Heimat, Höfe, Dorfgeschichte(n): Bewegender Film über Unterrißdorf
Film über Unterrißdorf: Heimat, Höfe, Dorfgeschichten

Protagonisten kommen zu Wort: Emotional und nah dran – diese Geschichten machen den Film über Unterrißdorf so bewegend. Ein Dorf und seine Geschichte als Film: Mit „Heimat, Höfe, Dorfgeschichte(n)“ hat Filmemacher Robert Wahl Unterrißdorf im Landkreis Mansfeld-Südharz ein filmisches Denkmal gesetzt. Wie die Protagonisten den Film sehen und welche Geschichte sie zu erzählen haben, zeigt dieser Beitrag.

Von Kathrin Labitzke, 13.05.2026, 09:30 Uhr

Eberhard Dittmar aus Unterrißdorf schaute sich nicht nur den Film „Heimat, Höfe, Dorfgeschichte(n)“ an, er erzählt auch im Film seine bewegende Geschichte. Foto: Kathrin Labitzke

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Ein Film als Zeitkapsel

Unterrißdorf/MZ. – Gisela Reimann erinnert sich an ihren Großvater. Während des Zweiten Weltkrieges arbeitete er als Standesbeamter in Unterrißdorf und vollzog sogenannte Ferntrauungen. Ihre Geschichte ist ein Teil der Dorfgeschichte – und auch Teil des Dokumentarfilms „Heimat, Höfe, Dorfgeschichte(n)“. In genau dem Zimmer, in dem sie ihr Interview gab, saß einst eine Braut neben einem Stahlhelm – weil ihr Mann an der Front in Russland kämpfte. Diese authentische Kulisse verleiht dem Film eine besondere Tiefe und macht die Vergangenheit greifbar.

Persönliche Erinnerungen als Fundament

Der Film von Robert Wahl basiert auf zahlreichen Interviews mit Bewohnern Unterrißdorfs. Jeder Protagonist bringt seine eigene Perspektive ein, sodass ein vielschichtiges Bild des Dorflebens entsteht. Eberhard Dittmar etwa berichtet von seinen Kindheitserinnerungen und den Veränderungen, die er im Laufe der Jahrzehnte miterlebt hat. Seine Erzählungen sind geprägt von einer tiefen Verbundenheit zur Heimat und einer Offenheit, die den Zuschauer unmittelbar berührt.

Ferntrauungen: Ein fast vergessenes Kapitel

Besonders eindrücklich ist die Episode über die Ferntrauungen, die Gisela Reimann schildert. Ihr Großvater als Standesbeamter musste Ehen schließen, bei denen der Bräutigam nicht persönlich anwesend sein konnte – ein Relikt der Kriegszeit. Diese Geschichten sind nicht nur historisch wertvoll, sondern zeigen auch den menschlichen Umgang mit den Härten des Krieges. Der Film bewahrt diese Erinnerungen für zukünftige Generationen und gibt den Protagonisten eine Stimme, die über das rein Faktische hinausgeht.

Warum der Film so bewegend ist

„Heimat, Höfe, Dorfgeschichte(n)“ verzichtet auf eine distanzierte Erzählhaltung. Stattdessen lässt Robert Wahl die Menschen selbst zu Wort kommen. Dadurch entsteht eine emotionale Nähe, die den Zuschauer in den Bann zieht. Die Kombination aus persönlichen Anekdoten, historischen Aufnahmen und der besonderen Atmosphäre der Drehorte macht den Film zu einem einzigartigen Dokument der Regionalgeschichte. Er ist mehr als nur ein Film – er ist ein lebendiges Archiv der Erinnerungen.

Wer Unterrißdorf verstehen will, kommt an diesem Werk nicht vorbei. Es ist eine Hommage an die Menschen und ihre Geschichten, die das Dorf geprägt haben. Der Film lädt dazu ein, sich auf eine Zeitreise zu begeben und die Vergangenheit aus nächster Nähe zu erleben.

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