaturen verbreiten als bislang bekannt, wie ein Forschungsteam im Fachjournal „Interface“ der britischen Royal Society berichtet.

Temperaturen ermöglichen Ausbreitung in weiten Teilen Europas

Die Wissenschaftler um Sandeep Tegar vom Centre for Ecology & Hydrology im britischen Wallingford analysierten vorhandene Daten, um die Mindesttemperaturen für eine Virusübertragung durch Asiatische Tigermücken zu bestimmen. Ihre Ergebnisse zeigen, dass eine Übertragung bereits bei etwa 14 Grad Celsius möglich ist – das sind zwei bis zweieinhalb Grad weniger als bisher angenommen. Der optimale Temperaturbereich liegt bei etwa 26 Grad, während die Obergrenze bei 32 Grad liegt.

Damit ist eine Verbreitung vor allem in den Monaten Juli und August in weiten Teilen Europas wahrscheinlich. In südlichen Regionen könnte die Übertragung sogar von Mai bis November möglich sein. Zu den Gebieten mit dem höchsten Risiko zählen Albanien, Griechenland, Italien, Malta, Spanien und Portugal. Deutschland wird den Regionen mit mittlerem Risiko zugerechnet.

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Asiatische Tigermücken breiten sich weiter aus

Asiatische Tigermücken sind die Hauptüberträger des Chikungunya-Virus in Europa. Seit ihrer Einschleppung in Südeuropa im Jahr 2007 hat sich die Art kontinuierlich nach Mitteleuropa ausgebreitet. In Deutschland kommen die Tigermücken vor allem entlang des Rheins im Südwesten und in Berlin vor, doch zunehmend werden sie auch in anderen Regionen gesichtet.

Experten erwarten, dass sich die Mücken im Zuge der Klimakrise weiter in nördliche Regionen Europas ausbreiten werden. Der erste lokal übertragene Chikungunya-Ausbruch in Europa ereignete sich 2007 in Italien – ermöglicht durch die eingeschleppten Mücken.

Schmerzhafte Erkrankung mit langfristigen Folgen

Chikungunya verursacht Fieber und starke Gelenkschmerzen, begleitet von Muskelschmerzen, Kopfschmerzen, Übelkeit, Müdigkeit und Hautausschlag. Während die meisten Symptome innerhalb weniger Tage abklingen, können die Gelenkschmerzen in manchen Fällen Wochen, Monate oder sogar Jahre anhalten. Tödlich verläuft die Erkrankung nur selten, doch besonders gefährdet sind chronisch Kranke, Schwangere und Säuglinge.

Der Name Chikungunya stammt aus einer Lokalsprache Tansanias und bedeutet „gekrümmt gehend“ – eine Anspielung auf die schmerzgekrümmte Körperhaltung der Betroffenen. Nach einer überstandenen Infektion besteht nach aktuellem Kenntnisstand lebenslange Immunität.

Zunehmende Verbreitung und Präventionsmaßnahmen

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation wurden Chikungunya-Fälle inzwischen in mehr als 110 Ländern weltweit erfasst. Zwei Impfstoffe sind verfügbar, doch ihre Verbreitung ist noch begrenzt. Das Team um Tegar warnt, dass die Zahl durch Aedes-Mücken übertragener Arbovirus-Infektionen in Europa jährlich um durchschnittlich 25 Prozent zunimmt.

Das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten geht davon aus, dass Ansteckungen mit Erregern wie dem Chikungunya-Virus in Europa zur neuen Realität werden. Als Gründe für die zunehmende Verbreitung nennt die Behörde klimatische Veränderungen wie steigende Temperaturen, längere Sommerperioden, mildere Winter und veränderte Niederschlagsmuster.

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