Soziale Verantwortung beeinflusst unser Vertrauen in Entscheidungen
Eine Entscheidung zu treffen, gehört zum Alltag eines jeden Menschen. Doch wie Forscher nun herausgefunden haben, gibt es einen signifikanten Unterschied, ob wir für uns selbst oder für andere entscheiden. Eine aktuelle Studie der Universität Zürich, veröffentlicht im Fachjournal »Science Advances«, zeigt, dass soziale Verantwortung das Vertrauen in die eigene Wahl erheblich mindert.
Experimente offenbaren deutliche Unterschiede
Das Forschungsteam um Sherry Dongqi Bao führte Experimente mit etwa 400 Freiwilligen durch. Die Teilnehmenden mussten unter Zeitvorgaben entscheiden, welcher von zwei Kreisen mehr Punkte enthielt – einer mit 50 Punkten, der andere mit 52 bis 74 Punkten. Vorab wurde ihnen mitgeteilt, ob sie die Entscheidung für sich selbst oder stellvertretend für eine Gruppe treffen würden. Für richtige Entscheidungen gab es eine Belohnung von 15 Schweizer Franken (etwa 16 Euro), die je nach Versuchsteil nur der Person selbst oder allen Gruppenmitgliedern zugutekam.
Die Auswertung ergab einen klaren Effekt: Wenn Probanden für andere mitverantwortlich waren, brauchten sie länger für ihre Entscheidung und hatten im Durchschnitt deutlich weniger Vertrauen in ihre eigene Wahl. Dieser Rückgang des Selbstvertrauens führte dazu, dass die Entscheidung häufiger an andere delegiert wurde, sofern diese Option bestand.
Treffgenauigkeit bleibt unverändert
Interessanterweise gab es keinen realen Grund für das geringere Vertrauen. Die Treffgenauigkeit bei den Lösungen blieb in allen Situationen etwa gleich, unabhängig davon, ob für sich selbst oder für andere entschieden wurde. Selbst Feedback zur Leistung konnte den negativen Effekt der sozialen Verantwortung nicht beseitigen.
Ein weiterer bemerkenswerter Befund: Fühlten sich die Teilnehmenden der Gruppe, für die sie entschieden, zugehörig, war ihr Vertrauen noch einmal geringer als bei Entscheidungen für eine als fremd wahrgenommene Gruppe. Dies unterstreicht, wie stark emotionale Bindungen die Entscheidungsfindung beeinflussen können.
Implikationen für Alltag und Gesellschaft
Die Forschenden vermuten, dass diese Effekte dazu führen könnten, dass Menschen sichere gegenüber riskanteren Optionen bevorzugen, wenn sie mit ihrer Entscheidung für andere verantwortlich sind. Soziale Verantwortung beeinflusst die Entscheidungsfindung offenbar in einer Weise, die über die üblichen Ängste vor Risiken oder Verlusten hinausgeht.
Diese Erkenntnisse sind besonders relevant für Bereiche wie Elternschaft, Wirtschaft oder Politik, wo Entscheidungen oft im Namen anderer getroffen werden. Sie zeigen, dass das Gefühl der Verantwortung nicht nur die Geschwindigkeit, sondern auch das Selbstvertrauen in Entscheidungsprozessen beeinträchtigen kann, ohne dass die objektive Qualität der Entscheidung darunter leidet.



