Karneval weltweit: Ein Fest der kulturellen Vielfalt und ausgelassenen Feiern
Karneval ist mehr als nur ein Fest – es ist ein globales Phänomen, das Kulturen auf der ganzen Welt verbindet. Von den pulsierenden Straßen Rio de Janeiros über die romantischen Kanäle Venedigs bis hin zu den deutschen Karnevalshochburgen wird überall mit großer Begeisterung gefeiert. In Deutschland sind kilometerlange Rosenmontagsumzüge, prächtige Festwagen, fliegende Kamellen, traditionelle Funkenmariechen, verrückte Jecke und humorvolle Büttenreden feste Bestandteile der närrischen Tage. Doch wie gestalten sich die Karnevalsbräuche in anderen Teilen der Welt? Wir nehmen Sie mit auf eine Reise zu den faszinierendsten Traditionen.
Rio de Janeiro: Der berühmteste Karneval der Welt
In Rio de Janeiro, Brasilien, startet der Karneval am Freitag vor Aschermittwoch und zieht jährlich Millionen Besucher aus aller Welt an. Die farbenprächtigen Umzüge sind ein visuelles Spektakel, bei dem Teilnehmer oft monatelang für ihre aufwendigen Kostüme sparen. Die Mühe lohnt sich: Die Karnevalsparade in Rio ist so prachtvoll und mitreißend, dass niemand der tanzenden Samba-Rhythmen widerstehen kann. Tanzpflicht herrscht hier – wer nicht mittanzt, verpasst das Wesentliche dieser einzigartigen Feier.
Venedig: Eleganz und Romantik in der Lagunenstadt
Ganz anders präsentiert sich der Karneval in Venedig, Italien. Hier geht es elegant, romantisch und stilvoll zu. Der Festbeginn wird mit einem beeindruckenden Fackelumzug und Trommlern am Markusplatz eingeläutet und erstreckt sich über 10 bis 17 Tage. Ein Höhepunkt ist der „Engelsflug“ (italienisch „Volo dell’Angelo“) am zweiten Tag, bei dem eine Dame, die an einem Seil hängt, Konfetti verteilt und unzählige Luftballons in den Himmel steigen lässt. Am Karnevals-Wochenende finden zudem opulente Tanzbälle und exklusive Partys statt.
Die Kostüme beim venezianischen Karneval sind prächtig und meist historisch inspiriert: bunte Harlekine und kunstvoll verzierte Masken mit Perlen, Strass und Federn verwandeln die Stadt in ein lebendiges Theater. Die Lagunenstadt selbst dient als atemberaubende Kulisse für die prächtig ausstaffierten Narren. Gut zu wissen: Seit 2024 müssen Touristen für einen Aufenthalt in Venedig Eintritt zahlen, eine Maßnahme zur Eindämmung des Massentourismus.
Karnevalsfußball in Derbyshire: Eine britische Tradition
In Ashbourne, Derbyshire, Großbritannien, verbinden die Briten Karneval mit ihrem Lieblingssport – Fußball. Am Faschingsdienstag und Aschermittwoch findet das Shrovetide-Fußballspiel (Royal Shrovetide Football) statt, eine Tradition, die wohl mindestens seit dem 12. Jahrhundert besteht. Das Spielfeld erstreckt sich über fünf Kilometer, und jeder Bewohner darf mitmachen. Das bedeutet: Hunderte Menschen rennen durch das Dorf, um den Ball ins Tor zu bugsieren – ein chaotisches und urkomisches Spektakel.
„Mardi Gras“ in New Orleans: Das US-amerikanische Karnevalsfest
„Mardi Gras“, der „Fette Dienstag“, ist das Karnevalshighlight in den US-Südstaaten, insbesondere in New Orleans. Jährlich strömen rund eine Million Besucher in die Stadt, um an den Feierlichkeiten teilzunehmen. Die Tradition reicht bis ins frühe 18. Jahrhundert unter französischer Kolonialherrschaft zurück. Heute wird mit Schmuckperlenketten, ausgelassenen Partys und bunt geschmückten Umzugswagen gefeiert. Die Perlenketten werden von Balkonen geworfen, und jeder sammelt so viele wie möglich – auch Prominente steigen dafür auf die Wagen.
Karneval in Deutschland: Traditionen im Rheinland
In Deutschland, vor allem in den rheinischen Karnevalshochburgen wie Köln und Düsseldorf, sind die närrischen Tage ein Höhepunkt des Jahres. Der Karneval beginnt bereits am 11. November um 11:11 Uhr und endet mit dem traditionellen Fischessen am Aschermittwoch. Bei der Weiberfastnacht müssen Krawattenträger aufpassen – der Brauch des Krawattenabschneidens ist noch immer lebendig. Am Karnevalssonntag und Rosenmontag ziehen lange Umzüge mit geschmückten Wagen und bunten Musikgruppen durch die Straßen, bejubelt von kostümierten Zuschauern. Von den Wagen „regnet“ es Bonbons und kleine Geschenke.
Wo Karneval keine Rolle spielt
Während Köln und Düsseldorf als deutsche Karnevalshochburgen gelten, spielt das Fest im Norden des Landes, etwa in Hamburg oder Mecklenburg-Vorpommern, eine eher geringe Rolle. Auch international ist Karneval nicht überall verbreitet. Wer der Partystimmung entfliehen möchte, kann Urlaubsziele wie Ägypten, Tschechien oder Australien wählen, wo Karneval kaum gefeiert wird.
Weitere kuriose Karnevalstraditionen weltweit
- Rabiat: In La Vega, Dominikanische Republik, findet der „Carnaval vegano“ statt, bei dem „hinkende Teufel“ mit Säcken und Luftballons auf Zuschauer einschlagen.
- Kalt: In Finnland wünscht man sich zu Karneval einen „rutschigen Schlittentag“ („Liukasta Laskiaista“) und feiert mit rasanten Abfahrten von schneebedeckten Hügeln.
- Witzig: Auf Teneriffa müssen Männer während des Karnevals einen Hindernislauf auf Stöckelschuhen („Carrera de Tacones“) absolvieren – zur Belustigung der Zuschauer.
- Kukeri: In Bulgarien feiert man statt Karneval „Kukeri“, bei dem als Fabelwesen verkleidete Männer durch die Straßen laufen, um den Frühling einzuläuten.
- Orangenschlacht: In Ivrea, Italien, findet kurz vor Aschermittwoch die „Battaglia delle Arance“ („Kampf der Orangen“) statt, bei der sich tausende Menschen mit Orangen bewerfen.
Karneval ist somit ein Fest, das in unzähligen Facetten und Traditionen auf der ganzen Welt zelebriert wird – jede Kultur bringt ihre eigene, einzigartige Note in die globalen Feierlichkeiten ein.



