Kostenexplosion beim Zukunftszentrum Halle: Bauprojekt wird um 77 Millionen Euro teurer
Beim geplanten Zukunftszentrum in Halle werden die erwarteten Kosten bereits vor Baubeginn deutlich angehoben. Statt der ursprünglich avisierten 200 Millionen Euro sind es nach aktuellen Schätzungen nun 277 Millionen Euro. Die Verantwortlichen für das prestigeträchtige Projekt stehen damit gleich zu Beginn unter erheblichem Rechtfertigungsdruck.
Architektur steht, Programmleitung fehlt
Während der Architektenentwurf für das 60 Meter hohe Gebäude mit transparenter Hülle, eingewölbten Außenwänden und Dachterrassen-Café bereits seit vergangenem Jahr vorliegt, bleibt die inhaltliche Gestaltung unklar. Die Stelle für die Programmleitung ist weiterhin unbesetzt – eine Situation, die eigentlich umgekehrt hätte verlaufen sollen. Dennoch betonen Experten, dass eine realistische Kostenplanung zu Projektbeginn wesentlich besser ist, als wenn während der Bauphase das Geld ausgeht.
Städtebauliche Bedeutung und weitere Großprojekte
Die städtebauliche Bedeutung des Zukunftszentrums für Halle kann kaum überschätzt werden. Rund um den zentralen Riebeckplatz entsteht derzeit ein regelrechter Bauboom. Die Stadtverwaltung rechnet in den kommenden vier Jahren mit zusätzlichen Investitionen in Höhe von 400 Millionen Euro. Oberbürgermeister Alexander Vogt sprach zuletzt sogar von einer Milliardensumme.
Zu den bedeutendsten Projekten gehören:
- Ein neues Hotel am Busbahnhof, das von der Firma Papenburg gebaut und von der Hotelgruppe Dorint betrieben werden soll
- Die Umwandlung des ehemaligen Verwaltungsgebäudes des Bau- und Montagekombinates Chemie (BMK) in ein Wohnquartier mit 114 Wohnungen und einer Gewerbeeinheit durch GRK-Chef Steffen Göpel (Investition: 70 Millionen Euro)
- Mehrere Stadtvillen mit 300 Wohnungen auf der anderen Seite des Stadtparks durch die Leipziger Stadtbau AG (Investitionsvolumen: 100 Millionen Euro)
Wirtschaftsraum Leipzig-Halle wächst zusammen
Markus Kopp, Geschäftsführer von GRK und ehemaliger Leipziger Flughafenchef, betont im Gespräch: „Wir sehen Leipzig und Halle inzwischen als einen Wirtschaftsraum.“ Rings um den Flughafen Leipzig/Halle gebe es eine enorme Bautätigkeit für neue Gewerbe- und Logistikansiedlungen. Das Ballungsgebiet wachse zunehmend zusammen – eine positive Entwicklung für die gesamte Region.
Weitere wichtige Wirtschaftsthemen aus Mitteldeutschland
Ernten im Krieg: Der Börde-Landwirt Mathias Michael bewirtschaftet trotz Luftangriffen und Stromausfällen einen Hof in der Westukraine und berichtet von seinen Erfahrungen unter extremen Bedingungen.
Kohle-Millionen fließen nicht ab: Obwohl Milliarden für den Strukturwandel bereitstehen, werden die Mittel nur spärlich abgerufen. Die Abrufquote liegt bei lediglich 30 Prozent, wobei Kommunen unter bürokratischen Vorgaben ächzen.
Halloren senkt Preise: Der hallesche Schokoladenhersteller expandiert erfolgreich in den USA und plant aufgrund sinkender Kakaopreise nun auch Preissenkungen.
DB Cargo baut ab: Nach bereits erfolgten Jobstreichungen in Halle plant die Gütertochter der Deutschen Bahn bundesweit fast die Hälfte ihrer Arbeitsplätze zu streichen.
Großes Datacenter in Eisleben: In Rothenschirmbach brodeln Gerüchte über ein mögliches Logistik- oder Rechenzentrum an der A 38, während der Investor sich zum aktuellen Planungsstand äußert.
Industrie schrumpft kräftig: Sachsens verarbeitendes Gewerbe verzeichnet einen dramatischen Beschäftigungsrückgang mit über 6.000 Stellenverlusten allein im Jahr 2025 und insgesamt 23.000 weniger Beschäftigten seit 2019.



