Baukostenexplosion: Zukunftszentrum in Halle wird deutlich teurer
Das Bundesbauministerium rechnet mit erheblich höheren Baukosten für das geplante bundesweite Zukunftszentrum für Deutsche Einheit und Europäische Transformation in Halle. Die aktualisierte Kostenschätzung beläuft sich nun auf insgesamt 277 Millionen Euro, wie ein Ministeriumssprecher mitteilte. Ursprünglich waren lediglich 200 Millionen Euro Gesamtkosten veranschlagt worden, was einer Kostensteigerung von 77 Millionen Euro entspricht.
Standort und Fertigstellungstermin bleiben unverändert
Das Zentrum soll am Riebeckplatz in zentraler Lage unweit des Hauptbahnhofs in Halle entstehen und bis zum Jahr 2032 fertiggestellt werden. Es wird eine Fläche von etwa 14.000 Quadratmetern für Forschung, Ausstellungen und Dialog bieten. Das Gebäude soll 58 Meter hoch werden und eine transparente, helle Glasfassade erhalten, wie aus den Entwürfen des Berliner Planungsteams Richter Musikowski Architekten und ST raum a. Landschaftsarchitekten hervorgeht.
Gründe für die Kostensteigerung
Laut Ministeriumssprecher sind mehrere Faktoren für die deutlich höhere Kostenschätzung verantwortlich:
- Die bisherigen Berechnungen enthielten noch nicht die detaillierten Entwürfe der Architekten, die einen internationalen Wettbewerb gewonnen hatten.
- Erwartete Baupreissteigerungen und Risikokosten waren in der ursprünglichen Schätzung nicht berücksichtigt.
- Erhöhte Ansätze von rund acht Millionen Euro im Tiefbau, bedingt durch die Lage und Qualität des Grundstücks.
- Zusätzliche Kosten in der technischen Gebäudeausrüstung für das Hochhaus bis zur geplanten Fertigstellung 2032.
Der Haushaltsausschuss des Bundestages hat die Projektziele am Mittwoch im Grundsatz bestätigt und bekräftigt. Gleichzeitig wird nun geprüft, ob und wo Einsparpotenziale realisiert werden können.
Architektonische Besonderheiten und inhaltliche Ausrichtung
Das Zukunftszentrum wird über mehrere Eingänge verfügen, anstatt einen zentralen Haupteingang zu haben. Im Erdgeschoss ist ein großes Veranstaltungsforum geplant, während Treppen mit Blick ins Gebäudeinnere zu den oberen Geschossen mit Ausstellungsflächen und Büros führen sollen. Das Zentrum dient der Dokumentation, Archivierung und Aufarbeitung der Transformationserfahrungen der Menschen in mittel- und osteuropäischen Ländern seit 1989/1990.
Weitere Planungen und regionale Bedeutung
Elisabeth Kaiser, die Beauftragte der Bundesregierung für Ostdeutschland, kündigte an, dass zeitnah mit den weiteren Planungen des Neubaus begonnen wird. Parallel arbeitet das derzeit zwölfköpfige Team des Zentrums, das in den kommenden Jahren deutlich wachsen soll, an inhaltlichen Konzepten. Kaiser betonte, dass das Zentrum sowohl für den Bund als auch für die Stadt Halle ein wichtiges Projekt mit nationaler und europäischer Ausstrahlung sei, von dem die gesamte Region strukturell profitieren werde.



