Fotograf Rolf Nobel zeigt vergessene Welt der Arbeiter des Meeres in Schwerin
Fotograf zeigt vergessene Welt der Arbeiter des Meeres

Fotograf Rolf Nobel zeigt vergessene Welt der Arbeiter des Meeres in Schwerin

Nach einem erfolgreichen Fischzug kehrt der Pferdefischer Günther Vanbleu gemeinsam mit einem Kollegen an den belgischen Nordseestrand zurück, um die schweren Netze zu entleeren. Diese traditionelle Methode des Garnelenfangs mit Arbeitspferden wird an dieser Küste bereits seit mehr als fünf Jahrhunderten praktiziert. Die eindrucksvolle Aufnahme stammt von Rolf Nobel, dessen fotografisches Lebenswerk nun im Kulturforum Schwerin zu sehen ist.

Eine Lebensaufgabe in Bildern

Wenn Rolf Nobel über seine Serie „Arbeiter des Meeres“ spricht, beschreibt er weit mehr als ein bloßes Fotoprojekt. Es handelt sich um eine echte Lebensaufgabe, der sich der Hannoveraner Fotograf seit über drei Jahrzehnten widmet. In dieser Zeit hat er unzählige Menschen begleitet, deren tägliche Existenz von Wind, Salz und permanenter Unsicherheit geprägt ist. Die Ausstellung, die am Sonntag, dem 8. März 2026, um 11.30 Uhr eröffnet wird, präsentiert mehr als 100 ausgewählte Fotografien. Zur Einführung wird Nobel persönlich anwesend sein.

Der Fotograf bezeichnet dieses Projekt als seine „Herzensangelegenheit“ – eine intensive Spurensuche nach einem Berufsstand, der in vielen Regionen der Welt langsam verschwindet. Fischer, Seetangsammler, Krabbenfänger und Leuchtturmwärter haben über Jahrhunderte hinweg die Küstenlandschaften und -kulturen geprägt. Ihre mühevolle Arbeit ernährt Millionen von Menschen weltweit; etwa zwanzig Prozent des globalen Eiweißbedarfs stammen aus dem Meer. Doch der Klimawandel, zunehmende Verschmutzung und die industrialisierte Fischerei haben die Bedingungen dramatisch verändert. Für viele ist es heute unmöglich geworden, von dieser traditionellen Arbeit noch zu leben. Was einst die Existenzgrundlage ganzer Gemeinden bildete, ist heute oft nur noch Nebenerwerb oder wird aus Familientradition weitergeführt.

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Fernweh und fotografische Reisen

Die tiefe Verbindung zur maritimen Welt begann für Rolf Nobel bereits in seiner Kindheit. Sein Vater arbeitete Anfang der 1960er Jahre als Schauermann im Hamburger Hafen und brachte exotische Streichholzschachteln sowie spannende Geschichten von Schiffen und fernen Ländern mit nach Hause. Diese Erzählungen weckten früh das Fernweh des jungen Nobel. Während seines Fotografiestudiums in Hamburg begann er dann, die Welt systematisch mit der Kamera zu erkunden.

Seine fotografischen Reisen führten ihn auf vier Kontinente: Er porträtierte Lichtfischer auf Borneo, dokumentierte Seetangsammler in Schottland, begleitete Schwertfischjäger in Italien, fotografierte Riesenkrabbenfischer jenseits des Polarkreises und Küstenfischer im Senegal. Selbst auf Rügen hielt er die schwierige Situation der Heringsfischer fest. Seine Bilder sind ein einzigartiges Zeugnis einer Arbeitswelt, die zunehmend im Verschwinden begriffen ist.

Auszeichnungen und Veröffentlichungen

Bekannt wurde Rolf Nobel durch seine Reportagen für renommierte Magazine wie stern, Geo, das ZEITmagazin, das SZmagazin, Brigitte und mare. Im Jahr 2000 wurde er zum Professor für Fotografie berufen – zunächst in Hamburg, später an der Fachhochschule Hannover. Dort initiierte er das LUMIX Festival für jungen Fotojournalismus und gründete die Fotogalerie GAF. 2016 erhielt er den Dr.-Erich-Salomon-Preis, eine der höchsten Auszeichnungen für Fotojournalisten in Deutschland.

Der Bildband „Arbeiter des Meeres“, der bereits 1995 im Verlag Bildperlen erschien und 320 Seiten umfasst, zeigt die Perlen seines fotografischen Schaffens. Die aktuelle Ausstellung in Schwerin präsentiert eine sorgfältige Auswahl daraus und wird anschließend an weiteren Orten im In- und Ausland gezeigt. Nobels Fotografien geben den „Arbeitern des Meeres“ nicht nur ein Gesicht, sondern bewahren auch die Erinnerung an eine Welt, die vielerorts bereits verloren geht.

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Ausstellungsdetails und Begleitprogramm

Die Ausstellung ist vom 8. März bis zum 25. Mai 2026 im Schleswig-Holstein-Haus in Schwerin zu besichtigen. Geöffnet ist die Schau von Dienstag bis Sonntag jeweils von 11 bis 18 Uhr. Ein besonderes Highlight ist das begleitende Literaturprogramm: Jeden Dienstag finden vor Ort Lesungen zum Thema Meer statt. Margrit Wischnewski präsentiert und bespricht dabei literarische Schätze rund um das maritime Leben. Die Lesungen beginnen jeweils um 18.30 Uhr und bieten eine vertiefende Auseinandersetzung mit der Thematik der Ausstellung.