Nach dem letzten Akkord und dem langen Applaus hatte Ilke Zschach erst einmal nur ein Wort für die Darbietungen im Pasewalker Kulturforum am „Stadt.Land.Klassik!“-Abend: „Perfekt“, sagte die Frau, die mit ihrer Partnerin Ulrike aus Klosterfelde bei Templin nach Pasewalk gekommen war. Sie sei kein ausgesprochener Klassik-Fan. „Das muss man auch nicht sein. Das Konzert hat uns wirklich sehr gut gefallen“, so Ilke Zschach, die mit ihrer Partnerin seit vier Jahren in der Uckermark lebt. In Berlin, ihrem vorherigen Wohnort, gebe es auch viele Kulturangebote. Hier, „auf dem Lande“, sei aber alles etwas entspannter, einfach zu genießen. Pasewalk sei jedenfalls für sie gut zu erreichen. So wie von den Klosterfelderinnen gab es an diesem Abend von vielen Seiten Lob für das Konzert, das rund 300 Gäste im Kulturforum besuchten.
Programm mit Beethoven, Rossini und Schumacher
Das Orchester, 2017 gegründet, besteht aus jungen Musikern, die im Jahr um die 60 Konzerte spielen. Aufgeführt hatte die Neue Philharmonie MV unter Leitung von Dirigent Andreas Schulz die Sinfonie Nummer 6 von Ludwig von Beethoven und Gioachino Rossinis Wilhelm-Tell-Ouvertüre. Auf dem Programm stand im Mittelblock auch das Konzert für Bratsche und Orchester von Lutz Schumacher, dem Geschäftsführer der Nordkurier-Mediengruppe, zu der auch die Schweriner Volkszeitung gehört. Bei dem Bratschen-Konzert trat die gebürtige Spanierin Luz Elisabeth Sánchez als Solo-Bratschistin auf. Klassik-Fan Lutz Schumacher führte als Moderator durch die Veranstaltung und hatte zu jedem Werk interessante Details parat.
Begeisterte Zuschauer aus der Region
„Ich war mir nicht sicher, was die Zuschauer bei dem Bratschen-Konzert erwartet“, räumte Käthe Prignitz aus Penkun ein. Doch dann sei sie angenehm überrascht gewesen von der Aufführung des Schumacher-Werkes. Sie sei eher Liebhaberin alter Klassik-Werke, umso mehr habe ihr das Stück gefallen. Die Klassik-Konzerte der Nordkurier-Reihe besuche sie regelmäßig, sagte die Penkunerin. Regelmäßige Konzertgänger sind auch Gerhard und Bianca Blüthgen aus Pasewalk, die sich das jüngste Konzert nicht entgehen ließen.
Zu den ältesten Besuchern im Kulturforum dürfte die 96-jährige Hertha Borchardt aus Strasburg gehört haben, die mit Tochter Thea Wasserstrahl und ihrer Bekannten Doris Geske nach Pasewalk gekommen war. „Haben Sie den Donner in dem einen Stück gehört, und dann die kleinen Vögelchen?“, fragte die rüstige Seniorin. Bei der Musik könne man schön zur Ruhe kommen, die Qualität sei hervorragend, fügte Doris Geske hinzu. Schön seien auch die jeweiligen Einführungen zu den Stücken durch Moderator Lutz Schumacher, sagte sie. Regelmäßig besuche sie auch Konzerte in der Neubrandenburger Konzertkirche. Einen Vergleich müsse Pasewalk nicht scheuen.
Konzert vor der Haustür
In der ersten Reihe vor dem Orchester hatte rechtzeitig vor Konzert-Beginn Sabine Westphal aus Eggesin Platz genommen. „Hier kann man die Musiker und den Dirigenten bestens beobachten“, sagte die ehemalige Allgemeinmedizinerin. Was die jungen Leute vom Orchester darböten, sei ein Genuss. Das Konzert finde ja quasi vor der Haustür statt. „Ich finde es auch gut, dass es an einem Wochentag ist. Da hat man manchmal mehr Zeit als an einem Wochenende.“ In Sachen Kultur sei in der Region einiges los, auch wenn des Öfteren das Gegenteil behauptet werde.
Bürgermeister: Konzert passt ins Jubiläumsjahr
Das Klassik-Konzert passe bestens ins 775. Jubiläumsjahr Pasewalks, fand Bürgermeister Danny Rodewald (parteilos). Schließlich habe der Komponist Beethoven zur gleichen Zeit gelebt wie Luise von Mecklenburg-Strelitz, die einstige Regimentschefin der Pasewalker Kürassiere. „Königin Luise gehört zu unserer Geschichte - und damit auch die Musik aus dieser Zeit“, erklärte Rodewald. Auch ohne Klassik-Fan zu sein, könne man sich solche Konzerte anhören und genießen. Die Musik gebe den Zuhörern Kraft und Energie.
Dank an Unterstützer und Ausblick
Nordkurier-Geschäftsführer Lutz Schumacher erinnerte daran, dass die Klassik-Reihe einst in Pasewalk begründet wurde und die neue Philharmonie seitdem Stammgast in der Stadt ist. „Damit wollen wir auch nicht aufhören“, betonte er. Dankbar sei er den Unterstützern der Konzerte, wozu der Vorpommern-Fonds der Landesregierung ebenso gehört wie der Landkreis und Privatpersonen. Zu Letzteren zählt Schumacher zufolge seit Langem Stephan Schröder, ein Unternehmer aus Neu Kosenow bei Anklam. Dieser hatte als Förderer einen kleinen Gastauftritt an der Triangel im Orchester. Lutz Schumacher kündigte an, dass die Klassik-Reihe im Sommer oder Herbst in die nächste Runde gehen und dann auch wieder Station in Pasewalk machen werde.



