Das Armida-Quartett gehört zu den renommiertesten Kammermusik-Ensembles Deutschlands. In diesem Sommer gastieren die Musiker mehrfach in Rostock und Umgebung. Doch abseits der Bühne erleben die Eltern Johanna und Peter-Philipp Staemmler, beide Mitglieder des Quartetts, einen Alltag voller Herausforderungen. Ein Gespräch über die Verschmelzung von Familie und Karriere, logistische Höchstleistungen und die Vorteile, ein Baby auf Tournee mitzunehmen.
„Wahnsinnig stressig, aber auch wahnsinnig schön“
„Seitdem unsere beiden Kinder auf der Welt sind, schauen wir anders auf alles, was uns umgibt“, sagt die Geigerin Johanna Staemmler während der Vorstellung des Festspielsommers in Hohen Luckow bei Rostock. Die Elternschaft habe nicht nur ihre Perspektive verändert, sondern auch ihr Lebensmodell. „Es ist wie eine eigene Lebensform“, erklärt sie. Beruf und Familie existieren nicht mehr getrennt. „Alle Grenzen verschwimmen miteinander.“ Das könne stressig sein, „aber eben auch wahnsinnig schön“.
Aktuell begleitet die jüngste Tochter Miriam, die erst wenige Monate alt ist, ihre Eltern auf Tournee, während der 15-jährige Sohn von den Großeltern betreut wird. Das Quartett wird als „Preisträger in Residence“ des Festspielsommers MV (13. Juni bis 12. September) allein 19 Konzerte in ganz Mecklenburg-Vorpommern bestreiten.
Organisation auf höchstem Niveau
Die Organisation von Familie und Beruf bei zwei so erfolgreichen Musikern, deren Terminkalender über Jahre gefüllt ist und die zudem im selben Quartett musizieren, ist anspruchsvoll. „Wir brauchen immer eine dritte Person“, erklärt Staemmler. Ein Netzwerk aus „passionierten Familienmitgliedern“ ermöglicht diesen Alltag. Das Quartett unterstützt ihr Lebensmodell: „Momentan wird Miriam noch voll gestillt“, erzählt Staemmler. Wenn das Baby Hunger hat, pausieren die Proben – ein Umstand, den ihre Kollegen solidarisch unterstützen. Auch die Veranstalter zeigen in der Regel großes Entgegenkommen, stellen sich auf flexible Zeiten ein und bieten Räume für den Babysitter an. Das, so die Geigerin, sei keinesfalls selbstverständlich.
Weltklasse-Quartett spielt Milchkühen Mozart vor
Klassik im Kuhstall? Die Musiker des Armida-Quartetts präsentieren den Schwerpunkt des Festspielsommers MV der Presse – und auch den Kühen.
„Ein riesiger Qualitätsgewinn“
Trotz der Herausforderungen sieht die Musikerin große Vorteile in ihrem Lebensmodell. „Es ist ein riesiger Qualitätsgewinn“, sagt sie. Gerade als Frau sei es essenziell, ihren Beruf auch als Mutter weiter auszuüben. Fällt sie zu lange aus, habe das direkte Folgen für ihre Karriere. „Und ich bin in der privilegierten Situation, dass ich spüre: Mein Umfeld möchte, dass ich das machen kann.“ Sie glaubt, dass sich diese Erfüllung auch auf die Kinder überträgt. „Wenn es mir gut geht, bin ich auch für meine Kinder die beste Mutter.“ Die Verbindung von Mutterschaft und Musik ist ihre „Kraftquelle“. Die Kinder wachsen mit Musik auf – ein Geschenk, wie sie findet. Das Armida-Quartett zeigt damit, dass Exzellenz auf der Bühne und familiäres Glück kein Widerspruch sein müssen, solange Flexibilität und ein starkes „Dorf“ im Hintergrund vorhanden sind. „Dafür“, so Staemmler, „sind mein Mann und ich unendlich dankbar.“



