William Shatner: Mit 95 Jahren auf neuen Missionen
Für Generationen von Science-Fiction-Fans bleibt er der unerschrockene Captain James T. Kirk vom Raumschiff Enterprise. Doch William Shatner, der am 22. März seinen 95. Geburtstag feiert, hat längst neue Galaxien erkundet – und plant nun eine musikalische Expedition ins Reich des Heavy Metal.
Von der Enterprise zur Gitarrenverzerrung
Vor wenigen Wochen kündigte die lebende Legende in den sozialen Medien an, noch in diesem Jahr ein Heavy-Metal-Album zu veröffentlichen. „Ich habe den Weltraum erforscht. Ich habe die Zeit erforscht. Nun… erforsche ich die Verzerrung,“ schrieb Shatner in einem charakteristisch markanten Post. Das Album soll Coverversionen von Bands wie Black Sabbath, Iron Maiden und Judas Priest sowie einige Originalkompositionen enthalten.
„Mit 94 Jahren wird man nicht langsamer. Man dreht die Lautstärke auf,“ fügte der gebürtige Kanadier hinzu und bewies damit, dass er den berühmten Star-Trek-Leitspruch „Mutig dorthin zu gehen, wo zuvor noch niemand war“ auch im zehnten Lebensjahrzehnt noch ernst nimmt.
Unermüdliche Aktivitäten jenseits der Musik
Das Metal-Projekt ist nur eines von vielen aktuellen Unterfangen des vielseitigen Künstlers. Bereits im April startet Shatner eine Tournee durch mehrere US-Bundesstaaten, bei der der Filmklassiker „Star Trek II: Der Zorn des Khan“ aus dem Jahr 1982 gezeigt wird. Nach den Vorführungen will der Schauspieler persönlich über sein Leben und seine außergewöhnliche Karriere sprechen.
Die Veranstaltungen bieten verschiedene Ticketkategorien an:
- Beste Plätze für über 400 Dollar
- VIP-Tickets mit gemeinsamen Fotos gegen Aufpreis
- Reguläre Eintrittskarten für die Filmvorführung und das Gespräch
Erst im Februar zeigte sich Shatner in einem humorvollen Werbespot während des Super Bowl, in dem er für ein ballaststoffreiches Frühstücks-Müsli warb. Der Spot demonstrierte erneut sein ungebrochenes Gespür für Timing und Selbstironie.
Historischer Ausflug ins All
Ein besonderes Highlight in Shatners später Karriere war zweifellos sein Ausflug ins All im Jahr 2021. Als damals ältester Weltraumtourist unternahm der 90-Jährige an Bord von Jeff Bezos‘ Raketensystem „New Shepard“ einen etwa zehnminütigen Flug mit Phasen der Schwerelosigkeit.
„Es war unbeschreiblich,“ sagte ein sichtlich bewegter Shatner nach seiner Rückkehr. „Diese Erfahrung hat mich so bewegt. Ich bin so voller Emotionen.“ In einem knallblauen Raumanzug hatte er zumindest einen kleinen Blick in die „unendlichen Weiten“ werfen können, die in der originalen Star-Trek-Serie so oft zitiert wurden.
Die Erfahrung hinterließ tiefe Spuren: „Man sieht dort draußen nur Schwarz – und auf der Erde sieht man Blau und Licht. Was ich wirklich jedem sagen will, ist, wie gefährdet und zerbrechlich alles ist – es gibt nur diese dünne Schicht von Atmosphäre, die uns am Leben hält.“
Eine Karriere mit vielen Facetten
William Shatners Weg zur Ikone begann bereits in seiner kanadischen Heimat Montreal, wo er schon als Kind von der Schauspielerei fasziniert war. Nach Wirtschaftsstudium und Theatererfahrung am Broadway folgten erste Filmrollen in anspruchsvollen Produktionen wie „Die Brüder Karamasow“ (1958) und „Urteil von Nürnberg“ (1961).
Der Durchbruch gelang 1966 mit der Rolle des Captain Kirk – auch wenn die Serie zunächst nach drei Staffeln wegen schwacher Quoten eingestellt wurde. Erst durch Wiederholungen Anfang der 1970er Jahre wuchs die kleine Fanbasis zur globalen „Trekkie“-Gemeinde, die zahlreiche Serien und über ein Dutzend Kinofilme nach sich zog.
Anerkennung jenseits von Star Trek
Shatners Talent beschränkte sich nie auf Science-Fiction. Für seine Darstellung des exzentrischen Anwalts Denny Crane in der Serie „The Practice“ erhielt er 2004 einen Emmy. In der Spin-Off-Serie „Boston Legal“ wiederholte er die Rolle und wurde 2005 mit einem weiteren Emmy sowie einem Golden Globe ausgezeichnet.
Im Privatleben ist der dreifache Vater und vierfache Ehemann auf der Plattform X als „Vater von drei Frauen. Kanadier! Nicht politisch – sei gewarnt oder werde geblockt!“ präsent. Seine Ehen waren von Höhen und Tiefen geprägt, darunter die tragische Ehe mit Nerine Kidd, die 1999 im Swimmingpool tot aufgefunden wurde.
Vermächtnis für die Nachwelt
2023 entschied sich Shatner schließlich für den Dokumentarfilm „You Can Call me Bill“, in dem er ausführlich über sein Leben spricht. „Ich habe nicht mehr lange zu leben,“ erklärte er damals gegenüber „Variety“. „Ob ich tot umfalle, während ich mit Ihnen spreche, oder erst in 10 Jahren – meine Zeit ist begrenzt.“
Besonders wichtig war ihm dabei der Gedanke an seine Enkelkinder: „Auf diese Weise könne ich noch nach meinem Tod in Verbindung bleiben.“
William Shatner beweist mit 95 Jahren, dass kreative Neugier und künstlerischer Mut keine Altersgrenzen kennen. Vom Broadway über die Brücke der Enterprise bis hin zu Heavy-Metal-Gitarren – seine Reise durch die unendlichen Weiten der Unterhaltung ist noch lange nicht zu Ende.



