Die neue Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) will die Kosten im Gesundheitswesen drastisch senken. Einem Bericht zufolge plant sie, das flächendeckende Hautkrebsscreening für gesetzlich Versicherte zu streichen. Künftig sollen Patienten die Untersuchung wieder selbst bezahlen müssen. Das geht aus einer Mitteilung des Ministeriums hervor, die in dieser Woche veröffentlicht wurde.
Hintergrund: Die teuerste, aber nicht beste Gesundheitsversorgung
Bereits unter Karl Lauterbach (SPD) wurde eine Krankenhausreform auf den Weg gebracht, die als „Revolution“ angekündigt wurde. Doch Deutschland hat nach wie vor das teuerste Gesundheitssystem der Welt, ohne jedoch die beste Versorgung zu bieten. Um die explodierenden Kosten in den Griff zu bekommen, ließ Warken ein Sparpaket schnüren. Der Rotstift wird nun auch bei der Krebsvorsorge angesetzt.
Was besagt die Ankündigung des Ministeriums?
In der Mitteilung heißt es: „Bisher haben Versicherte ab 35 Jahren alle zwei Jahre Anspruch auf eine Früherkennungsuntersuchung für Hautkrebs. Deutschland ist das einzige Land mit einem flächendeckenden, nicht-risikobasierten Screening. Aus den vorliegenden Studien gibt es keine zuverlässigen Ergebnisse, die den Nutzen durch eine Senkung der Mortalität bei Hautkrebs belegen können. Der gemeinsame Bundesausschuss wird beauftragt, die Vorgaben für ein Hautkrebsscreening inhaltlich zu überprüfen und eine Umstellung auf ein risikobasiertes Screening zu berücksichtigen. Bis Ende 2027 soll ein Änderungsbeschluss gefasst werden.“
Das bedeutet im Klartext: Das Screening wird künftig nicht mehr von den Krankenkassen übernommen. Seit Juli 2008 zahlten die gesetzlichen Kassen die Kosten, die zwischen 40 und 80 Euro pro Untersuchung liegen. Nun sollen die Patienten selbst in die Tasche greifen.
Scharfe Kritik aus Mecklenburg-Vorpommern
Torsten Koplin, gesundheitspolitischer Sprecher der Linksfraktion im Landtag Mecklenburg-Vorpommerns, zeigte sich empört. „Wer nicht testet, findet auch nichts. Und wer nicht findet, muss dafür auch keine Finanzen bereitstellen. Offenbar ist das das neue Credo der Bundesregierung. Hautkrebs ist eine der häufigsten Krebserkrankungen, frühe Erkennung verbessert die Heilungschancen massiv und trotzdem wird genau bei dieser lebensrettenden Vorsorge gekürzt. Das ist ein Rückschritt ins letzte Jahrhundert“, betonte Koplin.
Er warf der Ministerin „Sozialdarwinismus“ vor. Statt Vorsorge zu stärken, werde der Zugang zur Früherkennung eingeschränkt. Dabei sei seit Jahren bekannt, dass früh entdeckter Hautkrebs in aller Regel deutlich besser und oft vollständig behandelbar sei.
Zahlen und Fakten zur Krebserkrankung
In Deutschland erhalten jedes Jahr rund eine halbe Million Menschen die Diagnose Krebs. Der schwarze Hautkrebs (malignes Melanom) zählt mit über 25.000 Neuerkrankungen jährlich zu den häufigeren Tumorarten. Der sogenannte weiße Hautkrebs ist sogar die häufigste Krebsform überhaupt mit deutlich über 200.000 Neuerkrankungen pro Jahr. „Jedes verspätet erkannte Melanom bedeutet ein hohes Risiko für Metastasen, belastende Therapien und im schlimmsten Fall den Tod. Das sind ganz reale Menschenleben, keine abstrakten Statistikpositionen“, so Koplin.
Die Streichung des Screenings könnte somit fatale Folgen haben. Patienten, die auf die kostenpflichtige Untersuchung verzichten, erhöhen ihr Risiko, dass ein Tumor unentdeckt bleibt und sich ausbreitet. Die Kritik aus der Politik und von Ärzteverbänden ist entsprechend groß. Ob die Bundesregierung an ihren Plänen festhält, bleibt abzuwarten. Bis Ende 2027 soll der Änderungsbeschluss gefasst werden.



