Leica Leitzphone im Test: Die Kunst des Fotografierens neu erleben
Ein physischer Objektiv-Drehring wie bei professionellen Kameras, eine beeindruckende Auflösung von 200 Megapixeln und digitale Filter, die legendäre Leica-Looks nachbilden. Das Leica Leitzphone verspricht, das Beste aus zwei Welten zu vereinen: die deutsche Design-Präzision des renommierten Kameraherstellers aus München und Wetzlar mit der Hardware-Expertise des chinesischen Hightech-Konzerns Xiaomi. Doch rechtfertigt dieses luxuriöse Gesamtpaket den stolzen Preis von knapp 2.000 Euro? Ein ausführlicher Test gibt Aufschluss.
Ein unvergleichliches Auspackerlebnis und herausragende Haptik
Schon beim Auspacken wird deutlich, dass Leica hier mehr als nur ein Smartphone verkaufen möchte. Das Set umfasst neben dem Leitzphone eine hochwertige Schutzhülle mit Metallring, eine rote Handschlaufe und einen massiven Objektivdeckel aus Metall. Das Smartphone selbst besticht durch einen kantigen, geriffelten Aluminiumrahmen, der haptisch an das klassische Design des iPhone 5 erinnert. Die Rückseite ist mit einer griffigen Polyacryl-Struktur überzogen, die sich eher nach Leder als nach Glas anfühlt und für einen edlen Griff sorgt.
Der Drehring: Ein haptisches Highlight für Profi-Fotografen
Das markanteste Merkmal ist jedoch der physische, kugelgelagerte Kameraring um das massive Objektivmodul. Er lässt sich drehen, um Zoom, Fokus, Belichtung oder Weißabgleich manuell zu steuern – ein haptisches Erlebnis, das man bei anderen Smartphone-Herstellern wie Apple oder Samsung vergeblich sucht. Gekrönt wird dieses Design-Meisterwerk durch den legendären roten Leica-Punkt, der für Qualität und Tradition steht.
Spitzentechnologie unter der edlen Hülle
Unter der edlen Hülle steckt die Speerspitze aktueller Mobiltechnologie, basierend auf dem Xiaomi 17 Ultra. Als Hauptprozessor werkelt der Snapdragon 8 Elite Gen 5 und sorgt für eine brachiale Leistung, die die meisten Anwender wohl kaum ausschöpfen können. Auch beim Display spielen Leica und Xiaomi in der Champions League: Ein 6,9 Zoll großes OLED-Panel bietet eine Spitzenhelligkeit von 3.500 Nits, sodass selbst bei direkter Sonneneinstrahlung alles perfekt ablesbar bleibt. Der Akku mit satten 6.800 mAh erreichte im Test eine überragende Laufzeit von über 22 Stunden.
Die Kamera: Ein technologisches Wunderwerk
Für die meisten Anwender eines Smartphones von Leica kommt es aber auf die Kamera an. Diese verfügt über einen für Smartphone-Verhältnisse riesigen Ein-Zoll-Sensor mit einer innovativen Technologie namens LOFIC (Lateral Overflow Integration Capacitor). Man kann sich die LOFIC-Technik wie kleine Eimer vorstellen, die Licht sammeln: Normalerweise laufen diese bei hellem Sonnenschein schnell über, was zu überstrahlten Bildern führt. Der neue Sensor hat jedoch ein eingebautes Auffangbecken für überschüssiges Licht, sodass die Kamera deutlich länger belichten kann. Das Ergebnis sind extrem klare Fotos mit weniger Bildfehlern und hervorragender Detailtreue.
Optischer Zoom und exklusive Software-Funktionen
Beim Zoom setzt Leica auf einen cleveren Trick: Da das Smartphone zu dünn für ein langes Objektiv ist, liegen die Linsen wie bei einem Periskop im U-Boot flach im Gehäuse. Sie bewegen sich auf einer Schiene hin und her, um das Bild optisch zu vergrößern, ohne dass die Qualität leidet. Mit satten 200 Megapixeln bleiben die Aufnahmen dabei knackscharf. Die übrigen Kameras für Panorama-Aufnahmen arbeiten ebenfalls auf höchstem Niveau und mit 50 Megapixeln Auflösung sehr detailliert. An Foto-Enthusiasten richten sich auch die exklusiven Software-Funktionen wie die „Leica Looks“, die die Abbildungscharakteristik berühmter Objektive digital präzise als Filter nachbilden. Sogar die Blende lässt sich virtuell von f/1.2 bis f/8 verstellen, was zu einer besonders starken Hintergrundunschärfe führt.
Simulation legendärer Kameragenerationen
Das neue Leitzphone simuliert nicht nur legendäre Objektive, sondern ganze Kameragenerationen: So liefert der M3-Modus eine Hommage an die berühmte Schwarz-Weiß-Fotografie von Leica, bei der Graustufen und Kontraste so berechnet werden, dass sie wie ein klassischer Schwarz-Weiß-Film wirken. Im M9-Modus wird die Leica M9 aus dem Jahr 2009 imitiert, mit ihrem speziellen Sensor, den viele Fotografen heute noch für seine einzigartige Farbwiedergabe lieben. Das Smartphone imitiert diesen speziellen Farbstich und den Dynamikumfang dieser Kamera-Legende.
Software-Oberfläche und Preis als kleine Kritikpunkte
Als kleinen Stilbruch haben wir die Softwareoberfläche des Leitzphones empfunden. Auf dem Smartphone ist HyperOS 3 von Xiaomi installiert. Leica versucht zwar mit eigenen Widgets und monochromen App-Icons einen edlen Look zu generieren, doch sobald man andere Android-Apps installiert, bricht das bunte Design von Xiaomis Android-Betriebssystem wieder hervor. Der größte Knackpunkt ist jedoch der Preis: Mit einer unverbindlichen Preisempfehlung von 1.999 Euro verlangt Leica einen Aufpreis von rund 300 Euro gegenüber dem fast baugleichen Xiaomi 17 Ultra. Den Drehring für die Kamera sowie die verschiedenen Filter- und Simulations-Funktionen der Kamera-App gibt es allerdings bei Leica exklusiv.
Fazit: Ein Statement für Foto-Enthusiasten
Das Leica Leitzphone ist kein Vernunftkauf, sondern ein Statement für Enthusiasten, die das Fotografieren zelebrieren wollen. Jene können sich auf eine herausragende Bildqualität, die einzigartige Haptik durch den Objektiv-Drehring sowie die exklusiven Leica-Simulationen und eine enorme Akkulaufzeit freuen. Wer also das nötige Kleingeld besitzt und den Leica-Look liebt, bekommt hier eines der aktuell besten Foto-Smartphones auf dem Markt. Alle anderen fahren mit dem Standard-Modell Xiaomi 17 Ultra rational gesehen besser, doch für echte Foto-Fans ist das Leitzphone ein unvergleichliches Erlebnis.



