Darmkrebs-Früherkennung: Gleichstellung ab 50 für Frauen beschlossen
Darmkrebs-Früherkennung: Gleichstellung für Frauen ab 50

Darmkrebs-Früherkennung: Gleichstellung ab 50 für Frauen beschlossen

Eine bedeutende Neuerung in der Darmkrebs-Vorsorge steht bevor: Der Gemeinsame Bundesausschuss hat im Januar beschlossen, dass Frauen künftig bereits ab 50 Jahren Anspruch auf die Darmspiegelung haben sollen. Bisher wurde diese Untersuchung alle zehn Jahre bei Männern ab 50, bei Frauen jedoch erst ab 55 Jahren von den Krankenkassen bezahlt. Der Beschluss wird nun dem Gesundheitsministerium zur Prüfung vorgelegt und könnte bei Bewilligung frühestens zum 1. April dieses Jahres in Kraft treten, wie die Kassenärztliche Bundesvereinigung mitteilt.

Hintergrund der Entscheidung

Hintergrund dieser Anpassung waren die Unterschiede im Erkrankungsrisiko: Jährlich erkranken in Deutschland rund 30.000 Männer und etwa 24.000 Frauen an Darmkrebs. Mit der neuen Regelung soll zwischen den Geschlechtern bei dieser wichtigen Vorsorgeuntersuchung kein Unterschied mehr gemacht werden. Diese Gleichstellung markiert einen wichtigen Schritt in der Gesundheitspolitik, um die Prävention von Darmkrebs zu verbessern.

Warum die Darmspiegelung so effektiv ist

Die Darmspiegelung gilt als äußerst effektives Mittel im Kampf gegen Darmkrebs, da sie eine besondere Eigenart dieser Krebsart nutzt: Darmkrebs entsteht nicht plötzlich, sondern entwickelt sich über einen sehr langen Zeitraum von zehn Jahren und mehr. „Er entsteht fast immer aus Wucherungen der Darmwand“, sogenannten Polypen, heißt es in der offiziellen Broschüre zur Darmkrebs-Früherkennung des Gemeinsamen Bundesausschusses. Aus diesen Darm-Polypen kann irgendwann Krebs entstehen, aber dieser Prozess dauert Jahre. Durch die Darmspiegelung können die Polypen frühzeitig aufgespürt und bei Bedarf entfernt werden, sodass der Darmkrebs erst gar keine Chance hat, sich zu entwickeln.

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Traurige Bilanz der Inanspruchnahme

Trotz der nachgewiesenen Wirksamkeit ist die Nutzung der Darmkrebs-Früherkennung in Deutschland erschreckend niedrig. Laut einer Studie, die im September 2022 im Fachjournal „The Lancet Regional Health Europe“ erschienen ist und auf AOK-Versichertendaten beruht, haben nur 20 Prozent der anspruchsberechtigten Männer und Frauen innerhalb eines Zeitraums von zehn Jahren eine Darmspiegelung zur Darmkrebsvorsorge durchführen lassen. Das Deutsche Krebsforschungszentrum betont jedoch die Erfolge dieser Untersuchung: Seit ihrer Einführung im Jahr 2002 ist die Zahl der Darmkrebs-Fälle um 30 Prozent zurückgegangen.

Forscher warnen vor steigenden Fallzahlen

Die geringe Inanspruchnahme könnte fatale Folgen haben: „Angesichts der starken Auswirkungen der demografischen Alterung ist bei der derzeitigen Nutzung von Screening-Maßnahmen damit zu rechnen, dass die Zahl der Darmkrebs-Fälle in den kommenden Jahrzehnten deutlich steigen wird“, schreiben die Autoren der erwähnten Lancet-Studie. Sollte sich an der niedrigen Teilnahmequote nichts ändern, prognostizieren die Forscher einen Anstieg der jährlichen Fallzahlen auf über 70.000 Fälle im Jahr 2040 und auf über 75.000 Fälle im Jahr 2050. „Dennoch erkranken pro Jahr immer noch ca. 55.000 Menschen an Darmkrebs. Bei einer besseren Nutzung der Darmkrebs-Vorsorge könnten wir noch sehr viel mehr Darmkrebsfälle verhindern“, schreiben Forscher des Deutschen Krebsforschungszentrums in einer Studie.

Das Paradox des deutschen Gesundheitssystems

Das ist das Paradox, vor dem das deutsche Gesundheitssystem steht: Trotz des Zugangs zu einer effektiven Vorsorgeuntersuchung könnten die Darmkrebs-Fälle in den nächsten Jahren und Jahrzehnten nicht drastisch sinken, sondern deutlich ansteigen. Die Schutzwirkung der Vorsorge-Darmspiegelung wird nach wie vor unterschätzt, obwohl sie ein entscheidendes Instrument zur Krebsprävention darstellt. Die neue Regelung für Frauen ab 50 Jahren bietet eine Chance, diese Entwicklung zu bremsen, doch es bleibt abzuwarten, ob die Bevölkerung diese Möglichkeit auch tatsächlich nutzen wird.

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