Sönke Wortmanns 'Die Ältern': Eine Komödie auf Abwegen im idyllischen Hamburg
Hamburg präsentiert sich im Kino als eine ordentliche und idyllische Stadt, fast schon zu perfekt. In Sönke Wortmanns neuem Film 'Die Ältern' (kein Druckfehler) wird diese Kulisse zur Bühne für die existenzielle Krise einer Boomer-Familie. Der Film erzählt die Geschichte von Hannes, gespielt von Sebastian Bezzel, und seiner Frau Sara, die mit dem Auszug ihrer Kinder Clara und Nick konfrontiert sind.
Die Krise des goldenen Käfigs
Hannes, ein erfolgreicher Bestsellerautor, und Sara, eine Richterin, leben in einem Backsteinhaus am Alsterufer. Ihr Leben scheint perfekt, bis die Kinder das Nest verlassen. Der Film durchläuft im Schnelldurchlauf das Fotoalbum eines idealtypischen Boomer-Lebens, von den Anfängen in den 1980er Jahren bis zur gegenwärtigen Midlife-Crisis. Hannes muss erkennen, dass er zu einem Denkmal in einer Welt geworden ist, die es nicht mehr gibt.
Leider bleibt die Handlung vorhersehbar und die Figuren klischeebeladen. Die Humormaschine des Films wird, wie in der Kritik angemerkt, von ranzigem Altherrenöl angetrieben. Selbst Sebastian Bezzel scheitert daran, die stereotypen Dialoge lebendig zu gestalten. Die wenigen gelungenen Scherze, wie Kinder in grauen AfD-Anzügen zu Halloween, wirken fast wie Fremdkörper in dieser ausgeforschten Erzählung.
Ein Genre im Wandel
Erzählungen über alte weiße Männer, die in ihren Fünfzigern aus dem goldenen Käfig ihrer Selbstgewissheit vertrieben werden, haben sich in den letzten Jahren zu einem eigenen Genre entwickelt. Filme wie Simon Verhoevens 'Alter weißer Mann' zeigten hier mehr Biss und Konsequenz. Im Vergleich dazu wirkt 'Die Ältern' zahm und uninspiriert.
Die Handlung verläuft auf einem wohlgepolsterten Pfad: Hannes verliert seinen Verlag, Sara und Clara ziehen in eine Zwei-Frauen-WG, und die Familienstrukturen lösen sich auf. Doch anstatt diese Elemente ins Groteske zu drehen, sammelt der Film nur Alltägliches ein, ohne echte Tiefe oder Überraschungen zu bieten.
Fazit und Kinostart
Insgesamt bleibt 'Die Ältern' eine enttäuschende Komödie, die ihr Potenzial nicht ausschöpft. Zwei Personen könnten sich dennoch freuen: Michael Otremba und Carsten Brosda, die für den Tourismus in Hamburg verantwortlich sind, denn die Stadt wird in all ihrer idyllischen Ordnung präsentiert. Der Film startet ab dem 12. Februar in den deutschen Kinos.



