Ein neuer Henker für das Schichtl-Kabinett: Rufus tritt in große Fußstapfen
Das Oktoberfest 2025 erlebt einen bedeutenden Wandel im traditionsreichen Schichtl-Zelt. Nach dem tragischen Tod des legendären Henkers Ringo im Sommer hat Martin Kollmann (48) die Hauptrolle übernommen. Acht Jahre lang war er als Knecht Rufus Teil des Kabinetts, nun steht er als Henker im Rampenlicht. „Jetzt stehe ich nicht mehr hinten, sondern vorne. Das ist der große Unterschied“, erklärt Kollmann gegenüber der AZ.
Das Erbe von Ringo und neue eigene Wege
Die Wiesn ohne ihren langjährigen Henker Ringo, dessen bürgerlicher Name Hjalmar-Maximilian Praetorius war, fühlt sich für Kollmann komplett anders an. „Er fehlt mir sehr“, gesteht der neue Henker. Jahre lang hat er sich von seinem Vorgänger alles abgeschaut, was man über die Guillotine und den Umgang mit dem Publikum wissen muss. Einige unübertreffliche Sprüche von Ringo hat er bewahrt, etwa den klassischen Aufmunterungsruf: „Kopf hoch, dann stirbt sich's leichter.“
Doch Rufus bringt auch frischen Wind in die Vorstellungen. Seine eigenen Sprüche, wie das charmante Kompliment an Damen – „Sie liegt da wie ein Gemälde von Rubens. Nur schlanker“ – kommen beim Publikum ausgezeichnet an. Anders als zuvor darf er seine Kandidaten nun selbst auswählen, eine Entscheidung, die er aus dem Bauch heraus trifft. Wichtig ist ihm dabei, dass die Auserwählten nicht allzu betrunken sind.
Vierzig Jahre Vorbild und eigene Zukunftspläne
Sein Vorgänger Ringo köpfte vier Jahrzehnte lang Menschen auf der Wiesn – eine Leistung, die Respekt einflößt. „Da hätte ich auch Lust drauf“, sagt Rufus mit einem Schmunzeln. „Dann bin ich zwar fast 90, aber schau 'mer mal!“ Die neue Schichtl-Bar, an der die AZ ihn traf, gefällt ihm ausgezeichnet. Auch das Team beschreibt er als wunderbar, obwohl er selbst kaum Zeit hat, dort gemütlich etwas zu trinken. Stattdessen widmet er sich voll und ganz seinen Vorstellungen, die den ganzen Wiesntag über stattfinden.
Ein neues Zeltkonzept mit familiärer Atmosphäre
Nicht nur der Henker hat gewechselt – das gesamte Schichtl-Zelt präsentiert sich in diesem Jahr neu. Alexander Recknagel, Betreiber mehrerer Münchner Lokale, führt erstmals die Bar im Zelt und ist begeistert: „Ich wusste schon, dass es toll wird. Aber so toll – das hätte ich nicht erwartet!“ Seit seinen Kindertagen ist er mit dem Schichtl vertraut, es war sein erstes Wiesn-Zelt überhaupt.
Unterstützt wird er von der neuen gastronomischen Leiterin Julia Baehr, die aus einer Festzelt- und Wirtsfamilie stammt. Auf dem Cannstatter Wasen betreibt ihre Familie ein Zelt, außerdem die Knödelalm im Werksviertel. Für sie ist die Wiesn jedoch Premiere. „Wir sind wie eine Familie hier“, betonen Baehr und Recknagel unisono. Diese familiäre Atmosphäre überträgt sich auch auf die Gäste.
Musikalische Untermalung und tanzfreudige Besucher
Nachmittags sorgen „Larissa und Klaus“ für Stimmung, abends heizt die Band Zamg'rauscht ein. Die Gäste haben bereits ihren ganz eigenen Wiesn-Hit gefunden: Zu „Baila Baila“ tanzen sie regelmäßig Polonaise – direkt neben der Bühne, auf der Rufus seine „Opfer“ köpft. Diese lebendige Mischung aus Tradition und Moderne, aus bewährten Ritualen und neuen Impulsen, macht den Charme des Schichtl-Zelts 2025 aus.
Während Henker Rufus nach seinem kurzen Interview schnell wieder Richtung Schichtl-Parade verschwindet, bleibt die AZ-Reporterin zurück und genießt die einzigartige Atmosphäre. Das Schichtl-Zelt beweist: Auch nach personellen Veränderungen bleibt es ein fester und beliebter Bestandteil der Wiesn, der Altbewährtes mit frischen Ideen verbindet.



