Schönheitschirurg Dr. Stéphane Stahl: Ästhetische OPs als Weg zu seelischem Wohlbefinden
Schönheitschirurg Stahl: OPs für seelisches Wohlbefinden

Schönheitschirurg Dr. Stéphane Stahl: Ästhetische OPs als Weg zu seelischem Wohlbefinden

Für den renommierten plastischen Chirurgen Dr. Stéphane Stahl haben Eingriffe wie Facelift, Brustvergrößerungen oder Eigenfettbehandlungen weniger mit oberflächlicher Schönheit zu tun als vielmehr mit dem seelischen Wohlbefinden der Patienten. Der 48-jährige Direktor der Center-Plast-Klinik in Saarbrücken setzt sich dafür ein, sein Fachgebiet aus der Schmuddelecke zu holen und die gesellschaftliche Wahrnehmung zu verändern.

Von der Tropenmedizin zur plastischen Chirurgie: Eine Liebesgeschichte

Seine Karriere als Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie begann für Stéphane Stahl unerwartet während eines Stipendiums in Brasilien. Eigentlich interessierte er sich für Tropenmedizin, doch als er die Chance bekam, bei einer Gesichtsstraffung zu assistieren, änderte sich alles. Nicht nur die Operation faszinierte ihn nachhaltig – eine der Assistentinnen wurde später seine Frau. „Es war Liebe auf den ersten Blick, sowohl privat als auch beruflich“, erinnert sich Stahl heute.

Schambehaftete Entscheidungen und echter Leidensdruck

In seinem Buch „Wunderschön“ und im Gespräch mit Medien betont Stahl, dass Schönheitsoperationen bis heute oft schambehaftet sind. „Viele Patienten quälen sich jahrelang mit dem Gedanken an einen operativen Eingriff, weil sie ihn als peinlich empfinden“, erklärt der Chirurg. Diese Menschen suchten keine öffentliche Aufmerksamkeit, sondern hätten ein echtes Anliegen. Studien zeigten deutlich, dass das körperliche Aussehen großen Einfluss auf die Psyche habe.

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Ein aktueller Fall aus seiner Praxis illustriert dies: Eine 16-jährige Patientin kam mit ihrer Mutter in die Sprechstunde, da sich bei ihr nur eine Brust entwickelt hatte. „Dieser tatsächliche Makel verursachte hohen Leidensdruck – für ihr Körpergefühl, für erste Liebesbeziehungen und Intimität“, so Stahl. Oberflächlich betrachtet falle dieser Fall in die Kategorie „Brust-OP bei Minderjährigen“, doch dahinter stecke eine echte medizinische und psychologische Notwendigkeit.

Social Media, Extrembeispiele und Körperbildstörungen

Während Medien oft über junge Frauen berichten, die mit Fotos von Stars und Influencern zum Chirurgen gehen, erlebt Stahl solche Fälle selten. Social Media sei zwar ein wichtiges Diskussionsthema, doch was bei manchen Influencern als „Extreme Bodymodification“ zu sehen sei – wie überdimensionierte künstliche Brüste –, habe oft komplexere Hintergründe. „Bei Körperbildstörungen geht der Bezug zur Realität verloren. Was für Außenstehende normal wirkt, empfindet der Patient als entstellt“, erklärt der Experte.

Je auffälliger ein tatsächlicher Makel sei – wie stark abstehende Ohren oder eine Männerbrust bei Jugendlichen –, desto größer sei der Leidensdruck. „Wir reden hier nicht von einer kleinen Falte im Gesicht, sondern von echten Beeinträchtigungen“, betont Stahl.

Der historische Wunsch nach Jugendlichkeit und Schönheit

Der Wunsch nach Jugendlichkeit und Schönheit sei so alt wie die Menschheit selbst. Bereits zweieinhalbtausend Jahre vor Christus habe es Rezepte gegen Falten und Altersflecken gegeben. „Heute nutzen wir Internet-Filter, früher gab es Photoshop und davor wurden Film-Negative retuschiert. Es wurde schon immer geschönt“, so Stahl. Die aktuelle Diskussion um Hollywoodstars wie Kris Jenner oder Lindsay Lohan, die nach Eingriffen jünger wirken, sei daher nichts grundlegend Neues.

Die zwei Schubladen: Medizinisch indiziert oder Schönheits-OP?

