Strausberg: Annette Binder gewinnt Bürgermeister-Stichwahl trotz Wahlrechtsstreit
Binder gewinnt Stichwahl in Strausberg unter Vorbehalt

Bürgermeister-Stichwahl in Strausberg: Sieg mit rechtlichem Vorbehalt

Die parteilose Lokalpolitikerin Annette Binder hat die nachgeholte Stichwahl um das Bürgermeisteramt in der brandenburgischen Stadt Strausberg gewonnen. Mit einem deutlichen Vorsprung von 60,8 Prozent der Stimmen setzte sie sich gegen den ebenfalls parteilosen Bewerber Patrick Hübner durch, der auf 39,2 Prozent kam. Die Wahlbeteiligung fiel mit nur 36 Prozent jedoch überraschend niedrig aus – ein deutlicher Rückgang gegenüber den fast 47 Prozent bei der letzten Wahl im Jahr 2018.

Rechtsstreit überschattet den Wahlsieg

Der Sieg von Annette Binder steht unter einem erheblichen rechtlichen Vorbehalt. Hintergrund ist ein anhaltender Konflikt um mögliche Wahlmängel und Unregelmäßigkeiten während des ersten Wahlgangs im Februar. Landrat Gernot Schmidt (SPD) hatte die Hauptwahl damals für ungültig erklärt und die Stichwahl gestoppt. Der Verdacht: Das Postfach der Stadt für Wahlbriefe befand sich in einer Postfiliale, die von Kandidat Patrick Hübner betrieben wird, was ihm potenziellen Zugriff auf die Unterlagen ermöglicht haben könnte.

Hübner, der jegliche Manipulationsvorwürfe zurückweist, ging erfolgreich juristisch gegen den Wahlstopp vor, sodass die Stichwahl schließlich zwei Wochen später als ursprünglich geplant durchgeführt wurde. Dennoch hat der Landrat bereits angekündigt, Wahleinspruch gegen das Ergebnis einzulegen. Sollte es zu solchen Einsprüchen kommen, müsste sich das Stadtparlament von Strausberg mit der Angelegenheit befassen, was den endgültigen Amtsantritt von Binder verzögern oder sogar gefährden könnte.

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Die Gewinnerin und ihre Herausforderungen

Annette Binder, Mutter von drei Kindern und seit Jahren als Führungskraft in einer Klinik tätig, äußerte sich nach ihrem Wahlsieg zurückhaltend. Gegenüber dem RBB betonte sie, dass zunächst abgewartet werden müsse, wie sich die angekündigten Wahleinsprüche entwickeln. „Man müsse dazu mit den Stadtverordneten und dem Landrat ins Gespräch gehen“, so die designierte Bürgermeisterin. Ihre Amtszeit wäre regulär auf acht Jahre festgelegt.

Im ersten Wahlgang im Februar hatte noch Patrick Hübner mit 22,5 Prozent knapp vor Annette Binder (21,2 Prozent) gelegen. Die nun niedrige Wahlbeteiligung könnte ein Indiz für die Verunsicherung der Wählerinnen und Wähler angesichts des Wahlrechtsstreits sein. Die Stadt Strausberg mit ihren rund 28.000 Einwohnern im Kreis Märkisch-Oderland steht somit vor einer politisch unsicheren Phase, in der die Legitimität der Wahl weiterhin infrage gestellt werden könnte.

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