Opfer schildert Weinstein-Horror: „Ich flehte ihn an: Bitte nicht!“
Opfer schildert Weinstein-Horror im Hotel

Sechster Verhandlungstag im neu aufgerollten Prozess gegen den gefallenen Hollywood-Mogul Harvey Weinstein (72). Er wirkt überraschend gut gelaunt, begrüßt Justizbeamte per Handschlag, führt angeregte Gespräche. Kurz darauf kippt die Stimmung, als die Hauptbelastungszeugin Jessica Mann (40) den Gerichtssaal betritt. Sichtlich angespannt, lässt sie den Blick kurz durch die Zuschauergalerie schweifen; den Angeklagten würdigt sie dagegen mit keinem Blick.

Im Zentrum ihrer Aussage steht ein Treffen am 18. März 2013 in New York. Ausgangspunkt: ein Hotelzimmer im DoubleTree Hilton in Midtown Manhattan. März 2013. Jessica Mann ist mit ihrem guten Freund Thommy, einem Schauspielagenten, für ein paar Tage in New York. Spontan verabredet sie sich mit Harvey Weinstein zum Brunch. Dann der Anruf von der Rezeption: Jemand wolle sie sehen. Als sie nach unten geht, checkt der Produzent gerade ein. Auf ihre Frage, warum er ein Zimmer nehme, zischt er: „Blamier mich nicht in der Öffentlichkeit.“

Daraufhin sei sie mit ihm auf das Zimmer gegangen. „Ich hatte das Gefühl, er besitzt mich und musste gehorchen“, schildert sie. Was als harmloses Treffen geplant war, eskalierte laut Mann innerhalb kürzester Zeit. „Ich wollte das nicht“, sagt sie unter Tränen. Sie habe versucht zu gehen, an der Tür gezogen, „mit all meiner Kraft“, doch Weinstein habe sie zurückgestoßen. „Das war der erste gewalttätige Moment. Ich hatte solche Angst.“

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Dann der Befehl: „Zieh dich aus – jetzt.“ Der Ex-Hollywood-Mogul habe über ihr gestanden, bis sie vollständig nackt war, sei kurz ins Badezimmer gegangen – und habe sich anschließend auf sie gelegt. Unter Tränen, fast schreiend, schildert Mann: „Ich habe ihn angefleht: Bitte nicht.“ Doch er habe sie festgehalten, ihre Handgelenke gepackt. „Es tat weh.“

Jessica Mann: „Er hat mich vergewaltigt!“

Dann der zentrale Vorwurf: „Er legte sich auf mich und hat mich vergewaltigt.“ Nach der Tat sei sie völlig aufgelöst ins Badezimmer geflüchtet. Dort der nächste Schock: „Im Mülleimer lag eine Spritze. Ich hatte panische Angst, mich mit etwas angesteckt zu haben.“

Trotz allem traf sie direkt danach ihre Freunde zum Essen – und besuchte am Abend sogar eine Filmpremiere des Produzenten mit einer Freundin. Brisant: Am nächsten Tag traf sie Weinstein und seine Tochter erneut zum Frühstück. „Ich habe versucht, so zu tun, als wäre alles normal.“

Das Opfer flüchtete und schlief im Schrank

Warum sie nichts sagte? „Ich wollte nicht, dass es jemand weiß. Es ist so persönlich.“ Und weiter: „Ich habe mir danach immer selbst die Schuld gegeben – dass ich mich selbst in diese Situation gebracht habe und den Preis dafür zahlen müsse.“ Aus Angst, Weinstein könnte erneut auftauchen, habe sie jedoch nicht mehr im Hotel übernachtet, sondern sei zu einer Freundin nach New Jersey gefahren. „Ich habe im Schrank auf dem Boden geschlafen. Zusammengerollt, um mich abzuschotten.“

Gleichzeitig räumt sie ein: Die Beziehung habe sich über mehrere Jahre – insgesamt rund vier – gezogen. Es habe auch einvernehmliche Begegnungen gegeben, „etwa zehn Mal insgesamt“. Dennoch beschreibt sie das Verhältnis als zutiefst toxisch und kontrollierend. Harvey Weinstein habe immer wieder mit seiner Macht geprahlt – „seine Feinde hätten es in dieser Stadt schwer“ – und so gezielt Druck aufgebaut. Gleichzeitig sei er völlig unberechenbar gewesen.

Der Fall zieht sich seit Jahren: 2020 wurde Weinstein in New York unter anderem wegen der Vergewaltigung von Jessica Mann zu 23 Jahren Haft verurteilt. 2024 kippte ein Berufungsgericht das Urteil. 2025 der nächste Anlauf: Schuldspruch im Fall Miriam „Mimi“ Haley, Freispruch im Fall Kaja Sokola.

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