Nach dem überraschenden Rücktritt der Berliner Kultursenatorin Sarah Wedl-Wilson (parteilos) zeichnet sich eine mögliche Nachfolge ab. Der frühere Justizsenator und Ex-Bundestagsabgeordnete Thomas Heilmann (CDU) wird als Favorit für den vakanten Posten gehandelt. Das berichten der „Tagesspiegel“ und der RBB übereinstimmend unter Berufung auf nicht genannte Quellen.
Heilmann als erfahrener Politiker
Der 61-jährige Heilmann gilt als erfahrener und gut vernetzter Politiker. Er war von 2012 bis 2016 Berliner Justizsenator und saß von 2017 bis 2025 für die CDU im Bundestag. Nach seinem Jurastudium war er erfolgreich mit einer Werbefirma und in Medienunternehmen tätig. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur könnte es nach einer Reihe von Gesprächen auf Heilmann hinauslaufen. Am Vormittag hieß es aus Senatskreisen jedoch, es sei noch keine endgültige Entscheidung gefallen. Eine Sprecherin des Senats und Heilmann selbst äußerten sich auf Anfrage zunächst nicht.
Verkehrssenatorin Bonde äußert sich positiv
Verkehrssenatorin Ute Bonde (CDU) äußerte sich bereits zu dem offiziell noch nicht bestätigten Vorgang. Auf die Frage, was sie von der Personalie halte, sagte sie im RBB-Inforadio: „Dass schnell gehandelt wird und dass erfahrene CDU-Politiker dann auch zur Verfügung stehen, um diesem Senat dann auch das Gesicht zu geben.“ Heilmann kenne die Berliner Verwaltung. „Er hat lange ein Ressort geführt. Und insofern weiß er, wie er da jetzt anpacken muss. Und das wird er auch tun.“ Es sei zu hören gewesen, dass in der Kulturverwaltung Kriterien für die Vergabe von Fördermitteln nicht aufgestellt worden seien. „Und genau diesen Punkt wird Herr Heilmann sicherlich jetzt aufgreifen und sehr schnell umsetzen.“
Affäre um Fördermittel gegen Antisemitismus
Wedl-Wilson (56) musste wegen der Vergabe von Fördermitteln gegen Antisemitismus gehen. Sie war am Freitag zurückgetreten und zog damit die Konsequenzen aus einem Bericht des Landesrechnungshofs, der die Förderung von 13 Projekten im Bereich der Antisemitismusprävention im Umfang von 2,6 Millionen Euro als rechtswidrig bewertet hatte. Wedl-Wilson hatte die Gelder freigegeben, nachdem die CDU-Fraktion auf eine rasche Förderung der von ihr benannten Projekte gedrängt hatte. Grüne und Linke werfen CDU-Fraktionschef Dirk Stettner und dem CDU-Haushaltspolitiker Christian Goiny in dem Zusammenhang unzulässige Einflussnahme vor, was diese zurückweisen. Ein im Dezember eingesetzter Untersuchungsausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses beschäftigt sich mit den Vorwürfen.
Unruhe in der CDU vor der Wahl
Die Vorgänge rund um die umstrittene Fördermittelvergabe sorgen in der CDU knapp fünf Monate vor der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus am 20. September für Unruhe. So mancher fürchtet, dass dies der CDU im Wahlkampf schaden könnte. Heilmann gehört dem mächtigen CDU-Kreisverband Steglitz-Zehlendorf an. Sollte er Kultursenator werden, könnte Regierender Bürgermeister Kai Wegner mögliche Kritik an seinem Agieren in der Affäre abfedern und einen starken Kreisverband hinter sich versammeln.



