Ungewöhnliche Grippewelle in Vorpommern: Ärzte beobachten atypische Symptome und hohe Fallzahlen
Ungewöhnliche Grippewelle: Ärzte beobachten atypische Symptome

Ungewöhnliche Grippewelle erfasst Vorpommern-Greifswald

Die aktuelle Grippesaison zeigt in der Region Vorpommern-Greifswald besondere Charakteristika. Sowohl die Asklepios-Klinik in Pasewalk als auch die Ameos-Häuser in Anklam und Ueckermünde verzeichnen eine deutlich erhöhte Anzahl von Influenza-Patienten im Vergleich zum Vorjahr. „Wir bewegen uns derzeit auf einem saisonal erwartbaren, aber insgesamt hohen Infektionsniveau“, erklärt Dirk Werner, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin in Anklam.

Atypische Symptome und betroffene Personengruppen

Neben den klassischen Influenza-Symptomen wie Atembeschwerden, Fieber, Abgeschlagenheit und Husten beobachten Mediziner in dieser Saison vermehrt untypische Begleiterscheinungen. Dominic Stuth, Hygienefachkraft am Hanse-Klinikum Anklam, berichtet: „Auffällig ist bei dieser Grippewelle, dass neben den typischen Atemwegssymptomen vermehrt auch Übelkeit und Erbrechen beobachtet werden. Dabei handelt es sich um ein weniger typisches, aber in dieser Saison gehäuft auftretendes Begleitsymptom.“

Besonders betroffen sind ältere Menschen ab 65 Jahren, Kinder und Jugendliche sowie Personen mit chronischen Vorerkrankungen der Lunge oder des Herz-Kreislauf-Systems. Die Kliniken behandeln vorwiegend Influenza Typ A des Subtyps H2N3, der sich als besonders infektiös erwiesen hat.

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Klinikaufenthalte und Behandlungsmethoden

Im Pasewalker Krankenhaus wurden in diesem Jahr bereits eine höhere zweistellige Zahl an Influenza-Patienten versorgt. Je nach Schweregrad, Nebenerkrankungen oder Komplikationen bleiben Betroffene drei bis fünf Tage stationär. Dr. Bernd Müllejans, Ärztlicher Direktor der Asklepios-Klinik Pasewalk, erläutert: „Wir behandeln die Patienten unter anderem mit fiebersenkenden Infusionen und je nach Infektionszeitpunkt und Schwere der Erkrankung mit antiviralen Medikamenten. Antibiotika verordnen wir bei Virusinfektionen nur dann, wenn bakterielle Komplikationen wie Lungenentzündungen auftreten.“

Erfreulicherweise beobachtet Dr. Müllejans aktuell ein leichtes Abflauen des Infektionsgeschehens. Dennoch gelten in den Krankenhäusern weiterhin strenge Schutzmaßnahmen. Besucher erhalten an den Rezeptionen kostenlose Mund-Nasen-Schutzmasken und werden zur Händedesinfektion angehalten. Informationsschilder weisen auf die aktuelle Infektionslage und entsprechende Verhaltensregeln hin.

Altersheime weitgehend verschont – Impfstoff wird knapp

Während die Krankenhäuser mit zahlreichen Grippefällen zu kämpfen haben, scheinen die Altersheime in der Region bisher weitgehend verschont geblieben zu sein. In Seniorenresidenzen in Anklam, Ueckermünde, Torgelow und Pasewalk wurden bei Stichprobenbefragungen nur vereinzelte Influenza-Fälle gemeldet. Viele Einrichtungen verweisen auf hohe Impfquoten bei Bewohnern und Personal sowie konsequente Hygienemaßnahmen.

Das Gesundheitsamt des Landkreises Vorpommern-Greifswald hat seit Jahresbeginn bis Mittwochnachmittag 1296 Grippefälle registriert. Allerdings wird der Impfstoff zunehmend knapp. „Unserer Kenntnis nach verfügen nur noch wenige Arztpraxen über Impfstoffdosen“, teilt das Gesundheitsamt mit. Größere Impfaktionen fanden bereits im Herbst in Greifswald, Anklam und Pasewalk statt.

Die Impfquote in Vorpommern-Greifswald liegt laut Robert Koch-Institut bei lediglich fünf Prozent der Bevölkerung – deutlich unter dem bundesweiten Durchschnitt von 13 Prozent. Dennoch übertrifft dieser Wert noch die benachbarten Regionen Mecklenburgische Seenplatte und Uckermark mit jeweils vier Prozent.

Empfehlungen und Ausblick

Für Menschen ab 60 Jahren, chronisch Erkrankte und medizinisches Personal empfiehlt Internist Dirk Werner weiterhin die saisonale Influenza-Impfung: „Diese schützt nicht in jedem Fall vor einer Infektion, reduziert aber nachweislich das Risiko schwerer Verläufe, von Krankenhausaufenthalten und von Folgekomplikationen.“

Das Gesundheitsamt rät zu folgenden Vorsichtsmaßnahmen:

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  • Anhusten und Anniesen vermeiden
  • Taschentücher sicher entsorgen
  • Räume intensiv lüften
  • Gründliches Händewaschen nach Kontakten
  • Bei Erkrankung zu Hause bleiben und Kontakte meiden

Ein Ende der Grippesaison ist noch nicht absehbar. Erfahrungsgemäß dauert diese bis Mitte Mai an. Die Krankenhäuser in der Region bleiben vorbereitet und appellieren weiterhin an die Bevölkerung, die empfohlenen Schutz- und Hygienemaßnahmen konsequent einzuhalten.