Australische Studie widerlegt: Haustiere machen Menschen nicht messbar glücklicher
Ein Hund, der schwanzwedelnd an der Tür wartet. Eine Katze, die sich schnurrend auf den Schoß kuschelt. Für Millionen Menschen sind Haustiere treue Begleiter, Seelentröster und vermeintliche Glücksbringer. Doch eine umfangreiche australische Studie stellt diese weit verbreitete Annahme nun grundlegend infrage und kommt zu einem überraschenden Ergebnis.
Methodisch strenge Untersuchung mit 495 Haushalten
Forscher nutzten eine Gesetzesänderung im australischen Bundesstaat Victoria aus dem Jahr 2020 für ihre Untersuchung. Seitdem dürfen Vermieter Haustiere nur noch aus triftigen Gründen verbieten. Diese politische Veränderung führte dazu, dass sich deutlich mehr Mieter ein Tier anschafften – ein idealer natürlicher Experimentaufbau für die Wissenschaftler.
Die Studie konzentrierte sich auf 495 Miethaushalte in Victoria, die 2018 noch kein Haustier besaßen. Von diesen legten sich bis 2022 etwa 39 Prozent ein Tier zu. Die Forscher werteten Daten der repräsentativen Langzeitstudie HILDA aus, die jährlich rund 7500 Haushalte befragt.
Vier Bereiche im Fokus der Untersuchung
Gemessen wurden vier zentrale Lebensbereiche:
- Einsamkeit
- Lebenszufriedenheit
- Psychische Gesundheit
- Allgemeine Gesundheit
Höhere Werte standen dabei entweder für mehr Einsamkeit oder für bessere Gesundheit und größere Zufriedenheit. Die Forscher suchten nach messbaren Veränderungen in diesen Bereichen nach der Haustieranschaffung.
Keine signifikanten Verbesserungen nachweisbar
Das Ergebnis der Studie ist eindeutig und überraschend zugleich: Es gab keinen überzeugenden Beleg dafür, dass ein neues Haustier Menschen messbar glücklicher, gesünder oder weniger einsam macht. Für einen statistisch eindeutigen positiven Zusammenhang hätten sich die Werte ohne Haustier zwei- bis fast zehnmal so stark verschlechtern müssen – was die Forscher als unrealistisch einstufen.
„Die Studie gehört zu den methodisch strengsten Untersuchungen zu diesem Thema“, betonen die Wissenschaftler. Frühere Forschungsarbeiten hatten häufig einfach Tierhalter mit Nicht-Haltern verglichen, ohne zu berücksichtigen, dass sich diese Gruppen möglicherweise schon vor der Haustieranschaffung unterschieden.
Warum Haustiere nicht glücklicher machen
Die Forscher vermuten mehrere Gründe für das fehlende Glücksplus:
- Ausgleich von Vor- und Nachteilen: Positive Gefühle durch das Tier könnten sich mit Belastungen wie Zeitaufwand, Kosten und Verantwortung ausgleichen.
- Kurzfristige Effekte: Glückssteigerungen könnten nur vorübergehend auftreten und sich mit der Zeit wieder normalisieren.
- Methodische Verzerrungen: Frühere Studien könnten verfälscht gewesen sein, weil sich Tierhalter bereits vor der Anschaffung von anderen Menschen unterschieden.
Einschränkungen der Studie
Trotz der methodischen Stärken gibt es wichtige Einschränkungen. Die Haustierhaltung wurde nur in den Jahren 2018 und 2022 erfasst, der genaue Zeitpunkt der Anschaffung bleibt unbekannt. Dadurch könnten kurzfristige Effekte untergegangen sein. Zudem bezieht sich die Untersuchung auf einen speziellen politischen Kontext in Australien.
Ob die Ergebnisse eins zu eins auf Deutschland übertragbar sind, bleibt offen. Fast jeder zweite Haushalt in Deutschland hat ein Haustier, wie verschiedene Statistiken zeigen. Hunde und Katzen erobern weiterhin Wohnzimmer und Herzen – doch ob sie tatsächlich glücklicher machen, ist wissenschaftlich nun stärker umstritten denn je.
Fazit: Liebe statt Statistik
Am Ende bleibt eine klare Erkenntnis: Ein Haustier ist kein nachweisbarer Glücks-Booster für alle Menschen. Die Studie widerlegt die verbreitete Annahme, dass Tierhaltung automatisch zu mehr Lebenszufriedenheit führt. Für viele Menschen bleibt das Haustier dennoch ein treuer Begleiter – aus Liebe und Zuneigung, nicht aufgrund statistisch messbarer Vorteile.
Die Forschungsergebnisse werfen wichtige Fragen auf über unsere Erwartungen an Haustiere und die komplexe Beziehung zwischen Mensch und Tier. Während die Wissenschaft keine Glückssteigerung nachweisen kann, bedeutet dies nicht, dass die emotionale Bindung weniger wertvoll ist – sie folgt nur anderen Gesetzen als denen der Statistik.



