Eine neue Studie aus Jena sorgt für Aufsehen in der Kardiologie: Laut Prof. Oliver Weingärtner, Kardiologe am Universitätsklinikum Jena, ist der bisher empfohlene LDL-Cholesterin-Zielwert von 70 mg/dl nach einem Herzinfarkt nicht ausreichend. Die Studie zeigt, dass ein noch niedrigerer Wert von unter 50 mg/dl das Herz signifikant besser schützt und Leben verlängert.
Problematik der aktuellen Leitlinien
Weingärtner kritisiert, dass in Deutschland zwei unterschiedliche Leitlinien existieren: die der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie (ESC) und die der Nationalen Versorgungsleitlinie (NVL). Während die ESC strengere Ziele empfiehlt, orientiert sich die NVL an höheren Werten, was zu Verunsicherung bei Patienten und Ärzten führt. „Viele Patienten erhalten nicht die optimale Therapie, weil die Leitlinien nicht einheitlich sind“, so Weingärtner.
Kosteneinsparungen durch aggressive Senkung
Die Jenaer Studie belegt, dass eine frühzeitige und aggressive Senkung des LDL-Cholesterins nicht nur die Sterblichkeit reduziert, sondern auch die Zahl der Krankenhausaufenthalte und damit die Kosten für das Gesundheitssystem senkt. „Jeder vermiedene Herzinfarkt spart dem System zehntausende Euro“, betont der Kardiologe. Er fordert daher, dass Patienten nach einem akuten Ereignis sofort mit einer hochwirksamen Kombinationstherapie behandelt werden sollten.
Einfache Medikamente werden verweigert
Ein weiteres Problem sei, dass einfache und kostengünstige Medikamente wie Statine oft nicht verordnet oder von Patienten abgelehnt werden. Weingärtner empfiehlt, dass Risikopatienten frühzeitig über die Vorteile einer Statintherapie aufgeklärt werden. „Viele haben Angst vor Nebenwirkungen, die aber selten und meist harmlos sind“, erklärt er.
Konkrete Empfehlungen für Patienten
Weingärtner rät allen Patienten mit erhöhtem Cholesterin oder nach einem Herzinfarkt, mit ihrem Arzt über einen Ziel-LDL-Wert von unter 50 mg/dl zu sprechen. Zudem sollten sie auf eine gesunde Ernährung mit wenig gesättigten Fettsäuren achten und regelmäßig Sport treiben. „Die Kombination aus Medikamenten und Lebensstiländerung ist der Schlüssel zum Erfolg“, so der Experte.



