Diabetes-Medikament Metformin könnte Sport-Effekt bei Prostatakrebs-Patienten nachahmen
Eine aktuelle Studie der University of Miami hat faszinierende Erkenntnisse über das weit verbreitete Diabetes-Medikament Metformin geliefert. Die Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass das Medikament bei Prostatakrebs-Patienten bestimmte Stoffwechselsignale beeinflussen könnte, die normalerweise nur bei intensiver körperlicher Belastung auftreten.
Lac-Phe: Der Schlüsselbotenstoff
Im Zentrum der Untersuchung steht das Molekül Lac-Phe, das typischerweise gebildet wird, wenn Muskeln stark arbeiten. Die Studie zeigt, dass Metformin bei Prostatakrebs-Patienten den Spiegel dieses Botenstoffs deutlich erhöht – auf Werte, die sonst nur nach anstrengendem Training wie einem Sprint oder hartem Krafttraining gemessen werden.
Das Forschungsteam um Dr. Priyamvada Rai am Sylvester Comprehensive Cancer Center der University of Miami analysierte Blutproben von 37 Männern mit Prostatakrebs, die zweimal täglich 1000 Milligramm Metformin erhielten. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift EMBO Molecular Medicine veröffentlicht und zeigen konsistente Anstiege der Lac-Phe-Konzentration.
Besondere Bedeutung für eingeschränkte Patienten
Viele Prostatakrebs-Patienten leiden unter Schmerzen oder Erschöpfung, die regelmäßiges Training stark einschränken oder unmöglich machen. Für diese Gruppe könnte der Metformin-Effekt besonders wertvoll sein, um Stoffwechsel und Gewicht besser zu kontrollieren.
Interessanterweise zeigte sich der Effekt unabhängig vom Krankheitsstadium, Body-Mass-Index oder begleitender Hormontherapie. Patienten, die tatsächlich Gewicht verloren, wiesen besonders hohe Lac-Phe-Spiegel auf. Das Molekül hing enger mit dem Gewichtsverlust zusammen als das Hormon GDF-15.
Wichtige Einschränkungen der Studie
Trotz der vielversprechenden Ergebnisse betonen die Forscher wichtige Grenzen der Untersuchung. Die Studie umfasste nur eine kleine Gruppe von 37 Männern mit Prostatakrebs. Ob der Mechanismus auch bei anderen Krebsarten oder bei Frauen gleich wirkt, bleibt unklar.
Zudem gab es keinen direkten Einfluss auf Tumorwachstum oder PSA-Werte. Die Wissenschaftler warnen ausdrücklich davor, Metformin als Ersatz für Bewegung zu betrachten. Die umfassenden gesundheitlichen Effekte von Sport gehen weit über einzelne Signalstoffe hinaus und können durch keine Tablette vollständig nachgeahmt werden.
Praktische Bedeutung und weitere Forschung
Metformin ist weltweit verbreitet, kostengünstig und gilt als gut untersucht. Die neuen Erkenntnisse könnten daher relativ schnell praktische Anwendung finden. Allerdings sind weitere, größere Studien notwendig, um die langfristigen Auswirkungen und möglichen Anwendungsgebiete genauer zu erforschen.
Die Studie öffnet interessante Perspektiven für die unterstützende Behandlung von Krebspatienten, die aufgrund ihrer Erkrankung oder Therapie nur eingeschränkt trainieren können. Sie zeigt, wie etablierte Medikamente möglicherweise unerwartete Zusatzeffekte haben können, die für bestimmte Patientengruppen von großem Nutzen sein könnten.



