Berlinale-Chefin Tricia Tuttle bleibt im Amt – mit strengen Auflagen nach Anti-Israel-Skandal
Die Berlinale-Chefin Tricia Tuttle (56) darf ihren Posten als Intendantin der Berliner Filmfestspiele behalten. Dies entschied der Aufsichtsrat nach intensiven Beratungen, obwohl Kulturstaatsminister Wolfram Weimer (61) ursprünglich eine Trennung angestrebt hatte. Grund für die Diskussionen waren die Antisemitismus-Vorfälle während des diesjährigen Festivals.
Wende nach gescheiterten Trennungsverhandlungen
Laut Informationen aus dem Kulturausschuss des Bundestages scheiterten die Trennungsmodalitäten an finanziellen und vertraglichen Details. Tuttles Vertrag läuft noch drei Jahre, und eine einvernehmliche Lösung konnte nicht gefunden werden. Zudem erhielt die Festivalleiterin prominente Unterstützung aus der deutschen Filmszene.
In einem offenen Brief kritisierten Stars wie Iris Berben (75), Volker Schlöndorff (86) und Wim Wenders (80) den Umgang mit Tuttle. Sie warnten davor, dass Kultur nicht zum Spielball politischer Auseinandersetzungen werden dürfe und sprachen von einem „Versuch der Einmischung“ durch die Finanziers.
Neue Regeln: Beirat und Verhaltenskodex
Als Kompromisslösung stimmte Tuttle nun strengen Auflagen zu. Sie erhält einen Beirat an die Seite, der das Festival künftig begleiten soll. Zudem wird für alle Teilnehmer ein verbindlicher Verhaltenskodex eingeführt.
Zu den Kernpunkten des Kodex gehört ein klares Antisemitismus-Tabu. Damit reagiert die Berlinale auf die Vorfälle, bei denen auf offener Bühne israelfeindliche Propaganda verbreitet wurde. Ein weiteres Ziel ist es, wieder mehr Hollywood-Produktionen nach Berlin zu locken, die zuletzt einen Bogen um das Festival gemacht hatten.
Politische Forderungen nach Reformen
Vor allem aus der CDU waren im Vorfeld deutliche Forderungen nach einer grundlegenden Reform der Berlinale gekommen. Die Kulturexpertin der CDU, Ellen Demuth (43), hatte erklärt: „So geht es mit der Berlinale auf keinen Fall weiter. Deutschlands wichtigste Filmfestspiele müssen grundlegend neu aufgestellt werden.“
Trotz der Kritik betonte Tuttle in einer Stellungnahme gegenüber der „dpa“, sie wolle ihre Arbeit „in vollem Vertrauen und mit institutioneller Unabhängigkeit fortsetzen“. Die Entscheidung fiel während einer Sitzung des Aufsichtsrates der Kulturveranstaltungen des Bundes in Berlin GmbH (KBB), an der auch Tuttle selbst teilnahm.
Die Einigung markiert einen Wendepunkt für das Festival, das nach den Skandalen nun unter verschärfter Aufsicht steht. Ob die Maßnahmen ausreichen, um das internationale Renommee der Berlinale wiederherzustellen, bleibt abzuwarten.



