Tiergestützte Therapie: Wie Tiere der menschlichen Seele helfen können
Ob Hund, Pferd oder Alpaka: Tiere können in therapeutischen Behandlungen wertvolle Unterstützung leisten – doch nicht jedes Angebot hält, was es verspricht. Worauf Interessierte achten sollten, erklärt dieser umfassende Überblick.
Was genau ist tiergestützte Therapie?
Bei der tiergestützten Therapie handelt es sich um eine geplante und zielgerichtete therapeutische Maßnahme, bei der speziell ausgebildete Tiere als fester Bestandteil der Behandlung eingesetzt werden. Diese wird ausschließlich von qualifizierten Fachkräften durchgeführt – etwa aus den Bereichen Psychotherapie, Ergotherapie oder Physiotherapie – und verfolgt klar definierte, dokumentierte Therapieziele.
Der Begriff „tiergestützte Therapie“ ist zwar rechtlich nicht geschützt, wird jedoch fachlich durch Verbände definiert. Übergeordnet spricht man von „tiergestützten Interventionen“. Dazu gehören neben der eigentlichen Therapie auch pädagogische Angebote und tiergestützte Aktivitäten, bei denen Tiere beispielsweise in Schulen oder Pflegeeinrichtungen zum Einsatz kommen, ohne dass dabei eine therapeutische Behandlung im engeren Sinne stattfindet.
Wann kann die Therapie mit Tieren helfen?
Viele Menschen empfinden den Kontakt mit Tieren während einer Therapie als besonders unterstützend. Wissenschaftliche Studien liefern deutliche Hinweise darauf, dass sich im Rahmen tiergestützter Therapie Verbesserungen bei verschiedenen psychischen und physischen Beschwerden beobachten lassen:
- Depressionen und Angststörungen
- Stresssymptome und Burnout
- Autismus-Spektrum-Störungen
- Demenz und kognitive Einschränkungen
Die positiven Effekte werden unter anderem mit hormonellen Reaktionen erklärt. Studien zeigen, dass Menschen im Kontakt mit Tieren – insbesondere beim Streicheln – das Hormon Oxytocin ausschütten. Dieses Hormon steht in enger Verbindung mit Bindung, Vertrauen und Stressreduktion.
„Wenn wir derart entspannt sind, können wir schneller eine vertrauensvolle Beziehung aufbauen oder mehr Motivation aufbringen“, erklärt Andrea Beetz, Professorin für Heilpädagogik an der IU Internationale Hochschule und Präsidentin der International Society for Animal Assisted Therapy (ISAAT). Diese positive Grundstimmung kann dazu beitragen, dass Patientinnen und Patienten neuen Erfahrungen aufgeschlossener oder mit weniger Ängsten begegnen.
Teilweise sollen durch tiergestützte Therapie – insbesondere im Kontakt mit Pferden – auch Kommunikationsfähigkeiten, Sozialverhalten, Lernverhalten, das Selbstwertgefühl und soziale Kompetenzen gefördert werden. Die Wirksamkeit hängt jedoch stark vom individuellen Charakter des Tieres und der Beziehung zwischen Therapeut und Klient ab.
Welche Tiere eignen sich für therapeutische Einsätze?
In tiergestützten Therapien kommen am häufigsten Hunde und Pferde zum Einsatz. Doch auch andere Tierarten können bei Interventionen unterstützen:
- Esel, Alpakas und Lamas
- Ziegen, Schafe oder Schweine (beispielsweise auf Bauernhöfen)
Grundvoraussetzung ist stets die Einhaltung von Tierschutzrichtlinien. Ethische Aspekte spielen beim Einsatz in Therapiesettings eine entscheidende Rolle. Aus Sicht des Deutschen Tierschutzbunds sind etwa kleine Heimtiere wie Kaninchen und Meerschweinchen nicht für die Therapie geeignet – zumindest wenn es darum geht, sie anzufassen und nicht nur zu beobachten. Werden diese Tiere hochgehoben, bedeutet das für sie meist purer Stress.
Wo finde ich seriöse Angebote?
Beim Bundesverband Tiergestützte Intervention oder den Dachverbänden ISAAT und ESAAT (European Society for Animal Assisted Therapy) sind Anbieter mit entsprechender Grund- und Zusatzausbildung aufgeführt.
„Achten Sie immer auf den Grundberuf, also etwa einen staatlich zugelassenen Ergotherapeuten, der eine Zusatzausbildung für seinen therapeutischen Tiereinsatz hat“, rät Andrea Beetz. Ideal sei, wenn der Therapeut oder die Therapeutin bereits einige Jahre ohne Tier gearbeitet habe und routiniert genug sei, um sich auf das Tier konzentrieren zu können. Dies sei wichtig, um Stresssignale des Tieres zu erkennen, ihm ausreichend Pausen zu gönnen und Rückzugsorte bieten zu können.
Weitere Qualitätsmerkmale seriöser Anbieter:
- Vorhandensein eines Hygiene- und Transportkonzepts
- Vorkehrungen für eventuelle Unfälle
- Nachweis tierartspezifischer Sachkunde bei gewerblichen Anbietern
Wie finde ich heraus, ob mir das Konzept helfen kann?
Besprechen Sie am besten mit dem Anbieter oder Therapeuten Ihrer Wahl, was möglich ist. „Viele sind mit Herzblut dabei und bereit zum Dialog“, sagt Beetz. Häufig muss eine erste Teststunde jedoch selbst bezahlt werden, da es sich um ein individuelles Kennenlernen handelt.
Was kostet diese Form der Therapie?
Die Kosten können je nach Angebot stark variieren. Bei tiergestützten Interventionen handelt es sich in der Regel nicht um anerkannte Therapieverfahren im Sinne der Krankenkassen. Nach Angaben von Andrea Beetz übernehmen die Krankenkassen meist nur die Kosten für eine reguläre Psycho- oder Physiotherapie. Die zusätzlichen Kosten für den Einsatz des Tieres werden häufig nicht erstattet.
Hinter größeren Instituten, die beispielsweise Hippotherapie anbieten, stehen häufiger Fördervereine, die Kosten teilweise mit Hilfe von Spenden übernehmen können. Es lohnt sich daher, nach Fördermöglichkeiten zu fragen und verschiedene Finanzierungsoptionen zu prüfen.



