Niedersachsens Gesundheitsminister warnt vor drastischen Folgen der Krankenhausreform
Die geplante Krankenhausreform des Bundes könnte für zahlreiche Kliniken in Niedersachsen zu erheblichen Problemen führen. Gesundheitsminister Andreas Philippi (SPD) hat auf der Mitgliederversammlung der Niedersächsischen Krankenhausgesellschaft (NKG) in Hannover eindringlich vor den Konsequenzen gewarnt, die sich aus bestimmten Änderungen ergeben könnten.
Personaluntergrenzen als zentrale Gefahr
Konkret geht es um die geplanten Untergrenzen für das Pflegepersonal in den Krankenhäusern. Philippi erklärte, dass eine Unterschreitung dieser Grenzen in pflegeintensiven Bereichen schwerwiegende Folgen für den gesamten Klinikstandort haben könnte. Ein negatives Gutachten würde die Zuweisung der Leistungsstufen für die gesamte Einrichtung gefährden, so der Minister.
Besonders alarmierend ist die Dimension des Problems: In Niedersachsen wäre laut Philippi jede zweite Klinik von diesen Regelungen betroffen. Der SPD-Politiker äußerte sich dazu in drastischen Worten: „Das ist mehr als unverhältnismäßig, das ist mindestens im internationalen Diagnoseschlüssel eine F70.“ Dieser Diagnosecode steht für eine leichte Intelligenzminderung.
Bundesrat entscheidet Ende März
Philippi hat bereits Kontakt mit Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) aufgenommen, um auf eine Nachbesserung der Reformvorschläge zu drängen. Der Bundesrat wird sich am 27. März mit den geplanten Änderungen der Krankenhausreform befassen.
Die Leistungsgruppen stellen ein zentrales Instrument der Reform dar. Sie legen einheitliche Vorgaben zur Ausstattung und zur Verfügbarkeit von Fachärzten fest. Nur Krankenhäuser, die diese Kriterien erfüllen, sollen künftig bestimmte Behandlungen anbieten und mit den gesetzlichen Krankenkassen abrechnen können.
Kliniken fordern Bürokratieabbau
Die Niedersächsische Krankenhausgesellschaft unterstützt die Warnungen des Ministers und betont zusätzlich die Notwendigkeit eines umfassenden Bürokratieabbaus. NKG-Vorsitzender Rainer Rempe erklärte: „Ohne einen tiefgreifenden Bürokratieabbau wird die Klinikreform nicht gelingen.“
Rempe verwies darauf, dass jede Stunde, die nicht mit Dokumentation, sondern direkt mit der Patientenversorgung verbracht wird, sowohl die Versorgungsqualität als auch die Mitarbeiterzufriedenheit erhöht. Die Kliniken in Niedersachsen stehen somit vor einer doppelten Herausforderung: den neuen Personalvorgaben zu entsprechen und gleichzeitig bürokratische Hürden abzubauen.
Die anstehenden Entscheidungen im Bundesrat werden daher für die Zukunft vieler niedersächsischer Krankenhäuser von entscheidender Bedeutung sein. Minister Philippi sieht in der Reform grundsätzlich eine Chance für das Gesundheitssystem, pocht aber weiterhin auf notwendige Anpassungen, um eine Überforderung der Kliniken zu vermeiden.



