André Kaczmarczyk: Vom Theater zur TV-Ikone als genderfluider Polizeiruf-Kommissar
Ein TV-Kommissar, der mit traditionellen Rollenbildern bricht und dem deutschen Krimi eine völlig neue Facette verleiht: Als Vincent Ross im „Polizeiruf 110“ hat André Kaczmarczyk nicht nur eine beeindruckende schauspielerische Leistung geboten, sondern auch gesellschaftlichen Fortschritt im Fernsehen markiert. Doch der Weg dorthin begann weit entfernt von den Fernsehkameras – auf den Theaterbühnen Deutschlands, wo der Schauspieler jahrelang Erfahrung sammelte.
Frühe Jahre und künstlerische Grundlagen
André Kaczmarczyk wurde am 11. März 1986 in Suhl geboren und wuchs in Eisenach auf. Schon früh entdeckte er seine Leidenschaft für Theater und Musik. Am Elisabeth-Gymnasium mit musisch-künstlerischem Schwerpunkt legte er den Grundstein für seine künstlerische Laufbahn und sammelte bereits während der Schulzeit erste Bühnenerfahrungen, etwa als junger Martin Luther auf der Eisenacher Freilichtbühne.
Theaterkarriere: Von Potsdam bis Dresden
Nach dem Abitur zog es Kaczmarczyk zunächst an das Hans-Otto-Theater in Potsdam, wo er ein Freiwilliges Soziales Jahr absolvierte. Dieser Schritt hinter die Kulissen zahlte sich aus: 2004 begann er seine professionelle Karriere am Landestheater Eisenach, bevor er 2005 fest ins Ensemble des Potsdamer Theaters wechselte.
Parallel dazu studierte er an der renommierten Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ in Berlin. Schon während des Studiums stand er regelmäßig auf der Bühne des Studiotheaters. 2008 folgte ein erster Höhepunkt: Kaczmarczyk spielte in „Hamlet“ am Maxim-Gorki-Theater in Berlin. Engagements am Volkstheater Rostock und an der Schaubühne am Lehniner Platz schlossen sich an, bevor er am Staatsschauspiel Dresden Teil des Ensembles wurde.
Bis 2016 prägte er dort zahlreiche Inszenierungen, unter anderem als Titelheld in „Dantons Tod“. Auch in Produktionen wie „Der Idiot“, „Fellinis Schiff der Träume“ und „Tschick“ überzeugte er das Publikum. Von 2016 bis 2022 gehörte Kaczmarczyk zum Ensemble des Düsseldorfer Schauspielhauses und war dort unter anderem in „Macbeth“ und „Richard III.“ zu sehen. Seit 2022 arbeitet er wieder als freischaffender Schauspieler.
Fernsehkarriere und der Durchbruch beim Polizeiruf 110
Auch im Fernsehen ist Kaczmarczyk längst angekommen: Seit 2010 übernimmt er Rollen in TV-Produktionen. Sein Filmdebüt gab er 2010 im Kurzfilm „Genau Gleich“. Größere Aufmerksamkeit erlangte er 2015 mit seiner Rolle als Heiko „Ralle“ Rallburg in der Serie „In aller Freundschaft“. In der ZDF-Krimiserie „Die Chefin“ folgte schließlich seine erste Film-Hauptrolle als Anton Berger.
Ein besonderer Meilenstein: Seit Januar 2022 ermittelt Kaczmarczyk als Vincent Ross im „Polizeiruf 110“. Die Figur gilt als erster genderfluider Kommissar der traditionsreichen Reihe und markiert damit einen bedeutenden gesellschaftlichen Fortschritt im deutschen Fernsehen. Er trat die Nachfolge von Kommissarin Lenski (gespielt von Maria Simon) an.
Auszeichnungen und musikalische Projekte
Sein Talent blieb nicht unbemerkt: Bereits 2003 wurde der Schauspieler in Eisenach mit dem Jugendkulturpreis ausgezeichnet. 2018 erhielt er den Förderpreis für Darstellende Kunst der Landeshauptstadt Düsseldorf. Ein weiterer Höhepunkt folgte 2022: Für seine Leistung im „Polizeiruf 110“ wurde er beim Deutschen Fernsehkrimi-Festival gemeinsam mit Lucas Gregorowicz als Teil des besten Ermittlerduos geehrt.
Neben seiner Schauspielkarriere ist Kaczmarczyk auch als Musiker aktiv. Er entwickelt eigene musikalische Projekte, die häufig als szenische Installationen auf Theaterbühnen umgesetzt werden.
Privatleben und aktuelle Projekte
Der Schauspieler hält sein Privatleben konsequent aus der Öffentlichkeit heraus. Ob er verheiratet ist oder Kinder hat, ist nicht bekannt. Kaczmarczyk lebt in Düsseldorf und arbeitet weiterhin an verschiedenen Theater- und Fernsehprojekten.
Auswahl seiner TV-Auftritte
- „Der Sandmann“, 2012
- „In aller Freundschaft – Die jungen Ärzte“, 2015
- „München Mord: Wo bist Du, Feigling?“, 2016
- „Die Chefin“, 2018
- „Polizeiruf 110: Hildes Erbe“, 2022
- „Polizeiruf 110: Abgrund“, 2022
- „Polizeiruf 110: Cottbus Kopflos“, 2023
- „Polizeiruf 110: Wasserwege“, 2024
- „Polizeiruf 110: Spiel gegen den Ball“, 2025
- „SOKO Köln“, 2025
Wichtige Theaterproduktionen
- „Luther“, 2005, Eisenacher Freiluftbühne
- „David Salz“, 2006, Hans-Otto-Theater, Potsdam
- „Hamlet“, 2008, Maxim-Gorki-Theater, Berlin
- „Orfeo – Love will tear us apart“, 2010, Kunstfestspiele Herrenhausen, Hannover
- „Berlin Alexanderplatz“, 2010, Schaubühne am Lehniner Platz, Berlin
- „Der Kaufmann von Venedig“, 2011, Staatsschauspiel Dresden
- „Geschichten aus dem Wiener Wald“, 2013, Staatsschauspiel Dresden
- „Tschick“, 2015, Staatsschauspiel Dresden
- „Macbeth“, 2021, Düsseldorfer Schauspielhaus



