Sporttherapie in Klinikfluren: SPRUNGbrett-Projekt mobilisiert chronisch kranke Kinder
Wenn der Klinikflur zum Sportplatz wird, dann ist das Projekt SPRUNGbrett im Einsatz. Die BILD-Hilfsorganisation Ein Herz für Kinder ermöglicht damit individuelle Sporttherapien für Kinder mit chronischen Erkrankungen in sechs deutschen Universitätskliniken. Möglich wurde dieses einzigartige Projekt durch eine besonders großzügige Spende der Dietmar Hopp Stiftung.
Vom Isolierzimmer zurück auf den Fußballplatz
Mattis (11) aus Hamburg erinnert sich noch genau an den Moment, als er seinen Sporttherapeuten Simon Elmers (38) zum ersten Mal durch die Scheibe der Isolierstation sah. Der Junge hatte gerade eine Knochenmarktransplantation hinter sich – eine extrem belastende Behandlung bei einem Myelodysplastischen Syndrom, einer seltenen Knochenmarkserkrankung ähnlich dem Blutkrebs. „Da wusste ich, dass ich was machen muss, um wieder Fußball spielen zu können“, sagt Mattis heute, knapp ein Jahr später.
Sporttherapeut Simon Elmers erklärt sein Vorgehen: „Normalerweise geht es den Kindern richtig schlecht. Ich versuche zunächst, Vertrauen aufzubauen, und schaue mir das Bewegungsverhalten vor und nach der Krankheit an.“ Sein Ziel ist es, die Kinder schnell wieder für Bewegung zu begeistern. Bei Mattis gelang das mit einem simplen Luftballon – ihr Stationsrekord liegt bei beeindruckenden 426 Kopfbällen.
Individuelle Betreuung an sechs Standorten
Das Projekt SPRUNGbrett wird über drei Jahre an sechs Unikliniken von Heidelberg bis Leipzig, von Hamburg bis München umgesetzt. An jeder beteiligten Klinik werden ein Sporttherapeut und ein Sportwissenschaftler eingesetzt, um kleine Patienten individuell zu mobilisieren. Eine wissenschaftliche Studie unter Leitung der Uniklinik Essen begleitet und evaluiert das Projekt.
Sarah Majorczyk, Vorstandsvorsitzende von Ein Herz für Kinder, betont die Bedeutung: „Sport ist so viel mehr als Bewegung – er ermöglicht Lebensfreude, Teilhabe, schafft Selbstvertrauen. Gerade für Kinder, die chronisch krank sind, ist das enorm wichtig.“ Da Krankenkassen solche Therapien nicht bezahlen, springt die Hilfsorganisation ein.
Bewegung trotz Therapie: Milas Geschichte
Mila (10) aus München leidet an Diamond-Blackfan-Anämie, einer Erkrankung mit zu wenigen roten Blutkörperchen. Bereits 155 Bluttransfusionen hat das Mädchen hinter sich – jedes Mal acht Stunden lang. Trotzdem ist Mila überaus sportlich: Sie spielt Tennis, macht Gymnastik und tanzt HipHop.
Dr. Sabine Kesting (42), die SPRUNGbrett an der Kinderklinik Schwabing betreut, erklärt: „Mila ist ein besonders positives Beispiel. Die meisten chronisch kranken Kinder bewegen sich viel zu wenig.“ Während der Therapie hilft sie Mila, die Zeit mit Bewegung zu vertreiben – mal auf der Slackline, mal mit Sandsäckchen-Zielwurf.
Weitere Erfolgsgeschichten des Projekts
Malik (17) aus Essen: Der leidenschaftliche Fußballer erkrankte nach einem Spiel Ende 2024 an einer Herzmuskelentzündung. Über SPRUNGbrett begann die vorsichtige Mobilisierung an der Uniklinik Essen. Kinderkardiologe Dr. Carsten Müntjes ist überzeugt: „Das Programm ist Gold wert. Ich gehe davon aus, dass Malik nach der Genesung wieder im Breitensport aktiv sein kann.“
Matteo (4) aus Heidelberg: Der Junge lebt mit partieller Trisomie 9p, einer genetischen Erkrankung mit Entwicklungsverzögerung. Erst mit drei Jahren lernte er laufen. Seine Mutter Judith Schütz (38) sah die Ein Herz für Kinder-Spendengala im Dezember 2025 und bewarb Matteo umgehend für das Programm. Im Mai soll seine Therapie beginnen, bei der sein Talent fürs Klettern gefördert werden soll.
Transparenz und Wirkung
Ein besonderes Merkmal der Hilfsorganisation: Bei Ein Herz für Kinder fließt jeder Cent der Spenden direkt in Kinderhilfsprojekte. Personal- und Verwaltungskosten werden vollständig von Axel Springer übernommen, sodass keine Abzüge entstehen. Das ermöglicht maximale Wirkung für Projekte wie SPRUNGbrett, das chronisch kranken Kindern nicht nur körperliche Rehabilitation, sondern auch Lebensfreude und Selbstvertrauen zurückgibt.



