Russlands Justiz setzt Prozess gegen Düsseldorfer Karnevalisten Jacques Tilly fort
Prozess gegen Karnevalisten Tilly in Moskau geht weiter

Russlands Justiz setzt Prozess gegen Düsseldorfer Karnevalisten Jacques Tilly fort

Die russische Justiz hat für heute einen neuen Prozesstermin im umstrittenen Strafverfahren gegen den deutschen Bildhauer und Karnevalisten Jacques Tilly angesetzt. Der Prozess findet in Abwesenheit des Angeklagten statt, der bis heute nicht offiziell über das Verfahren informiert wurde. Richter Konstantin Otschirow hatte bereits im Januar die Anklage verlesen lassen, musste die Verhandlung jedoch wegen fehlender Zeugen unterbrechen.

Anklagepunkte und mögliche Strafen

Jacques Tilly muss sich laut Gericht wegen Verunglimpfung der russischen Staatsorgane verantworten, was sowohl die russische Armee als auch Präsident Wladimir Putin einschließt. Nach dem entsprechenden russischen Gesetz drohen dafür eine Geldstrafe oder Freiheitsentzug von bis zu zehn Jahren. International stehen solche Urteile als Unrechtsurteile der russischen Willkürjustiz in der Kritik, da bereits viele Kriegsgegner der von Putin befohlenen Invasion der Ukraine nach ähnlichen Anschuldigungen verurteilt wurden.

Bei der Verlesung der Anklage im Januar wurde zudem bekannt, dass sich Tilly auch wegen Verletzung religiöser Gefühle verantworten soll. Anlass ist eine Skulptur, die Patriarch Kirill, das Oberhaupt der russisch-orthodoxen Kirche, kniend mit dem Mund im Genitalbereich einer Putin-Figur zeigt. Laut Anklage wird Tilly vorgeworfen, aus eigennützigen Motiven und politischem Hass falsche Darstellungen über die russische Armee verbreitet zu haben, basierend auf Interviewaussagen des Künstlers.

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Tillys Reaktion und künstlerischer Hintergrund

Jacques Tilly betont, die russische Armee in seinen Werken nie thematisiert zu haben. Er erfuhr von dem Verfahren durch einen Hinweis des Vereins „Freies Russland NRW“. „Humor tut anscheinend doch weh“, kommentierte Tilly das Verfahren und bezeichnete es als lächerlich. „Russland ist ein Mafia-Staat mit einer entsprechenden Gerichtsbarkeit.“ Der Karnevalist kündigte an, bewusst keinen eigenen Anwalt zu entsenden und stattdessen künstlerisch auf das Verfahren zu reagieren.

Tilly ist bekannt für seine bissig-satirischen Mottowagen im Düsseldorfer Rosenmontagszug, deren Motive regelmäßig auf Titelseiten der deutschen und internationalen Presse erscheinen. Viele Russen können die Abbildungen in sozialen Netzwerken sehen. Bereits mehrfach hat Tilly seine Mottowagen Putin gewidmet, darunter:

  • Eine Figur von Putin in Handschellen, die der Bildhauer zum Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag brachte
  • Eine Arbeit, die Putin in einer ukrainischen Wanne – in Blut badend – zeigt
  • Einen aktuellen Wagen mit Blick auf den Moskauer Prozess, der Putin in Uniform darstellt, wie er die Düsseldorfer Karnevalsfigur Hoppeditz mit einem Schwert aufspießt

Diplomaten der deutschen Botschaft in Moskau beobachten das Verfahren mit Tillys Zustimmung, während unklar bleibt, wann ein Urteil gesprochen wird. Die Zeugen, deren Fehlen zur Unterbrechung führte, werden nun erwartet, um den Prozess fortzusetzen.

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