Stahl kritisiert die vereinfachende Einteilung von Operationen in nur zwei Kategorien: „medizinisch indiziert“ oder „Schönheitsoperation“. Juristen hätten den Begriff des „Krankheitswerts“ erfunden, den er als sehr zynisch empfinde. „Wenn Frauen wegen Brustkrebs eine Brust abgenommen werden muss, zahlt die Krankenkasse die Wiederherstellung. Die Wissenschaft ist aber klar: Sowohl diese Frau als auch die 16-Jährige mit nur einer Brust leiden gleichermaßen“, argumentiert der Chirurg. Dennoch werde im einen Fall der Operateur der Schönheitsindustrie zugeordnet, im anderen dem Gesundheitswesen.

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Schwarze Schafe und der schlechte Ruf der Branche

Leider gebe es viele schwarze Schafe in der Schönheitschirurgie, die zu häufig Aufmerksamkeit bekämen und zum Klischee geworden seien. „Wenn sich Kollegen vor einem Maserati ablichten lassen, finde ich das traurig. Die ästhetische Chirurgie hat gesamtgesellschaftlich gesehen leider keinen guten Ruf – zu Unrecht“, bedauert Stahl. Dabei sei die Arbeit in der Schönheitschirurgie ebenso anspruchsvoll wie in anderen chirurgischen Fachgebieten, erfordere aber besondere zwischenmenschliche Fähigkeiten.

Das Gespräch als Schlüssel zum erfolgreichen Ergebnis

Der entscheidende Unterschied liege in der Patientenkommunikation: „Beim Patienten in der Schönheitschirurgie muss ich verstehen, was ihn bedrückt. Oft bleibt es nicht bei nur einem Gespräch. Es braucht viel Diplomatie“, erklärt Stahl. Viele Patienten kämen dank „Dr. Google“ bereits mit Vorstellungen über Techniken, die nicht immer realistisch seien. Beispielsweise glaubten viele Patientinnen lange Zeit, dass Unterspritzungen ein Facelift ersetzen könnten – ein technischer Irrglaube, der zu übertriebenen „puffy faces“ führte.

Moderne Techniken und ihre Kosten

Beim modernen „Deep Plane Facelift“ arbeiten Chirurgen tief im Gewebe und lösen gezielt erschlaffte Haltebänder, was natürliche Ergebnisse ohne den typischen „gezerrten“ Look ermöglicht. „Da diese Techniken hochkomplex sind, ist der Gang zu einem sehr erfahrenen Chirurgen entscheidend“, betont Stahl. Die Kosten variieren stark, da oft weitere Maßnahmen hinzukämen, und beginnen meist zwischen zehn- und zwanzigtausend Euro.

Social-Media-Exzesse und die Suche nach der harmonischen Mitte

Trends auf Plattformen wie TikTok, wo normale Frauen mit Blutergüssen und Bandagen im Gesicht ihr „vorher und nachher“ präsentieren, sieht Stahl als Exzesse. „Das widerspricht dem, was ich täglich erlebe: Das Ziel der großen Mehrheit ist es, jünger auszusehen, aber nicht wieder wie 20“, so der Chirurg. Wenn Patienten dennoch Extreme forderten, habe dies meist eine Vorgeschichte. „Wahre Schönheit braucht die harmonische Mitte, kein Extrem“, lautet sein Credo.

Attraktivität als harmonische Spanne, nicht als punktgenauer Wert

Attraktivität sei kein isolierter Punktwert, sondern eine harmonische Spanne verschiedener Bausteine: Natürlichkeit, Symmetrie, Proportionen, Jugendlichkeit und geschlechtsspezifische Merkmale. „Ein gesundes Normalgewicht bei 1,65 Meter liegt zwischen 50 und 68 Kilogramm. Wer sich innerhalb dieser Spanne bewegt – also keine Extreme aufweist –, wirkt natürlich und attraktiv“, verdeutlicht Stahl. Ebenso sei Jugendlichkeit zwar ein Faktor, aber das heiße nicht, dass man nur mit exakt 23 Jahren schön sei.

Für Dr. Stéphane Stahl bleibt die ästhetische Chirurgie daher vor allem eines: ein Werkzeug, um Menschen zu helfen, deren seelisches Wohlbefinden durch körperliche Merkmale beeinträchtigt wird – fernab von Extremen und Social-Media-Hypes.