Prinz Ludwig von Bayern: Vom Mäzen zum Filmproduzenten
Ludwig Prinz von Bayern, bekannt für sein humanitäres Engagement in Kenia, betritt nun auch die Filmwelt. Als Executive Producer hat er maßgeblich am preisgekrönten Spielfilm "Nawi – Dear Future Me" mitgewirkt, der am 2. März exklusive Deutschlandpremiere in der Astor Film Lounge München feierte und ab 5. März bundesweit in den Kinos läuft.
Ein Film mit wichtiger Botschaft
Der Film widmet sich dem ernsten Thema illegaler Zwangshochzeiten junger Mädchen in der abgelegenen Region Turkana in Kenia. "Das Thema Zwangsheirat ist nach wie vor ein massives Problem in der Region", erklärt der Prinz im Interview. "Das ist unglaublich traurig für die Mädchen, die darunter leiden." Seit 2014/2015 verfolgte er die Idee, einen größeren Film in dieser Region zu drehen.
Authentische Zusammenarbeit vor Ort
Besonders wichtig war dem Wittelsbacher die authentische Umsetzung: "Wir haben uns dafür entschieden, keine Drehbuchautoren aus dem globalen Norden zu engagieren, sondern einen Schreibwettbewerb vor Ort zu initiieren." Durchgesetzt hat sich dabei die junge Kenianerin Milcah Cherotich. Die deutsche Filmcrew brachte Profiwissen ein, arbeitete aber kreativ auf Augenhöhe mit dem kenianischen Team.
Die Dreharbeiten gestalteten sich herausfordernd: "Es waren 50 Drehtage, bei oft 35 Grad oder sogar mehr. Dazwischen haben Starkregenfälle alles weggeschwemmt", berichtet Prinz Ludwig. Sein Projekt Learning Lions stellte die gesamte Infrastruktur bereit, da in fußläufiger Entfernung gedreht wurde.
Persönliches Engagement über die Filmproduktion hinaus
Neben seiner Rolle als Executive Producer ist der Prinz sogar kurz im Film zu sehen – als Komparse am Flughafen für etwa vier Sekunden. "Das ist eine große Ehre, denn ich bin der einzige nicht-kenianische Schauspieler", bemerkt er schmunzelnd.
Doch sein Engagement geht weit über die Filmproduktion hinaus. Gemeinsam mit internationalen Partnern hat er die Nawi-Initiative ins Leben gerufen, die auf vier Säulen basiert:
- Bau von Schulen in der Region
- Stipendien für Mädchen
- Einbeziehung und Information der Familien
- Im Ernstfall: Rettung von Mädchen aus Zwangsehen und Unterbringung in Frauenhäusern mit nachträglicher Schulbildung
Internationale Resonanz und Zukunftspläne
Der Film hat bereits 25 internationale Preise gewonnen und wurde von Kenia für den Oscar eingereicht. Die Hauptdarstellerin Michelle Lemuya Ikeny, die beim Dreh noch nicht 14 Jahre alt war, gewann den afrikanischen Filmpreis für die beste Darstellerin.
Prinz Ludwig betont jedoch: "Wenn wir Millionen-Beträge hätten, würden wir damit Schulen bauen und nicht Luxusevents in Amerika finanzieren." Der Film startet zeitgleich auch in den USA und wird in Kenia mit mobilen Kinos gezeigt, insbesondere auch Männern, um Empathie für die betroffenen Mädchen zu wecken.
Zur ausverkauften Premiere in München wurde der Prinz von seiner Frau Sophie-Alexandra begleitet. Am 8. März, zum Weltfrauentag, diskutiert er gemeinsam mit der Hauptdarstellerin im Rio Filmpalast über den Film.
Obwohl er betont, "ich werde wohl nicht zum Vollzeit-Filmemacher", könnte er sich vorstellen, wieder bei Filmen mit wichtiger Botschaft mitzuwirken. "Wenn man jungen kreativen Menschen die Chance gibt, eine Geschichte zu erzählen, kann wirklich etwas Überraschendes dabei herauskommen", resümiert er seine Erfahrungen.



