Citizen Kane: 85 Jahre und immer noch ein Meisterwerk der Filmgeschichte
Citizen Kane: 85 Jahre und immer noch ein Meisterwerk

Los Angeles - Für viele Cineasten ist „Citizen Kane“ der beste Film aller Zeiten. Vor 85 Jahren, Anfang Mai 1941, feierte der Schwarz-Weiß-Streifen in New York Premiere. Das Werk von Hollywoods Wunderkind Orson Welles, damals 25 Jahre alt, erzählt die Geschichte des fiktiven Medienmoguls Charles Foster Kane, in dem Zeitgenossen leicht den Zeitungszar William Hearst erkannten. Der Film floppte zunächst – doch heute gilt er als Meilenstein der Kinogeschichte.

Die Sache mit dem „größten Film aller Zeiten“

1952 hatte das Team des Fachjournals „Sight and Sound“ vom British Film Institute die Idee, Kritiker nach den „Greatest Films of All Time“ zu befragen. Diese Tradition wurde seitdem alle zehn Jahre wiederholt. In den Jahren 1962, 1972, 1982, 1992 und 2002 war „Citizen Kane“ die Nummer eins dieser renommierten Liste. In der neuesten Liste von 2022 steht der Film auf Platz drei, hinter Alfred Hitchcocks „Vertigo – Aus dem Reich der Toten“ auf Platz zwei und Chantal Akermans feministischem Werk „Jeanne Dielman“ auf Platz eins.

Darum geht es in „Citizen Kane“

Im hochgelobten Film versucht eine Gruppe von Reportern, das letzte Wort zu erklären, das der einsam gestorbene Zeitungsmagnat und Politiker Charles Kane gesprochen haben soll: „Rosebud“. Der Film beginnt mit einer Nachrichtensendung, die über Kanes Leben informiert. Dann werden in Rückblenden Szenen aus Kanes Leben gezeigt. Am Ende wird das Rätsel „Rosebud“ gelöst. Die Zuschauer sehen, wie Kane als kleiner Junge ein großes Vermögen erbt, sich als junger Erwachsener ein Medienimperium aufbaut und schließlich zum skrupellosen Machtmenschen wird. Seine politische Karriere scheitert an einer Affäre mit der Sängerin Susan Alexander, wegen der auch seine Ehe zerbricht. Kane heiratet Susan und wird besessen davon, die talentfreie Sängerin zu einem Opernstar zu machen – vergeblich. Am Ende stirbt Kane als verbitterter alter Mann in seinem Prunkschloss Xanadu.

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Die Besonderheiten von „Citizen Kane“

Heutige Sehgewohnheiten lassen den Film womöglich weniger besonders erscheinen. Doch versetzt man sich gedanklich zurück ins Jahr 1941, wird eine Fülle von Innovationen nachvollziehbar. In der Bildsprache mutete der Film den Kinobesuchern einiges zu: Einsatz von viel Schärfentiefe, bedeutungsschweren Spiegelungen, starken Kontrasten sowie Sequenzen mit extremer Aufsicht oder Untersicht. Auch für die Entwicklung des damals noch neuen Tonfilms war „Citizen Kane“ revolutionär. Welles ließ Darsteller öfter mal durcheinanderreden und sich gegenseitig unterbrechen. Der Film hat eine ungewöhnliche, unsympathische Hauptfigur, die sich kaum zur Identifikation eignet. Die „New York Times“ sah in Kane eine Shakespeare'sche Figur zwischen Hamlet und Lear. Auffällig ist der Bruch mit der linearen Erzähltechnik: Zeitsprünge sind selbst innerhalb einer Szene zu finden. Das beste Beispiel ist eine Sequenz am Frühstückstisch, die zeigt, wie Kanes erste Ehe über die Jahre zerbricht – Schauplatz ist dasselbe Zimmer, nur Kostüme und Maske ändern sich, und die Länge des Tisches nimmt zu. Welles spielte Kane in jedem Erwachsenenalter und verbrachte dafür viele Stunden täglich in der Maske. Seine Darstellung gilt als frühes Beispiel für Method Acting. „Citizen Kane“ ist ein Prototyp des Autorenfilms, weil Welles fast alle künstlerischen Aspekte mitbestimmte.

Wie ausgezeichnet ist „Citizen Kane“?

Nach dem Filmstart startete Pressezar Hearst eine Kampagne gegen Welles, den Mitautor Herman J. Mankiewicz und das Filmstudio RKO. Trotz Flops an den Kinokassen war der Film bei Cineasten von Anfang an ein Renner. Bei den Oscars 1942 erhielt er neun Nominierungen, gewann aber nur einen Preis: das beste Originaldrehbuch für Welles und Mankiewicz. Ende 2020 brachte Netflix den Film „Mank“ mit Gary Oldman heraus, der sich mit dem Drehbuchautor und seinem Zoff mit Welles beschäftigt. 2021 bekam „Mank“ von Regisseur David Fincher zehn Oscar-Nominierungen und gewann zwei Preise (beste Kamera, bestes Szenenbild) – mehr als „Citizen Kane“ selbst.

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