Fast vergessenes DEFA-Juwel: 'Die Schlüssel' mit Jutta Hoffmann und Jaecki Schwarz
Fast vergessenes DEFA-Juwel: 'Die Schlüssel'

Ein fast vergessener DEFA-Film: 'Die Schlüssel' und seine bewegte Geschichte

Der DEFA-Film 'Die Schlüssel' aus den frühen 1970er-Jahren ist heute nur noch Insidern bekannt. Mit Jutta Hoffmann und Jaecki Schwarz in den Hauptrollen erzählt er eine Liebesgeschichte vor dem Hintergrund des deutsch-polnischen Verhältnisses. Doch das Werk von Regisseur Egon Günther hatte einen schweren Stand: Es wurde nie im DDR-Fernsehen gezeigt und fiel der Zensur in beiden Ostblock-Staaten zum Opfer.

Zensur in der DDR und Polen

Wie der Filmwissenschaftler Philipp Zengel von der DEFA-Stiftung recherchiert hat, geriet der Film nicht nur bei ostdeutschen Prüfern in die Mühlen der Zensur, sondern auch bei polnischen Kulturpolitikern. Nach dem Abschluss der Dreharbeiten im Jahr 1972 dauerte es eineinhalb Jahre, bis 'Die Schlüssel' am 21. Februar 1974 im Berliner Kino International Premiere feierte. Die polnischen Funktionäre kritisierten die Rohfassung als 'politisch und philosophisch falsch', was zu erheblichen Kürzungen führte.

Herausgeschnitten wurden unter anderem:

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  • Eine Sequenz an der Krakauer Marienkirche mit dem polnischen Bischof Stefan Wyszyński.
  • Aufnahmen eines Konzerts des umstrittenen Rockstars Czesław Niemen.
  • Eine Szene, in der die Figur Klaus vor eine Gedenktafel für im Zweiten Weltkrieg ermordete Polen gezerrt wird.

Die Handlung und ihre Protagonisten

Im Film spielen Jutta Hoffmann als Ric, eine lebenslustige Arbeiterin aus einem Glühlampenwerk, und Jaecki Schwarz als Klaus, ein vorbildlicher Student. Frisch verliebt brechen sie nach Polen auf, um den DDR-Alltag gegen das 'freiere Polen' einzutauschen. Am Flughafen treffen sie auf ein unbekanntes Ehepaar aus Krakau, das ihnen die Schlüssel zu seiner Wohnung anvertraut. Das Drehbuch stammt von Helga Schütz, der damaligen Lebensgefährtin Günthers.

Günthers Regiestil war für die damalige Zeit revolutionär: Er setzte auf reale Drehorte, improvisierte Szenen, dynamische Kameraführung und natürliches Licht. Der polnische Filmwissenschaftler Andrzej Gwóźdź bezeichnete das Werk als Paradebeispiel einer Neuen Welle in der DDR-Kinematographie.

Karrieren der Hauptdarsteller

Jutta Hoffmann und Jaecki Schwarz standen zu dieser Zeit am Beginn großer Karrieren. Hoffmann hatte bereits in mehreren DEFA-Filmen mitgewirkt, darunter 'Der Dritte' (1971), während Schwarz in 'Ich war neunzehn' (1968) zu sehen war. Beide hatten vor 'Die Schlüssel' schon in dem Roadmovie 'Weite Straßen – stille Liebe' (1969) gemeinsam vor der Kamera gestanden.

Ein Höhepunkt des Films ist ein Monolog von Jutta Hoffmann zur Gleichberechtigung von Mann und Frau in der DDR, den sie in einer leeren Straßenbahn hält. Sie erinnert sich in einem Zeitzeugengespräch 2013, dass während der Dreharbeiten ein polnischer Straßenbahnfahrer hinzukam, was zu einem spontanen Gespräch führte. Ein Satz des Arbeiters wurde später entfernt: 'In deutscher Gefangenschaft nie gehungert, in russischer Gefangenschaft immer gehungert.'

Nachwirkungen und Verfügbarkeit

Nach der Premiere wurde der Film nur in wenigen Kopien verbreitet, und eine Exportsperre verhinderte Vorführungen im Ausland. Als der visafreie Reiseverkehr zwischen Polen und der DDR gestoppt wurde, durfte 'Die Schlüssel' gar nicht mehr gezeigt werden. Die DDR-Filmkritik äußerte sich skeptisch und vermied eine inhaltliche Auseinandersetzung mit Themen wie dem deutsch-polnischen Verhältnis.

Heute ist der Film in der DEFA-Filmwelt auf YouTube verfügbar. Jutta Hoffmann, die 2017 den Deutschen Schauspielerpreis erhielt, hat sich mittlerweile aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Jaecki Schwarz ist weiterhin aktiv, unter anderem in der Krimiserie 'Ein starkes Team'. Die DEFA-Stiftung hat 'Die Schlüssel' zum DEFA-Film des Monats gekürt, unter anderem anlässlich des 85. Geburtstags von Jutta Hoffmann im März 2026.

Dieser fast vergessene Film bleibt ein Zeugnis der Zensur und der künstlerischen Freiheit in der DDR, das heute neu entdeckt werden kann.

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