Berlin – Nach dem überraschenden Rückzug der Berliner Kultursenatorin Sarah Wedl-Wilson (parteilos) zeichnet sich eine mögliche Nachfolge ab. Der frühere Justizsenator und ehemalige Bundestagsabgeordnete Thomas Heilmann (CDU) wird als aussichtsreicher Kandidat für den vakanten Posten gehandelt. Wie der „Tagesspiegel“ und der RBB übereinstimmend unter Berufung auf nicht genannte Quellen berichten, gilt der 61-Jährige als Favorit für die Besetzung des Kulturessorts.
Noch keine endgültige Entscheidung
Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur könnte die Wahl nach einer Reihe von Gesprächen tatsächlich auf Heilmann fallen. Allerdings hieß es am Vormittag aus Senatskreisen, dass noch keine abschließende Entscheidung getroffen wurde. Eine Sprecherin des Senats sowie Heilmann selbst äußerten sich auf Anfrage zunächst nicht zu den Spekulationen.
Verkehrssenatorin Bonde zeigt sich zuversichtlich
Bereits geäußert hat sich hingegen Verkehrssenatorin Ute Bonde (CDU) zu der noch nicht offiziell bestätigten Personalie. Auf die Frage nach ihrer Einschätzung sagte sie im RBB-Inforadio: „Es ist gut, dass schnell gehandelt wird und dass erfahrene CDU-Politiker bereitstehen, um diesem Senat das nötige Gesicht zu geben.“ Bonde betonte, Heilmann kenne die Berliner Verwaltung aus seiner Zeit als Senator sehr gut. „Er hat lange ein Ressort geführt und weiß daher genau, wie er anpacken muss. Das wird er auch tun.“ Sie verwies darauf, dass in der Kulturverwaltung offenbar Kriterien für die Vergabe von Fördermitteln nicht aufgestellt worden seien. „Genau diesen Punkt wird Herr Heilmann sicherlich aufgreifen und schnell umsetzen.“
Hintergrund: Affäre um Fördermittel gegen Antisemitismus
Der Rücktritt von Sarah Wedl-Wilson (56) am vergangenen Freitag erfolgte als Konsequenz aus einem Bericht des Landesrechnungshofs. Dieser hatte die Förderung von 13 Projekten im Bereich der Antisemitismusprävention mit einem Volumen von 2,6 Millionen Euro als rechtswidrig eingestuft. Wedl-Wilson hatte die Gelder freigegeben, nachdem die CDU-Fraktion auf eine rasche Förderung der von ihr benannten Projekte gedrängt hatte. Die Grünen und die Linke werfen dem CDU-Fraktionschef Dirk Stettner und dem Haushaltspolitiker Christian Goiny in diesem Zusammenhang unzulässige Einflussnahme vor, was beide zurückweisen. Ein im Dezember eingesetzter Untersuchungsausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses befasst sich mit den Vorwürfen.
Unruhe in der CDU vor der Wahl
Die Vorgänge um die umstrittene Fördermittelvergabe sorgen in der CDU knapp fünf Monate vor der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus am 20. September für erhebliche Unruhe. Manche Parteimitglieder befürchten, dass die Affäre der CDU im Wahlkampf schaden könnte. Heilmann, der dem einflussreichen CDU-Kreisverband Steglitz-Zehlendorf angehört, könnte als Kultursenator mögliche Kritik am Agieren des Regierenden Bürgermeisters Kai Wegner in der Affäre abfedern und einen starken Kreisverband hinter sich versammeln.
Heilmann gilt als erfahrener und gut vernetzter Politiker. Er war von 2012 bis 2016 Berliner Justizsenator und saß von 2017 bis 2025 für die CDU im Bundestag. Der promovierte Jurist war zudem erfolgreich mit einer Werbefirma und bei anderen Unternehmen, vor allem im Medienbereich, tätig.



