Münchner Künstlerin verwandelt Särge in Neon-Kunst: OB-Motiv sorgt für Kontroverse
Sarg mit OB-Motiv: Münchner Neon-Kunst sorgt für Ärger

Münchner Künstlerin verwandelt Särge in grelle Neon-Kunstwerke

Im Herzen des Münchner Glockenbachviertels, verborgen in einem unscheinbaren Hinterhof der Müllerstraße, betreibt die multidisziplinäre Künstlerin Chris Bleicher ihr ungewöhnliches Atelier. Hinter einer schweren Metalltür erstreckt sich ein weitläufiger Keller, in dem sie ihre bunten Schätze aufbewahrt – darunter nicht nur klassische Leinwände, sondern auch Urnen, Tierurnen und sogar Särge, die sie mit kräftigen Neonfarben und LED-Lichtern in einzigartige Kunstobjekte verwandelt.

Von Flugzeugteilen bis zur eigenen Urne: Die Vielfalt der Neon-Kunst

Chris Bleicher bezeichnet sich selbst als Neon-Künstlerin, eine Bezeichnung, die in Südkorea, wo sie ebenfalls bekannt ist, durch den Begriff multidisziplinäre Künstlerin ergänzt wird. Ihre Techniken sind vielfältig und ungewöhnlich: Sie integriert Neonlichter in ihre Malereien, bemalt originale Flugzeugteile und widmet sich besonders intensiv der Gestaltung von Urnen und Särgen. „Ich bin hauptsächlich Neon-Künstlerin“, erklärt sie selbstbewusst. „Das, was ich mache, werden Sie selten finden – an der Vielfalt der Techniken.“

Bereits in den 1990er Jahren fertigte Bleicher ihre eigene Urne an – ein rot bemaltes Gefäß, verziert mit vielen kleinen Totenköpfen und umrankt von einem gelben LED-Lichtband. „Wenn ich meine Urne so anschaue, muss ich schmunzeln und freue mich darauf“, sagt die Künstlerin. Für sie ist der Tod kein bedrückendes Thema, sondern ein natürlicher Teil des Lebens. „Der Tod gehört zum Leben, und ich denke, wenn man sich mal mit der eigenen Endlichkeit befasst hat, ist das Leben viel spannender und wertvoller.“

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Vereins-Särge und eine kontroverse OB-Darstellung

Neben ihrer persönlichen Urne gestaltet Bleicher auch Auftragswerke. Eine dunkelblaue Urne mit einem großen Löwenkopf und weiß-blauen Streifen ist dem TSV 1860 München gewidmet. Einen besonderen Sarg bemalte sie im Auftrag der Städtischen Bestattung für einen jungen Mann mit Glasknochenkrankheit, nachdem sie das schriftliche Einverständnis des Vereins eingeholt hatte. „Seine Eltern haben mir das Einverständnis gebracht“, erinnert sich Bleicher. „Und ich habe das Logo auf den Sarg des Fans gebracht.“

Eine weitere Arbeit im Auftrag der Städtischen Bestattung sollte ursprünglich für den Tag der offenen Tür einen provokativen Sarg darstellen. Bleicher entschied sich dafür, den damaligen Münchner Oberbürgermeister Christian Ude als Engel mit Flügeln darzustellen, ergänzt durch Motive wie rückwärts laufende Uhren und das Münchner Kindl mit einer Sense in der Hand. „Also ein bisschen schräg, sagen wir mal so“, fasst die Künstlerin zusammen. Doch die Darstellung sorgte für Ärger: „Das Thema habe ich getroffen, und alle waren happy – nur der Oberbürgermeister nicht“, sagt Bleicher lachend. Der Sarg durfte letztlich nicht präsentiert werden, ist aber weiterhin auf ihrer Website zu sehen.

Internationale Anerkennung und lokale Verwurzelung

Chris Bleichers Werke haben nicht nur in München, sondern auch international Beachtung gefunden. Sie hat bereits in New York und Mexiko ausgestellt und ist in Südkorea bekannt. Dennoch bleibt sie ihrer Heimatstadt verbunden, wo sie im Glockenbachviertel weiterhin Urnen, Särge und andere Objekte in grelle Neon-Kunst verwandelt. Ihre Philosophie ist klar: „Ich glaube jetzt nicht unbedingt an ein Leben nach dem Tod, aber die Energie geht nicht verloren. Sie geht nur in eine andere Dimension.“ Mit Humor, Leuchtfarben und einer unkonventionellen Herangehensweise rückt sie den Tod ins Licht und zeigt, wie bunt die eigene Endlichkeit sein kann.

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