Masernfälle in Europa sinken deutlich – WHO warnt vor anhaltender Gefahr
Masernfälle sinken in Europa – WHO bleibt besorgt

Masernfälle in Europa gehen markant zurück – doch die Gefahr bleibt

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) meldet eine erfreuliche Entwicklung: In Europa und Zentralasien sind die gemeldeten Masernfälle im vergangenen Jahr deutlich gesunken. Die Daten umfassen die gesamte WHO-Europa-Region mit ihren 53 Ländern, die sich von der Atlantikküste über West- und Mitteleuropa bis nach Russland und Turkmenistan erstrecken. Auch in Deutschland verzeichnet das Robert Koch-Institut (RKI) einen starken Rückgang der Erkrankungszahlen.

Dramatischer Rückgang in der Gesamtregion

Nach aktuellen WHO-Angaben wurden in der europäischen Region fast 34.000 Masernfälle gemeldet. Dies entspricht einem Rückgang von 75 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Experten führen diese positive Entwicklung auf gezielte Bekämpfungsmaßnahmen zurück, aber auch darauf, dass sich das Virus in ungeimpften Bevölkerungsgruppen ausgebreitet hat und dadurch mehr Menschen immun geworden sind. Wer einmal an Masern erkrankt war, ist lebenslang gegen eine erneute Ansteckung geschützt.

Deutschland verfehlt weiterhin wichtige Impfziele

In Deutschland schwanken die Masernfallzahlen nach Angaben des Robert Koch-Instituts von Jahr zu Jahr. Während der Corona-Pandemie waren die Zahlen aufgrund strenger Infektionsschutzmaßnahmen extrem niedrig, erreichten aber 2024 mit 645 gemeldeten Fällen wieder annähernd das Niveau von vor der Pandemie. Im Jahr 2025 wurden 232 Fälle registriert, was einer Inzidenz von 0,28 pro 100.000 Einwohnern entspricht.

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Die von der WHO empfohlene Durchimpfungsrate von 95 Prozent für die zweimalige Masernimpfung wird in Deutschland jedoch nicht erreicht. Dorothea Matysiak-Klose vom RKI-Fachgebiet Impfprävention erklärt, dass die von der Ständigen Impfkommission (Stiko) empfohlenen zwei Kombi-Impfungen gegen Masern, Mumps und Röteln (MMR) häufig zu spät erfolgen. Die Impfquote für die erste Masernimpfung liegt erst bei Kindern im Alter von drei Jahren bundesweit über 95 Prozent.

WHO warnt vor anhaltenden Risiken

Die WHO warnt gemeinsam mit dem UN-Kinderhilfswerk Unicef vor weiterhin bestehenden Risiken für größere Masernausbrüche. Das erklärte Ziel bleibt eine Impfquote von 95 Prozent in allen Regionen, da sich das hochansteckende Virus sonst weiter ausbreiten wird. Nach WHO-Schätzungen kann eine infizierte Person im Durchschnitt bis zu 18 nicht geimpfte Menschen anstecken.

Masern können schwerwiegende Komplikationen verursachen, darunter Entzündungen des Gehirns mit dauerhaften Schädigungen von Nervenzellen. In schweren Fällen kann die Erkrankung sogar tödlich enden. Mehrere Länder, die von der WHO bereits als masernfrei eingestuft worden waren, haben diesen Status nach großen Ausbrüchen wieder verloren – darunter Spanien, Großbritannien und Österreich. Deutschland galt nie offiziell als masernfrei.

Besorgniserregende Entwicklung in Nordamerika

Besondere Sorge bereitet der Weltgesundheitsorganisation die aktuelle Situation in Nordamerika vor der anstehenden Fußballweltmeisterschaft. In Mexiko wurden von Anfang 2025 bis Mitte Januar 2026 mehr als 7.000 Masernfälle erfasst, wobei 24 Menschen an den Folgen der Erkrankung starben. In einigen betroffenen Regionen müssen Schüler nun in Schulen eine Nasen-Mund-Bedeckung tragen.

Auch Kanada und die USA verzeichnen alarmierende Fallzahlen. In Kanada wurden bisher mehr als 5.500 Erkrankungen und zwei Todesfälle dokumentiert, während in den USA über 2.400 Menschen erkrankten und drei Patienten starben. Experten wie der US-Spezialist für Infektionskrankheiten, Demetre Daskalakis, warnen, dass auch diese Länder ihren WHO-Status als masernfrei verlieren könnten, wenn sie nicht nachweisen können, Ausbrüche schnell zu stoppen.

Regionale Unterschiede in Europa

Der deutliche Rückgang der Masernfälle in Europa hat auch damit zu tun, dass die Zahlen im Jahr 2024 außergewöhnlich hoch waren. Im Vergleich zu 2023 liegen die aktuellen Zahlen etwa um die Hälfte niedriger. Während Länder wie Rumänien, Kasachstan oder Aserbaidschan Rückgänge um etwa 90 Prozent oder mehr verzeichnen, stiegen die Fallzahlen in Frankreich und den Niederlanden – wenn auch auf vergleichsweise niedrigem Niveau.

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Die Weltgesundheitsorganisation betont, dass trotz der aktuell positiven Entwicklung weiterhin große Anstrengungen notwendig sind, um die Masern langfristig unter Kontrolle zu bringen und die gefährdeten Bevölkerungsgruppen wirksam zu schützen.