Vor fünf Jahren erlebte der bulgarische Dokumentarfotograf Valery Poshtarov (40) einen Moment der Erkenntnis. Als er seine beiden Söhne, damals acht und zehn Jahre alt, zur Schule brachte, hielt er beide an der Hand. Einem Freund der Familie, dessen Kind in ähnlichem Alter war, kam diese Geste jedoch ungewöhnlich vor. Für Poshtarov war es eine selbstverständliche, vertraute Handlung. Doch in diesem Augenblick wurde ihm bewusst: Diese Nähe würde nicht für immer bestehen bleiben.
Die melancholische Mission eines Vaters
Poshtarov erzählte dem „Observer“, dass ihm klar wurde, dass seine Söhne eines Tages seine Hand loslassen würden. Er begann zu überlegen, wie er die Nähe bewahren könnte, und startete eine Art melancholische Vater-Mission: Er wollte die Geste des Händehaltens auf Fotos festhalten. So entstand das Projekt „Father and Son“, das in verschiedenen Ländern wie Bulgarien, Italien, Frankreich, Montenegro und Georgien umgesetzt wurde.
Die Kraft der Bilder
Die Aufnahmen zeigen Väter und Söhne in innigen Momenten, die oft im Alltag übersehen werden. Poshtarovs Fotos aus den Jahren 2022 bis 2025, darunter Aufnahmen aus Batak (Bulgarien), Passy (Frankreich) und Gori (Georgien), fangen die Zärtlichkeit und Verbundenheit ein. Sie erinnern daran, wie wertvoll diese scheinbar kleinen Gesten sind. Das Projekt ist ein Plädoyer für mehr Achtsamkeit in Familienbeziehungen und gegen das allzu schnelle Loslassen.
Die Bilder berühren und regen zum Nachdenken an: Wann haben Sie zuletzt die Hand Ihres Vaters gehalten? Poshtarovs Arbeit zeigt, dass es nie zu spät ist, diese Geste wiederzuentdecken – sei es im Bild oder im echten Leben.



