Brandenburgs christliche Krankenhäuser im Reformstress: Existenzängste und Forderungen
Die christlichen Krankenhäuser in Brandenburg befinden sich in einer äußerst angespannten wirtschaftlichen Situation. Angesichts der bundesweiten Krankenhausreform, die Anfang 2025 in Kraft trat, sehen sich die 15 Einrichtungen des Verbunds christlicher Kliniken unter erheblichem finanziellen Druck. „Die Krankenhäuser sind schon schwer unter Wasser“, bringt Hans-Ulrich Schmidt, kaufmännischer Vorstand des Diakonissenhauses Teltow, die dramatische Lage auf den Punkt.
Finanzielle Herausforderungen und strukturelle Veränderungen
Der Verbund christlicher Kliniken in Brandenburg umfasst bedeutende Einrichtungen wie das Alexianer St. Josefs-Krankenhaus Potsdam, das Immanuel Klinikum Bernau Herzzentrum Brandenburg und das Evangelische Krankenhaus Ludwigsfelde-Teltow. Insgesamt versorgen diese 15 Häuser, die entweder evangelischer oder katholischer Trägerschaft sind, jährlich etwa 185.000 Patienten und beschäftigen rund 5.500 Mitarbeiter. Der Gesamtumsatz des Verbunds belief sich im Jahr 2024 auf beachtliche 530 Millionen Euro.
Doch hinter diesen Zahlen verbirgt sich eine prekäre Realität: Etwa 80 Prozent aller Krankenhäuser in Brandenburg schreiben laut Gesundheitsministerium rote Zahlen. Schmidt macht deutlich, dass die bisherigen Strukturen nicht aufrechtzuerhalten sind: „Wir werden nicht mehr in allen Häusern alles vorhalten können.“ Stattdessen sollen bestimmte Kliniken zu spezialisierten Fachkrankenhäusern entwickelt werden, was tiefgreifende Veränderungen für die Versorgungslandschaft bedeutet.
Forderungen nach finanzieller Absicherung und Flexibilität
Die Klinikenleitungen drängen auf konkrete Unterstützungsmaßnahmen vom Bund. Alexander Mommert, Regionalgeschäftsführer der Alexianer, betont die Dringlichkeit: „Wenn wir das wirtschaftliche Überleben der Krankenhäuser bis zum Greifen der Krankenhausplanung sichern wollen, brauchen wir eine zuverlässige Inflations- und Tarifausgleichsregelung.“ Die gestiegenen Kosten durch Inflation und Tariferhöhungen könnten nicht einfach weitergegeben werden, weshalb ein finanzieller Ausgleich des Bundes essentiell sei.
Verena Plocher, Geschäftsführerin des Immanuel Klinikums Bernau, fordert darüber hinaus mehr Flexibilität bei der Umsetzung der Reform: „Nötig ist im Rahmen der Reform mehr Flexibilität bei der Zuordnung der künftigen Leistungen und die Möglichkeit standortübergreifender Lösungen.“ Ohne diese Anpassungsmöglichkeiten drohe der Verlust wohnortnaher Versorgung und längere Wege für Patienten zu bestimmten medizinischen Leistungen.
Politische Rahmenbedingungen und Zukunftsperspektiven
Die Krankenhausreform des Bundes zielt darauf ab, Kosten zu senken und gleichzeitig die Qualität der Versorgung zu erhöhen. In Brandenburg hat sich die politische Landschaft kürzlich verändert: Nach der bisherigen Gesundheitsministerin Britta Müller (parteilos), die sich für den Ausbau von Polikliniken zur besseren Verzahnung ambulanter und stationärer Behandlung eingesetzt hatte, steht seit vergangener Woche René Wilke (SPD) an der Spitze des Gesundheitsministeriums.
Die neue SPD/CDU-Koalition hat sich zum Ziel gesetzt, die Krankenhausstandorte im Land zu erhalten – sei es als vollwertige Krankenhäuser oder als Polikliniken. Unklar bleibt jedoch weiterhin, welche konkreten Leistungen die einzelnen Einrichtungen künftig noch anbieten können und wie die Finanzierung langfristig gesichert werden soll.
Der Verbund christlicher Kliniken zeigt sich bereit für notwendige Veränderungen, betont aber gleichzeitig die Dringlichkeit verlässlicher Rahmenbedingungen. Nur mit finanzieller Sicherheit und flexiblen Gestaltungsmöglichkeiten könne die wohnortnahe medizinische Versorgung in Brandenburg auch unter den neuen Reformbedingungen gewährleistet werden.



