München bangt: Wird der Gasteig zur ewigen Ruine?
Wie eine Burg erhebt sich der Gasteig in bester Münchner Lage, doch seine Zukunft ist ungewiss. Die Zwischennutzung durch die Fat Cat, die Kabarett, Comedy und Konzerte veranstaltet, endet am 30. September. Danach wird das Gebäude stillgelegt, während die Sanierung weiterhin auf sich warten lässt. Der Bezirksausschuss Haidhausen-Au informierte sich jüngst über den Stand der Dinge, doch viele Fragen bleiben offen.
Die Gegenwart: Ein Kulturzentrum im Wartestand
Im Sommer 2022 wurde der Gasteig geräumt: Die Philharmonie, Teile der Volkshochschule und der Musikhochschule zogen nach Sendling um, die Stadtbibliothek eröffnete ein Interim im Motorama. Wegen ungeklärter Finanzierungsfragen verzögerte sich jedoch der Beginn der 2017 beschlossenen Sanierung. Die Haustechnik ist veraltet, der Brandschutz mangelhaft, und viele Bereiche sind nicht barrierefrei. Die Akustik der Philharmonie gilt als umstritten, und die Büros verschwenden viel Raum.
Zwischennutzung durch die Fat Cat: Ein Erfolg mit Ablaufdatum
Seit Juli 2023 nutzt die Fat Cat die Räume als gemeinnützige GmbH. Neben Kabarett und Comedy proben hier Chöre, und Ateliers wurden eingerichtet. Zuletzt zog die Lach & Schieß in den Kleinen Konzertsaal ein. Diese Zwischennutzung wird allgemein als großer Erfolg gewertet, doch sie endet im September. Dann werden Teile der Einrichtung versteigert, und das Gebäude fällt in einen Dornröschenschlaf.
Stand der Dinge: Sanierung in weiter Ferne
Die Münchner Raumordnungsgesellschaft (MRG) hat die Sanierung im September 2025 ausgeschrieben. Mehrere Generalunternehmer haben Interesse bekundet und können bis Ende April Angebote abgeben. Nach Prüfung und Verhandlungen soll im November ein Angebot vorliegen, über das der Stadtrat am 2. Februar 2027 abstimmen wird. Doch Kritiker fürchten, dass der Gasteig zur ewigen Ruine verkommt, da die Räumung beginnt, bevor ein Generalunternehmer feststeht.
Finanzierung: Kosten explodieren auf 600 bis 700 Millionen Euro
Ursprünglich war ein Kostendeckel von 450 Millionen Euro vorgesehen, doch angesichts gestiegener Baukosten gelten nun 600 bis 700 Millionen als realistisch. Die MRG plant, den Betrag in mehreren Tranchen am Kapitalmarkt zu beschaffen. Nach Fertigstellung wird der Gasteig an die Stadt vermietet, ähnlich wie beim Bau in den 1980er Jahren über ein Leasing-Modell. Benedikt Schwering, Geschäftsführer der MRG, betont, dass die Finanzierung von Großprojekten üblicherweise in Tranchen aufgeteilt wird.
Zeitplan: Eröffnung frühestens zu Silvester 2034
Nach Auswahl des Generalunternehmers beginnt 2029 die eigentliche Sanierung, die viereinhalb Jahre dauern soll. Anschließend wird das Gebäude etwa eineinhalb Jahre schrittweise in Betrieb genommen. Schwering rechnet optimistisch mit einer Eröffnung zu Silvester 2034. Doch Anwohner befürchten Baulärm, und der Bezirksausschuss kritisiert, dass der Gasteig dann mit einem fast 20 Jahre alten Nutzungskonzept eröffnet wird, ohne die Erfahrungen der Fat Cat zu berücksichtigen.
Politische Unsicherheiten und Kritik
Die neue Rathaus-Koalition hat sich noch nicht gebildet. Während Grüne und CSU die Generalsanierung befürworten, zeigt die SPD Skepsis angesichts der hohen Kosten. Der Freistaat Bayern, der im Werksviertel einen eigenen Konzertsaal plant, lehnt eine Zusammenarbeit mit der Stadt ab. Kunstminister Markus Blume will eingegangene Verpflichtungen erfüllen, ohne auf den Gasteig einzugehen. Diese politischen Grabenkämpfe verschärfen die Unsicherheit um das Schicksal des Kulturzentrums.
Der Gasteig, größer als das Centre Pompidou in Paris und mit mehr Räumen als Versailles, steht vor einer ungewissen Zukunft. Ob er zur ewigen Ruine verkommt oder als modernisiertes Kulturzentrum wiederersteht, bleibt eine teure offene Frage für München.



