IKK-Chef fordert radikale Krankenkassen-Reform: Pauschale statt prozentuale Beiträge
IKK-Chef fordert radikale Krankenkassen-Reform

IKK-Chef fordert radikale Krankenkassen-Reform: Pauschale statt prozentuale Beiträge

Die Diskussion um notwendige Sparmaßnahmen im deutschen Gesundheitssystem gewinnt deutlich an Fahrt. Während eine Expertenkommission am Montag konkrete Vorschläge zur Schließung des drohenden Milliarden-Defizits der Krankenkassen im Jahr 2027 vorlegen will, präsentiert Ralf Hermes, Chef der IKK Innovationskasse, bereits einen umfassenden Gegenentwurf. Gesundheitsministerin Nina Warken von der CDU steht vor der gewaltigen Aufgabe, bis zu 15 Milliarden Euro einzusparen, um Beitragserhöhungen für Millionen gesetzlich Versicherter zu vermeiden.

Pauschale statt prozentuale Beiträge

Im Zentrum des Reformkonzepts von Hermes steht ein radikaler Systemwechsel: Die bisherigen prozentualen Beiträge auf Gehälter sollen komplett entfallen. Stattdessen soll jeder Versicherte eine feste Monatspauschale von 150 Euro zahlen. Für Arbeitnehmer hätte dies den entscheidenden Vorteil, dass steigende Einkommen nicht mehr automatisch zu höheren Krankenkassenbeiträgen führen würden. Zum Vergleich: Aktuell zahlt ein Versicherter mit einem Bruttogehalt von 4.000 Euro durchschnittlich 355 Euro monatlich.

Im Gegenzug zu dieser Pauschale sollen Versicherte künftig Eigenbeteiligungen bei Arztbesuchen und anderen Leistungen tragen. Die genaue Höhe dieser Eigenbeteiligungen ist im Konzeptpapier noch nicht festgelegt. Personen mit geringem Einkommen oder Sozialleistungsbezug sollen gezielt aus Steuermitteln unterstützt werden – nicht mehr über das Beitragssystem selbst.

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Dreiteilung des Gesundheitssystems

Der Kern der vorgeschlagenen Reform ist eine klare Dreiteilung der Gesundheitsleistungen:

  1. Staatliche Grundsicherung für teure Leistungen wie Krankenhausaufenthalte, Pflege im Heim und Notfälle. Diese würde durch Arbeitgeber mit einem festen Beitrag von 10 Prozent auf den Lohn finanziert. Gleichzeitig soll die Pflegeversicherung aufgelöst werden.
  2. Alltägliche Versorgung wie Arztbesuche, Medikamente und Vorsorgeuntersuchungen wird über die feste Pauschale und die Eigenbeteiligungen der Versicherten finanziert.
  3. Private Zusatzleistungen wie Zahnersatz oder schnellere Termine müssen künftig privat versichert werden.

Eine weitere gravierende Änderung: Die beitragsfreie Familienversicherung würde entfallen. Ehepartner müssten künftig eigene Beiträge zahlen, was für viele Haushalte eine erhebliche finanzielle Belastung darstellen würde.

Systemlogik neu sortieren

Ralf Hermes, der seit Jahren die IKK Innovationskasse mit 250.000 Versicherten führt, kritisiert den aktuellen Ansatz der reinen Sparmaßnahmen deutlich: „Mit Sparlisten allein stabilisiert man kein System, dessen Ordnung nicht mehr zur gesellschaftlichen und ökonomischen Realität passt.“ Sein Alternativvorschlag zielt darauf ab, die grundlegende Systemlogik neu zu sortieren.

„Wer dagegen die Systemlogik neu sortiert, kann Solidarität, Eigenverantwortung und Wettbewerb erstmals widerspruchsfrei zusammenbringen“, so Hermes weiter. Sein Konzeptpapier liegt der Redaktion vor und stellt einen der umfassendsten Reformvorschläge der letzten Jahre dar, der weit über reine Kosteneinsparungen hinausgeht.

Die Diskussion um die Zukunft des deutschen Gesundheitssystems wird mit diesen Vorschlägen eine neue Qualität erreichen. Während die Expertenkommission der Bundesregierung eher auf inkrementelle Anpassungen setzen dürfte, fordert Hermes einen grundlegenden Systemwechsel, der die Finanzierungslogik des Gesundheitswesens komplett neu aufstellt.

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