Transplantationsdrama in Neapel: Zweijähriger nach missglückter Herz-OP auf weiteres Spenderorgan angewiesen
Seit kurz vor Weihnachten liegt ein noch nicht zweieinhalb Jahre alter Junge auf der Intensivstation des Ospedale Vincenzo Monaldi in Neapel. Der kleine Patient, der in den Medien meist als Domenico bezeichnet wird, leidet seit seiner Geburt an einem schweren Herzfehler. Aktuell wird sein Leben ausschließlich durch eine ECMO-Maschine aufrechterhalten, die als künstliche Lunge und Herz fungiert.
Katastrophaler Transportfehler zerstört Spenderherz
Der Versuch, dem Jungen am 22. Dezember ein Spenderherz zu implantieren, endete in einer medizinischen Katastrophe. Bei dem Transport des Organs von Bozen nach Neapel wurde offenbar ein schwerwiegender Fehler begangen: Statt in herkömmlichem Eis bei etwa vier Grad Celsius wurde das Herz mit Trockeneis transportiert, das Temperaturen von bis zu minus 80 Grad erreicht. Dadurch wurde das Organ „buchstäblich erfroren“, wie es in Berichten heißt.
Da den Ärzten in Neapel bereits das eigene Herz des Jungen entnommen hatte, transplantierten sie dennoch das schwer beschädigte Spenderorgan. Der Junge überlebte den Eingriff nicht ohne lebenserhaltende Maßnahmen und wurde an die ECMO-Maschine angeschlossen. Seitdem liegt er im Koma – mittlerweile seit fast 60 Tagen. Sein Zustand wird von den behandelnden Ärzten als „sehr kritisch“ beschrieben.
Ermittlungen und europaweite Organsuche
Die Staatsanwaltschaft hat inzwischen Ermittlungen gegen sechs Ärzte und Sanitäter aufgenommen. Die verwendete Kühlbox wurde als Beweismittel beschlagnahmt. Während die Justiz die Umstände des Transports aufklärt, läuft eine dringende Suche nach einem neuen Spenderherz in ganz Europa.
Die Mutter des Jungen, Patrizia Mercolino, die ihren Sohn öffentlich als „kleinen Krieger“ bezeichnet, erfuhr zunächst nur, dass die Transplantation misslungen sei. Die genauen Umstände erfuhr sie erst aus Zeitungsberichten. „Wir haben alles erst aus den Zeitungen erfahren“, klagt sie. Trotz der dramatischen Situation hält sie an der Hoffnung fest: „Ich gebe nicht auf. Ich verliere auch nicht die Hoffnung.“ Sie wandte sich sogar mit einer Bitte um Hilfe an Papst Leo XIV.
Uneinigkeit unter Medizinern über Behandlungsoptionen
Unter Experten herrscht Uneinigkeit über die weiteren Behandlungsmöglichkeiten. Das renommierte Vatikan-Kinderkrankenhaus Bambino Gesù in Rom kam zu dem Schluss, dass der Junge aufgrund des hohen Risikos eines Multiorganversagens „nicht mehr transplantierbar“ sei. Bei längerer ECMO-Behandlung drohen schwere Infektionen sowie Schäden an Lunge, Leber und Nieren.
Die Monaldi-Klinik hingegen hält eine erneute Transplantation für möglich – vorausgesetzt, es wird rechtzeitig ein passendes Kinderherz gefunden. Ein Erwachsenenherz wäre für den kleinen Patienten zu groß. Aktuell wird über die Verwendung eines sogenannten Berliner Herzens diskutiert, einer Pumpe, die das Blut durch den Körper transportieren kann, bis ein Spenderherz verfügbar ist.
Politisches Engagement und nationale Anteilnahme
Das Schicksal des Jungen bewegt ganz Italien und hat auch die Politik erreicht. Ministerpräsidentin Giorgia Meloni rief die Mutter persönlich an, um größtmögliche Unterstützung zuzusichern. Vor dem Monaldi-Krankenhaus versammeln sich regelmäßig Menschen zum Gebet für den kleinen Patienten.
Die Situation verdeutlicht die prekäre Lage der Organspende in Europa. Aktuell warten mehr als 13.000 Menschen dringend auf ein neues Organ. Allein in Deutschland waren zum Jahresende mehr als 1.100 Menschen auf ein Spenderherz angewiesen. Genaue Zahlen, wie viele Kinder darunter sind, liegen nicht vor.
Ein Hoffnungsschimmer kam kürzlich auf: In Italien starb ein dreijähriger Junge an Leukämie, dessen Eltern sein Herz zur Verfügung stellen. Allerdings hat dieses Organ eine andere Blutgruppe, sodass noch entschieden werden muss, ob es für den Jungen in Neapel infrage kommt oder einem anderen Kind transplantiert wird.



