Die übermäßige Nutzung von Handys und Tablets sowie der Konsum von Social Media kann bei Kindern und Jugendlichen zu ernsthaften psychischen Problemen führen. Besonders betroffen sind junge Menschen im ländlichen Raum Brandenburgs, wie eine aktuelle Antwort des Potsdamer Gesundheitsministeriums auf eine Kleine Anfrage des AfD-Abgeordneten Volker Nothing zeigt.
Regionale Unterschiede bei emotionalen Störungen
Laut der veröffentlichten Antwort wurden bei den Schuleingangsuntersuchungen rund sechs Prozent aller Schülerinnen und Schüler mit einer emotionalen oder sozialen Störung diagnostiziert. Dabei gibt es große regionale Unterschiede: Während in Potsdam nur 2,6 Prozent der Kinder betroffen sind, liegt der Anteil im Elbe-Elster-Kreis bei alarmierenden 13,2 Prozent. Auch in der Uckermark (8,2 Prozent) und der Prignitz (8,0 Prozent) sind die Werte überdurchschnittlich hoch. Je weiter eine Familie von Berlin entfernt lebt, desto höher ist demnach das Risiko für psychische Auffälligkeiten.
Geringe Versorgungsdichte bei Psychotherapeuten
Brandenburg hat laut der Anfrage die geringste Psychotherapeutendichte aller Bundesländer. In Berlin kommt auf 2100 Einwohner ein Psychotherapeut, der Bundesdurchschnitt liegt bei 3906 Einwohnern je Therapeut. In Brandenburg hingegen teilen sich 5484 Einwohner einen Therapeuten – mehr als ein Drittel mehr als im Bundesdurchschnitt. Das Ministerium verweist zwar auf zahlreiche Projekte zur Förderung der psychischen Gesundheit, wie Stressbewältigungsprogramme oder das Landesprogramm „Gute gesunde Schule“, räumt aber ein: „Richtig ist aber auch, dass es insbesondere im ländlichen Bereich an Therapeuten und Fachärzten fehlt.“
Psychiatrische Institutsambulanzen als Lösung
Um die Versorgung im ländlichen Raum zu verbessern, wurden in den letzten Jahren Psychiatrische Institutsambulanzen (PIAs) geschaffen. „Aus Sicht des Landes sind die sechs Kinder- und Jugendpsychiatrischen Krankenhäuser mitsamt ihren 16 PIAs an weiteren Standorten unverzichtbare und wichtige Säulen der Versorgung“, heißt es in der Antwort.
Steigende Therapieanfragen und schwerere Fälle
Der Senftenberger Kinder- und Jugendpsychotherapeut Petjo Bangeow, Landesvorsitzender der Deutschen Psychotherapeuten Vereinigung in Brandenburg, berichtet von stetig steigenden Therapieanfragen. „Die Chronifizierung hat zugenommen, und oft sind es schwerere Fälle als vor fünf, sechs oder sieben Jahren“, sagt Bangeow. Er sieht auch die Situation an den Schulen als Belastungsfaktor: Marode Schulgebäude und überlastete Lehrkräfte trügen dazu bei, dass Schüler heute stärker krank seien als früher. „Trends auf TikTok und Instagram sind oft Thema in den Therapien“, so Bangeow.
Einfluss sozialer Medien auf Phobien
Kinder und Jugendliche sehen in sozialen Medien Videos über Phobien wie die Emetophobie (Angst vor dem Erbrechen) und achten dann bei sich selbst auf entsprechende Anzeichen. „Wenn Eltern keine Mittel mehr für soziale Teilhabe ihrer Kinder haben, und der Fußballclub oder das Fitnessstudio nicht mehr bezahlt werden können, bleiben den Kindern nur noch die sozialen Medien“, warnt Bangeow. Die fraktionslose Landtagsabgeordnete Melanie Matzies, selbst Psychologin, verweist auf die HBSC-Studie 2022, die bereits auf problematisches Medienverhalten hinwies. Sie fordert verstärkte Präventionsmaßnahmen wie Altersbegrenzungen, Nutzungsreduktionen und gerätefreie Räume in Brandenburg. „Ich würde das gut finden“, so Matzies.



