Historische Münze entdeckt: Treptower Witten belegt Altentreptows mittelalterliche Münzstätte
Treptower Witten: Historische Münze belegt Altentreptows Münzstätte

Historische Münze belegt Altentreptows mittelalterliche Münzstätte

Bei umfangreichen Recherchen in historischen Archiven stieß Prof. Dr. Wolfgang Höhne auf faszinierende Hinweise, die eine bisher wenig bekannte Facette der Regionalgeschichte beleuchten. Demnach verfügte die Stadt Treptow an der Tollense, der historische Name von Altentreptow, bereits um das Jahr 1400 über eine eigene Münzstätte. Diese Erkenntnis gewann durch den Erwerb eines originalen Treptower Witten durch den Treptower Kultur- und Heimatverein eine greifbare Dimension.

Zufallsfund bei Internetrecherche führt zu seltener Entdeckung

Obwohl der Heimatverein in seinen Ausstellungsräumen in der ehemaligen Roten Schule bereits vier Nachbildungen dieser historischen Münze präsentiert, war dem Professor die konkrete Existenz eines originalen Treptower Witten bislang unbekannt. „Ich führte eine Internetrecherche durch und stieß dabei auf den Treptower Witten“, berichtet Wolfgang Höhne. „Die Prägeanstalt soll sich im Amtshof befunden haben, genau an dem Ort, wo heute der Kindergarten NaturTalente der Arbeiterwohlfahrt steht.“

Der Witten stellt eine besondere Form des norddeutschen Weißpfennigs dar – eine bis zu 1,3 Gramm schwere Silbermünze mit einem Wert von vier Pfennigen. Diese Münze wurde von den Hansestädten im Jahr 1340 eingeführt und bis 1410 als Hauptwährung des Wendischen Münzvereins geprägt. „Durch meine Recherchen entdeckte ich den renommierten Münzhändler Dr. André Hansen im hessischen Neuhof bei Fulda“, erklärt Höhne weiter. „Er bot einen originalen Treptower Witten an, den unser Verein für 200 Euro erwerben konnte.“

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Historische Einordnung und regionale Bedeutung

Die Münze trägt neben der Aufschrift Trebet(owe) auch die Bezeichnung DVC Stet, was auf das Herzogtum Pommern-Stettin verweist. Bis zum Jahr 1478 gehörte Treptow an der Tollense zu diesem Herrschaftsbereich. Interessanterweise existierte mit Treptow an der Rega eine weitere Siedlung gleichen Namens, die aufgrund von Erbstreitigkeiten zum Herzogtum Pommern-Wolgast zählte. Erst als die Stettiner Linie 1478 ausstarb, vereinten sich beide Gebiete wieder unter der Herrschaft des Herzogtums Pommern.

„Nach Herzog Joachim I., der bis 1451 regierte, erfolgten von den Pommern-Stettiner Herzögen keine weiteren Münzprägungen mit konkreten Ortsangaben“, erläutert Wolfgang Höhne die historische Bedeutung. „Daher lässt sich eindeutig belegen, dass diese Münze tatsächlich in Treptow an der Tollense geprägt wurde. Es gab sowohl städtische als auch herzogliche Münzprägungen – bei unserem Exemplar handelt es sich eindeutig um eine herzogliche Prägung.“

Seltenheit mit wirtschaftsgeschichtlicher Relevanz

Laut dem Münzexperten Dr. André Hansen sind pommersche Witten zwar relativ verbreitet, trotz ihres Alters von etwa 600 Jahren. „Der Witten diente als Münze des täglichen Bedarfs und wurde vorwiegend in bedeutenden Handelsstädten wie Hamburg, Lübeck, Lüneburg, Rostock, Stralsund und Wismar geprägt“, erklärt Hansen. „Im Vergleich dazu stellt der Treptower Witten eine echte Rarität dar.“

Zur Entstehungszeit der Münze gehörte das Herzogtum Pommern zum Heiligen Römischen Reich, das damals noch nicht den Zusatz „Deutscher Nation“ trug. Dieser wurde erst im 15. Jahrhundert hinzugefügt. „Durch die zunehmende Handelsaktivität entwickelte sich der Witten als Mehrfachpfennig“, analysiert Hansen die wirtschaftshistorische Bedeutung. „Zuvor existierten lediglich einfache Pfennige. Den speziellen Treptower Witten, den der Kulturverein erworben hat, ersteigerte ich zuvor auf einer Münzauktion in der Nähe von Bielefeld.“

Freude beim Kulturverein und historische Details

Prof. Dr. Wolfgang Höhne und Detlef Klage, der Vorsitzende des Treptower Kultur- und Heimatvereins, präsentieren den historischen Schatz nun stolz in den Räumlichkeiten des Vereins in der Roten Schule. Für Klage spiegelt dieser Treptower Witten nicht nur ein Stück Regionalgeschichte wider, sondern zeigt auch interessante Details der damaligen Münzpraxis.

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„Diese Münze ist nicht vollkommen rund“, weist Klage auf ein charakteristisches Merkmal hin. „In betrügerischer Absicht wurde damals Silber vom Rand solcher Münzen abgeschnitten und gesammelt. Der später häufig zu findende gerändelte Münzrand stellt eine Gegenmaßnahme dar, um diesen Betrug zu verhindern.“

Die Entdeckung und der Erwerb des Treptower Witten bereichern nicht nur die Sammlung des Heimatvereins, sondern werfen ein neues Licht auf die wirtschaftliche Bedeutung Altentreptows im späten Mittelalter. Die kleine Silbermünze erzählt damit eine große Geschichte regionaler Handelsbeziehungen und herzoglicher Prägetätigkeit in Pommern.