Chris Norman im Exklusiv-Interview: Ein Leben für die Musik
Seit fünf Jahrzehnten steht Chris Norman im Rampenlicht – zunächst als Frontmann der britischen Rockband Smokie, später als erfolgreicher Solo-Künstler. Im Exklusiv-Interview mit Ulrich Grunert spricht der 75-Jährige über sein neues Album „Lifelines“, das auf Platz 6 der deutschen Charts einstieg, und blickt auf eine bewegte Karriere zurück.
Vom Smokie-Erfolg zur Solo-Karriere
„Das war echt großartig!“, erinnert sich Norman an den ersten Deutschland-Erfolg mit Smokies Hit „If You Think You Know How to Love Me“ vor rund 50 Jahren. „Wir waren schon mehr als ein Jahrzehnt unterwegs, aber zum Erfolg gehört neben Talent und Fleiß immer auch Glück.“ Dieses Glück begleitete ihn durch die Jahrzehnte – bis zur jüngsten Überraschung: Mit „Lifelines“ erreichte er seine bisher höchste Chartplatzierung als Solo-Künstler.
Die Idee hinter „Lifelines“
Der Albumtitel bedeutet übersetzt „Lebenslinien“ oder „Lebensanker“ – und genau darum geht es: „Musik war immer ein fester Teil meines Lebens“, erklärt Norman. Anlässlich seines 75. Geburtstags durchforstete er Jahrzehnte seiner musikalischen Biografie und wählte Songs aus, die ihn besonders inspiriert haben. Gemeinsam mit Produzent Christian Geller hauchte er diesen Klassikern neues Leben ein.
Die Auswahl reicht von den Beatles bis zu Dieter Bohlen: „Wenn man einen tollen Song hat, macht es einfach Spaß, ihn zu singen“, so Norman über seine Neuinterpretation von „Strawberry Fields Forever“. Besonders mutig war auch die neue Version von „Midnight Lady“, seinem ersten Solo-Hit aus der Zusammenarbeit mit Dieter Bohlen im Jahr 1986.
Smokie-Rückblick und musikalische Weichenstellungen
Aus der Smokie-Ära wählte Norman „Mexican Girl“ für das Album – „damit haben wir 1978 zum ersten Mal bewiesen, dass wir eigene Songs zum Erfolg führen können“. Die Trennung von der Band 1986 beschreibt er als eines der größten Risiken seiner Karriere: „Plötzlich ohne die Unterstützung von Menschen dazustehen, die man sein ganzes Leben lang kannte, war nervenaufreibend.“ Heute hat er keinen Kontakt mehr zu den ehemaligen Bandmitgliedern.
Die Veränderungen im Musikbusiness
Norman vermisst die früheren Zeiten der Musikindustrie: „Als wir 1968 unseren ersten Plattenvertrag bekamen, war das noch einfach“. Heute gebe es nicht mehr diese Möglichkeiten, und die gemeinsame Erfahrung von Musik habe sich verändert: „Früher sahen alle ‚Top of the Pops‘, heute sitzt jeder allein vor seinem Streaming-Kanal.“
Die große „Lifelines“-Tournee 2026
Im Oktober 2026 geht Chris Norman mit seiner Band auf große Hallen-Tournee durch Deutschland. „Es werden viele Songs aus dem neuen Album dabei sein, aber natürlich auch alle großen Hits aus meiner Zeit mit Smokie und den Solo-Jahren“, verspricht der Musiker. Die Tournee startet am 8. Oktober in Gera, weitere Stationen sind Leipzig, Magdeburg, Berlin und Hamburg.
Ein besonderes Highlight des Albums ist die Duett-Aufnahme „Crying In The Rain“ mit seiner Tochter Susan – „unsere Stimmen passen wirklich sehr gut zusammen, wahrscheinlich spielen da die Gene eine Rolle“. Auf der Tournee wird sie allerdings nicht dabei sein.
Chris Norman bleibt auch mit 75 Jahren ein musikalischer Grenzgänger, der mit „Lifelines“ nicht nur seine eigene Geschichte erzählt, sondern auch die emotionale Kraft der Musik feiert, die Generationen verbindet.



